Immer wieder wird die Schweiz als Beispiel für gelingenden Herdenschutz herangezogen – jetzt zieht die Eidgenossenschaft aber die Notbremse, um weitere Risse und Schäden sowie eine unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes zu verhindern. <BR /><BR />Die Zahl der Raubtiere ist in den vergangenen 3 Jahren stark angestiegen. Derzeit streifen nicht weniger als 300 Wölfe durch die Schweizer Wälder. 2020 waren es noch 11 Rudel mit 100 Tieren gewesen. 2019 wurden 446 Nutztiere gerissen – 2022 waren es 1480, vor allem Schafe und Ziegen.<BR /><BR />Das Bundesamt für Umwelt hat Entnahme-Gesuche von 5 Kantonen bewilligt. Somit dürfen 12 Rudel entnommen werden – bei 6 weiteren Rudeln dürfen 2 Drittel der Jungwölfe getötet werden. Allein in Wallis und Graubünden – den Kantonen mit den größten Populationen – wurden damit 80 Tiere zum Abschuss freigegeben. <BR /><BR />Seit 1. November können Wölfe auch vorbeugend geschossen worden, ohne dass sie vorher Nutztiere gerissen haben oder Menschen zu nahe gekommen sind. Die Jagdzeit dauert von September bis Ende Jänner.<h3> Schuler geht davon aus, „dass der Druck abnimmt“</h3>Landesrat Arnold Schuler hält es für wahrscheinlich, „dass auch der Druck in Südtirol abnimmt, wenn in Graubünden eine stattliche Anzahl an Wölfen entnommen wird“. Er begrüßt es, dass sich nun „in immer mehr Staaten etwas bewegt“. Die Schweiz könne auch nicht völlig frei agieren – sie müsse sich an das Berner Abkommen halten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62379630_quote" /><BR /><h3> Tiefenthaler erwartet Senkung des Schutzstatus</h3>Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler hält es für gut möglich, dass in Brüssel bald der Schutzstatus des Wolfes gesenkt wird, „damit sich die EU-Staaten leichter mit der Entnahme tun“. In der EU sei derzeit „ein großes Umdenken im Gange“. Die Staaten kämen inzwischen massiv unter Druck, „weil Wölfe in manchen Zonen bis in die Dörfer vordringen“. Wenn ein Wolf neben dem Kindergarten auftauche, dann sei dies etwas ganz anderes, als wenn auf der Alm ein Tier gerissen wird, meint Tiefenthaler.<h3> Terzer verweist auf die Entnahmen in EU-Staaten</h3>Der Direktor des Jagdverbands, Benedikt Terzer, erinnert daran, dass auch in einigen EU-Staaten zahlreiche Wölfe entnommen wurden. In Frankreich seien 2022 immerhin 169 Wölfe erlegt worden – bei einem Gesamtbestand von 800 Tieren. Schon vor 20 Jahren habe man dort mit Wolfsentnahmen begonnen – und die Zahl der Entnahmen dann stetig gesteigert. Schweden habe heuer 75 Wölfe zum Abschuss freigegeben – 57 seien dann abgeschossen worden – bei einem Gesamtbestand von 460 Tieren. Die EU stehe voll hinter der Regulierung. EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen habe vor einigen Monaten die EU-Staaten aufgefordert, von den Ausnahmegenehmigungen Gebrauch zu machen, berichtet Terzer.<h3> EU-Land Slowenien will Bärenbestand stark senken</h3>„Während sich der Schutzstatus des Wolfes je nach EU-Mitgliedsstaat unterscheidet, ist der Braunbär in der gesamten EU streng geschützt“, erklärt der Jagdverbands-Direktor. Am Beispiel von Slowenien zeige sich, dass das Unionsrecht auch erhebliche Entnahmen von streng geschützten Arten ermöglicht. „In Slowenien wurde vor wenigen Monaten eine deutliche Reduzierung des Bärenbestandes beschlossen. Man will den Bestand von aktuell etwa 1200 Exemplaren auf 800 senken, da es infolge der Ausbreitung der Bären in den vergangenen Jahren immer häufiger zu Angriffen auf Nutztiere, aber auch auf Menschen gekommen ist“, berichtet Terzer. Deshalb gebe die slowenische Regierung ab heuer jährlich 230 Braunbären zum Abschuss frei.<BR />