Dienstag, 15. Oktober 2019

Schwer Verletzter entpuppt sich als Fahrraddieb

Wie berichtet, zog sich am Freitag ein Mann bei einem Fahrradunfall zwischen Truden und Montan tiefe Schnittverletzungen im Gesicht zu. Er war mit einem leuchtend grünen Mountainbike auf Höhe der Ludwigshöhe gestürzt. Der Unfall entpuppte sich als kurioser Kriminalfall mit noch kurioserem Ausgang.

Dieses Rad hat der Dieb gestohlen und ist damit schwer gestürzt.
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Dieses Rad hat der Dieb gestohlen und ist damit schwer gestürzt. - Foto: © Privat

Aber der Reihe nach:

Der wirklich böse Fahrradsturz war von L.D., einem Mann aus Auer, gegen 14.23 Uhr beobachtet worden. Sofort eilte er zu dem reglos am Boden liegenden Mann und alarmierte das Weiße Kreuz. Als der stark blutende Mann zu sich kam – die Rettungskräfte waren noch nicht vor Ort – wollte er trotz seiner schweren Verletzungen unbedingt telefonieren, was er dann auch tat. L.D. wunderte sich, dachte sich zunächst aber nichts dabei.

Transporter kommt und lädt Fahrrad und Verletzten auf

Erst als nur 2 Minuten später ein weißer Transporter an der Unfallstelle auftauchte, dessen Lenker ausstieg, und sowohl das grüne Rad als auch den schwerverletzten Mann auflegte, kam ihm die Sache mehr als spanisch vor. L.D. diskutierte noch mit den Männern, doch es half nichts. Die beiden brausten über die sogenannten „Mühlen“, eine sehr enge Straße, davon. L. D., der nicht als Falsch-Anrufer dastehen wollte, rief erneut das Weiße Kreuz an und schilderte die Situation.

Der Rettungswagen, der bereits über die Mühlen in Richtung Unfallstelle unterwegs war, stellte sich dem Lieferwagen in den Weg und überredete schließlich den schwer verletzten Mann sich versorgen und ins Krankenhaus einliefern zu lassen. Der andere Mann hingegen machte sich aus dem Staub - mitsamt dem Rad auf der Ladefläche. L.D. alarmierte auch die Carabinieri von Neumarkt.

Kurz zuvor war einem 13-Jährigen sein Rad gestohlen worden

Was aber weder L.D. noch die Carabinieri zu dem Zeitpunkt wussten: Gegen 14.15 Uhr, also nur wenige Minuten zuvor, war einem 13-jährigen Jungen in Truden vor der Haustüre seiner Großeltern sein leuchtend-grünes Jugend-Mountainbike der Marke Cube gestohlen worden. Wie S.D., die Mutter des Bestohlenen, gegenüber Stol erzählt, sei der Junge nur knappe 5 Minuten bei seiner Oma im Hause gewesen. Als dieser vor die Türe trat, war sein Fahrrad spurlos verschwunden. „Zuerst dachten wir noch an einen Streich seiner Freunde“, so die Mutter, „doch diese Hoffnung zerschlug sich relativ schnell“.

Schwägerin mit interessanter Beobachtung

„Als ich dann auf der Suche nach dem Rad herumtelefonierte und auch meiner Schwägerin vom Vorfall erzählte, teilte sie mir wiederum eine interessante Beobachtung mit, die sie kurz nach dem Zeitpunkt des Diebstahls gemacht hatte. Gegen 14.20 fiel dieser nämlich ganz in der Nähe des Tatorts ein Mann auf, der auf einem zu kleinen - ebenfalls grünen - Rad auf der Hauptstraße unterwegs war und in seiner Fahrweise äußerst unsicher wirkte. Nach dieser Erzählung ahnte S.D. schon, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Fahrradfahrer und dem verschwundenen Mountainbike geben könnte.

Die Geschichte wurde zum Dorfgespräch Nummer 1

In der Zwischenzeit hatte sich auch die mysteriöse Geschichte des Fahrradunfalls wie ein Lauffeuer herumgesprochen und war Dorfgespräch Nummer 1. Bald gab es keine Zweifel mehr. „Gegen 16.45 Uhr machten wir die Anzeige bei den Carabinieri von Truden“, so die Mutter.

Diese nahmen die Ermittlungen auf und befragten in Zusammenarbeit mit den zuvor zum Unfallort gerufenen Neumarktner Kollegen die verschiedenen Augenzeugen. Das Rad und der weiße Lieferwagen samt Fahrer blieben aber verschwunden.

Und dann läutete es an der Haustür....

Am späten Freitagabend dann passierte etwas, womit wohl keiner gerechnet hatte: Gegen 21 Uhr schellte es an der Haustüre der Großeltern. Vor der Tür ein unbekannter Mann. Als die älteren Leute öffneten, stellte sich der Mann als Kollege des Fahrraddiebes vor, übergab das gestohlene Fahrrad – es war bis auf ein paar kleine Kratzer unversehrt - und entschuldigte sich mehrmals für den Fehltritt seines Freundes, der zu dem Zeitpunkt noch schwer verletzt im Krankenhaus lag.

Der Mann bestand darauf, sich auch beim rechtmäßigen Besitzer des Rades, also beim Jungen und bei dessen Vater, persönlich zu entschuldigen und wartete eine geschlagene viertel Stunde ganz brav in der Küche der Großeltern, bis die Familie dort eintraf. Dann fuhr er in seinem Pkw der Marke Nissan davon.

Ob der reumütige Mann der Komplize des Fahrraddiebs ist oder nur ein unschuldiger Kollege und wo der weiße Lieferwagen samt Fahrer geblieben ist, ermitteln nun die Carabinieri.








vs

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