Am Montag gegen 8.30 Uhr stießen nahe des Bahnhofs der Kleinstadt Halle, rund 15 Kilometer südwestlich von Brüssel, zwei mit etwa 300 Passagieren voll besetzte Pendlerzüge frontal zusammen. Die Behörden befürchten bis zu 25 Tote und weit über 100 Verletzte. Die Staatsanwaltschaft bestätigte bisher mindestens 25 Tote. Die Unfallstelle bot ein Bild der Verwüstung. Die Züge waren auf dasselbe Gleis zugerollt und gegeneinandergeprallt. Die Wucht des Aufpralls schob die beiden ersten Waggons im 45-Grad-Winkel nach oben. Darunter verkeilte sich ein weiterer Waggon, mehrere Wagen sprangen aus den Schienen. Es war wie ein Erdbeben“, sagte ein Augenzeuge. Ein anderer berichtete, der Zug habe hart gebremst. „Dann hörten wir einen lauten Knall und ich sah einen Waggon an meinem Fenster vorbeischlittern.“ Die Fahrgäste seien nach vorne geschleudert worden und auf den Boden gefallen. Nach dem Aufprall hätten einige Passagiere ein Fenster eingeschlagen und seien herausgeklettert.Das Unglück ereignete sich gegen 8.30 Uhr zwischen den Bahnhöfen Buizingen und Halle. Ein Zug fuhr von Löwen nach Braine-le-Comte südlich von Brüssel. Der zweite Zug war von der französisch-belgischen Grenze vom Ort Quievrain nach Lüttich unterwegs. Die Regionalbahn aus Löwen habe ein rotes Haltesignal übersehen, sagte der Gouverneur von Flämisch-Brabant, Lodewijk De Witte. Vermutlich spielte das schlechte Wetter mit dichtem Schneefall eine Rolle. Der Fahrplan sei durcheinandergeraten, da der entgegenkommende Zug zehn Minuten Verspätung hatte.Über die Opferzahl gab es in den Stunden nach der Katastrophe die unterschiedlichsten Angaben: Laut der Brüsseler Staatsanwaltschaft waren „zwischen acht und 20“ Menschenleben zu beklagen. Der Haller Bürgermeisters Dirk Pieters hatte zuvor von „mindestens 20“ Todesopfern gesprochen. Gouverneur De Witte sprach seinerseits von zehn Toten, andere Quellen sogar von 25. Laut einem Verantwortlichen der Eisenbahngesellschaft SNCB wurden zudem etwa 150 Menschen verletzt. In den beiden Zügen seien zusammen zwischen 250 und 300 Fahrgäste gewesen.Die Feuerwehr brachte die Schwerverletzten in umliegende Krankenhäuser, die Leichtverletzten wurden in einem Sportzentrum in Halle behandelt und psychologisch betreut. Die Behörden richteten ein Krisenzentrum und eine Notrufnummer für Angehörige ein. Das Rote Kreuz rief zum Blutspenden auf.Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters erklärte während einer USA-Reise, dies sei „ein neuer schwarzer Tag für Flandern“. Belgiens Ministerpräsident Yves Leterme brach eine Balkanreise ab und wurde noch am Nachmittag am Unglücksort erwartet, ebenso wie König Albert II. Der letzte Zugunfall mit Todesopfern in Belgien ereignete sich vor knapp neun Jahren. Bei dem Zusammenstoß kamen damals acht Menschen ums Leben. Nachmittag wurden König Albert II. sowie Premierminister Yves Leterme am Unglücksort erwartet.apa/dpa/reuters/afp/apn