Samstag, 25. April 2015

Schweres Erdbeben in Nepal: Laut Polizei mindestens 449 Tote

Bei einem schweren Erdbeben in Nepal sind offenbar mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen. Besonders in der Hauptstadt Kathmandu und der bei Touristen beliebten Stadt Pokhara würden nach dem Beben der Stärke 7,5 (anderen Berichten zufolge 7,9) zahlreiche Opfer befürchtet, sagte am Samstag ein nepalesischer Diplomat in Neu Delhi. Auch mehrere historische Gebäude wurden zerstört. Am Mt. Everest wurde eine Lawine ausgelöst.

Retter versuchen einen verschütteten Mann aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses in Kathmandu zu bergen.
Retter versuchen einen verschütteten Mann aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses in Kathmandu zu bergen. - Foto: © APA/EPA

Die Polizei gab die Anzahl der Toten unterdessen mit mindestens 449 an.

Der stellvertretende nepalesische Botschafter in der indischen Hauptstadt Neu Delhi, Krishna Prasad Dhakal, sagte, es gebe Berichte „über den großen Verlust von Besitz und Leben in Nepal“. Mehrere historische Gebäude stürzten ein. Wahrscheinlich seien mehrere hundert Menschen in verschiedenen Landesteilen gestorben, insbesondere in Kathmandu und Pokhara.

Nepals Innenministerium teilte zunächst mit, allein in Kathmandu und der benachbarten Stadt Bhaktapur seien 114 Tote gemeldet worden.

 

In Kathmandu sind mehrere Häuser eingestürzt. (Foto: epa)

Vom Basislager des Mount Everest, wo zum Start der Klettersaison zahlreiche Bergsteiger versammelt sind, wurde eine Lawine gemeldet. Auf dem Everest saßen mehrere Bergsteiger fest. Derzeit ist in Nepal Hauptsaison für Alpinisten, die auf die höchsten Berge der Welt klettern.

Blinder Osttiroler Bergsteiger Andy Holzer in Sicherheit.

Unter den Bergsteigern befindet sich auch der blinde Österreicher Andy Holzer. Der Osttiroler und sein dreiköpfiges Begleitteam sind laut seiner Ehefrau Sabine Holzer in Sicherheit. „Andy und sein Team sind heute im ABC-Camp auf 6.400 Meter angekommen, es geht ihnen gut. Sie haben gemerkt, dass die Erde gebebt hat. Informationen über das Erdbeben haben sie aber nur, weil Sherpas mit Handys Nachrichten abgerufen haben“, sagte sie im Gespräch mit der APA.

Das Beben hatte den Himalaja-Staat und Teile Indiens zur Mittagszeit erschüttert. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS lag das Epizentrum des Bebens 81 Kilometer nordwestlich von Kathmandu.

 

 

Wie ein Reporter berichtete, stürzten Bewohner der Hauptstadt nach Beginn des Bebens ins Freie, während mehrere Häuser einbrachen. Die Erdstöße dauerten zwischen einer halben Minute und zwei Minuten. Der Dharhara-Turm im Zentrum der Altstadt stürzte ein. Ein Fotograf sah zahlreiche Tote vor dem historischen Bauwerk. Der neunstöckige Turm brach praktisch vollständig zusammen. Auch andere Gebäude wurden schwer beschädigt. Der internationale Flughafen von Kathmandu erlitt Schäden und wurde mindestens bis zum Nachmittag geschlossen.

In der gebirgigen Region gibt es immer wieder schwere Erdbeben. Im Jahr 2011 kamen bei einem Beben der Stärke 6,9 im Nordwesten Indiens und in Nepal 110 Menschen ums Leben. Auch am Samstag waren die Erdstöße in Nordindien und Bangladesch zu spüren, so in der Hauptstadt Dhaka, wo Menschen in Panik auf die Straße stürzten. Medienberichten zufolge wurden in einer Textilfabrik am Rande von Dhaka 50 Arbeiter verletzt, als sie ins Freie drängten.

Auch in Neu Delhi bebte die Erde. Laut Indiens Behörde für Meteorologie war das Beben besonders in den nördlichen Bundesstaaten Uttar Pradesh, Bihar, Sikkim und Westbengalen zu spüren. Demnach wurde rund 20 Minuten nach dem ersten Beben ein zweiter Erdstoß der Stärke 6,6 registriert. Die Behörde rief die Menschen angesichts möglicher Nachbeben zur Wachsamkeit auf. Indische Behörden sprachen von vier Toten auf indischer Seite, jeweils zwei in den Bundesstaaten Bihar und Westbengalen. In Bangladesch starb nach offiziellen Angaben eine Frau im Distrikt Pabna.

Über die Intensität der Stöße lagen zunächst unterschiedliche Angaben vor. Das Beben habe die Stärke 7,6 bis 7,9 gehabt, sagte Lokbijay Adhikari, Chef des Geologischen Zentrums in Nepal. Die Nachbeben seien bis 5,5 stark gewesen. Die US-Erdbebenwarte sprach von der Stärke 7,9. Das Zentrum lag demnach etwa 80 Kilometer Luftlinie westlich der Hauptstadt Kathmandu, in nur 15 Kilometern Tiefe.

Dem Österreichischen Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zufolge hatte das Erdbeben, das sich um 8.11 Uhr (11.56 Lokalzeit in Nepal) etwa 80 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu ereignete, eine Magnitude von 7,5. 34 Minuten später sei es zu einem schweren Nachbeben mit Magnitude 7,1 gekommen.

apa/Reuters/afp/dpa

stol