Dienstag, 13. Januar 2015

Schweigkofler zum Abschied: "Caritas ist Haltung des Herzens"

An der Spitze der Caritas steht ein Wechsel an. Heiner Schweigkofler gibt sein Amt als Direktor ab, das er 13 Jahre lang innehatte. Bereits am 11. Dezember hatte Schweigkofler seine Entscheidung Bischof Ivo Muser mitgeteilt. Ab Mittwoch wird dieser mit der Suche nach einem Nachfolger beginnen, der bis Mai gefunden sein soll.

Heiner Schweigkofler legt im Juni sein Amt nieder.
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Heiner Schweigkofler legt im Juni sein Amt nieder. - Foto: © D

Traurig, aber auch mit großer Freude für all das, was die Caritas in den vergangen 13 Jahren geleistet hat, hat Heiner Schweigkofler im Rahmen einer Pressekonferenz mitgeteilt, im Juni seinen Auftrag als Caritasdirektor zurückzulegen. Für seine Entscheidung sind persönliche Gründe ausschlaggebend und der Wunsch, sich beruflich neu zu orientieren. „Es ist die richtige Entscheidung“, so Schweigkofler, der betonte, dass er das Alter habe, um nochmal Neues zu beginnen.

Die Flüchtlingsthematik 

"Ich war mit Leib und Seele dabei, habe mich voll und ganz gegeben, mich nicht zurückgenommen", so Schweigkofler. Sein Ziel war es stets, die "Solidarität mit den Schwächsten der Gesellschaft zu stärken. Caritas ist eine Haltung des Herzens; je konkreter sie gelebt wird, desto besser geht es einer Gesellschaft." Besonders beschäftigt habe ihn das Thema Migration. "Die Flüchtlingstragödien sind mir besonders ans Herz gegangen. Auch in den vergangenen Wochen sind wiederum 60 Menschen zu uns gekommen, die unterzubringen waren.

„Ich weiß die Caritas in guten Händen. Deshalb habe ich für mich persönlich beschlossen, den Platz an der Spitze frei zu machen und mich auf etwas Neues einzulassen.“ Der Caritas werde auch in Zukunft die Arbeit nicht ausgehen, so Schweigkofler, der all den Mitarbeitern und 5000 Freiwilligen dankte.

Armutsprävention

„Derzeit zählt die Caritas über 30 Fachdienste. Alle gemeinsam leisten sehr gute und wertvolle Arbeit. Auch innerhalb der Bevölkerung ist die Caritas gut angesehen. Das zeigt sich besonders an der großen Zahl an Spenderinnen und Spender, welche die Caritas trotz Krise bei ihrer Arbeit für Menschen in Not nach wie vor kräftig unterstützen“, erklärt Schweigkofler. „Leider muss ich sagen, dass die gesellschaftlichen Umbrüche auch an Südtirol nicht spurlos vorbeigegangen sind und die Armut wieder zugenommen hat.“ Armutsprävention und Arbeitsintegration seien deshalb Bereiche, in die auch weiterhin viel und mehr investiert werden müsse.

Während Schweikoflers Amtszeit wurden eine Reihe wichtiger Dienste der Caritas ins Leben gerufen: Strukturen für Obdachlose in Bozen, Meran und Bruneck, die Telefonseelsorge, die Hauspflege Burggrafenamt, die Mensa am Vinschgertor, die MigrantInnenberatung in Meran und Bruneck, die youngCaritas, Integra (Jobcoaching und Treffpunkt für Menschen mit Beeinträchtigung), Flüchtlingsheime und anderes mehr. Auch die Zusammenführung der deutschen, der italienischen und ladinischen Sektionen im Jahr 2012 fällt in seine Amtszeit

Bischof sucht Nachfolger

„Wir bedauern, aber respektieren seine Entscheidung“, sagten dazu Bischof Ivo Muser und Seelsorgeamtsleiter Eugen Runggaldier. Der Bischof wies darauf hin, dass Heiner Schweigkofler der Caritas ein Gesicht gegeben hat: „Herz, Verstand, Kompetenz und Gefühl – das hat man bei Dir gemerkt“, so der Bischof, der darauf hinwies, dass es der Caritas darum gehe, im Auftrag der Kirche Gutes zu tun. „Ich wünsche mir weiterhin diese unbequeme Stimme der Caritas in unserem Land“, so Bischof Muser, der Schweigkofler für sein Tun und sein Sein dankte.

„Der gute Wille allein ist oft nicht gut genug, es braucht eine carità intelligente“, so der Bischof, der ermutigte weiterhin nahe am Menschen zu bleiben, denn „die Einstellung zu den Schwächsten entscheidet über die Qualität der Gesellschaft“, so Bischof Muser. Die Nachfolge von Schweigkofler ist noch offen, soll aber bis Mai geklärt sein.  

Schweigkoflers Werdegang

Heiner Schweigkofler, geb. 1967 in Tscherms, hat in Wien Pädagogik und Philosophie studiert, 2008 hat er in München den Master in Sozialmanagement abgeschlossen. 1993/94 hat er den Zivildienst bei der Caritas absolviert. Ab 1994 war er Geschäftsführer von Südtirols Katholischer Jugend (SKJ), bis er 1998 als Bereichsleiter für „Menschen in Not“ zur Caritas wechselte. Bischof Wilhelm Egger (†) hat ihn dann 2002 zum Caritas-Direktor ernannt. 

stol/ker

stol