Die Missbrauchs-Meldungen stammen aus Opferschutzverfahren der Organisation in den Jahren 2013 bis 2023. Die Übergriffe selbst sollen in den 1950er- bis 1980er-Jahren an vier Standorten in Österreich stattgefunden haben. <BR /><BR />„Die Betroffenen haben die Geschehnisse im Rahmen des Opferschutzverfahrens plausibel dargelegt; die Entscheidungen zu Entschädigung erfolgen auf Basis einer Plausibilitätsprüfung, es handelt sich um keine forensische Untersuchung“, sagte SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Annemarie Schlack der APA. Weitere Opfer des als großer Kinderfreund geltenden Gmeiners könne man nicht ausschließen. Übergriffe auf Mädchen sind nicht bekannt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1229460_image" /></div> <BR /><BR />Alle acht Betroffene wurden mit bis zu 25.000 Euro entschädigt, zudem wurden Therapieeinheiten bezahlt. Gmeiner galt zeit seines Lebens als juristisch unbescholten. Das Opferschutzverfahren ist auch kein juristisches Instrument, sondern „ein Anerkennungs- und Unterstützungsinstrument“.<BR /><BR />Der am 23. Juni 1919 in Vorarlberg geborene Mann galt bisher als „Pionier der Menschlichkeit“. 1949 gründete Gmeiner mit knapp 30 Jahren den Verein Societas Socialis (SOS), der später in SOS-Kinderdorf umbenannt wurde. Heute ist SOS-Kinderdorf in rund 135 Ländern vertreten.<BR /><BR />Der Gründer wurde mit öffentlichen Ehren geradezu überschüttet. Der SOS-Kinderdorf-Webseite zufolge erhielt er 146 Auszeichnungen und pflegte Freundschaften mit internationalen Größen wie dem Dalai Lama und Mutter Teresa. In Österreich wurden zudem zahlreiche Schulen, Straßen und Parks (etwa einer in der Wiener Inneren Stadt) nach Gmeiner benannt. In dem Bezirk steht auch ein Hermann-Gmeiner-Denkmal. 1994 widmete ihm die Österreichische Post eine Sonderbriefmarke.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1229487_image" /></div> <h3> SOS-Kinderdorf stellt sich völlig neu auf</h3>Nach den Missbrauchs- und Gewaltvorwürfen stellt sich die Organisation völlig neu auf. Es soll „kein kleines Update, sondern ein umfassender Neustart der Organisation erfolgen“, sagte Geschäftsführerin Schlack im APA-Interview. „Schon 2026 wird SOS-Kinderdorf anders aussehen als heute“, unterstrich sie.<BR /><BR />Zudem prüft eine Reformkommission unter dem Vorsitz von Irmgard Griss die Vorfälle und Strukturen von SOS-Kinderdorf und unterstützt die Organisation „in der vollständigen Aufarbeitung – egal, wie lange eine Gewalterfahrung zurückliegt und unabhängig davon, ob es sich um Täter und Täterinnen in führenden Positionen gehandelt hat“, hieß es. Am Ende des Prozesses wird ein Abschlussbericht veröffentlicht. Seit heute, Donnerstag, ist die <a href="https://reformkommission.at/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Webseite der Reformkommission </a>mit einer online Kontaktmöglichkeit eingerichtet.<BR /><BR />Derzeit liegt bei SOS-Kinderdorf kein neuer Missbrauchs-Verdachtsfall vor. Es gibt aber aktuell 67 Meldungen, die über die diversen Andockstellen an die Organisation herangetragen wurden. Da das Spektrum dieser Eingänge sehr weit ist, muss sich daraus nicht zwingend ein neuer Fall ergeben, hieß es. Die Geschäftsführerin rief aber etwaige betroffene Personen dazu auf, sich bei SOS-Kinderdorf zu melden - auch im Fall Gmeiner.<BR /><BR />Ein Bericht der Wochenzeitung „Falter“ über Vorwürfe gegen das SOS-Kinderdorf am Standort in Moosburg in Kärnten hatte Mitte September die Missbrauchscausa ausgelöst. Kurze Zeit später kamen auch Vorwürfe gegen weitere Kinderdörfer ans Licht.