Mittwoch, 07. Oktober 2020

Schwierige Saison: Italiener retten Bauernhof-Sommer

Der Gast aus Italien hat heuer den Urlaub auf dem Bauernhof aus der Patsche geholfen. Denn fast ein Drittel an bundesdeutschen Gästen ist heuer ausgeblieben.

Die Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe haben im Sommer der Corona-Krise getrotzt. Die Abgeschiedenheit am Hof mitten in der Natur war heuer eine Trumpfkarte bei den Urlaubshungrigen aus Italien.
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Die Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe haben im Sommer der Corona-Krise getrotzt. Die Abgeschiedenheit am Hof mitten in der Natur war heuer eine Trumpfkarte bei den Urlaubshungrigen aus Italien. - Foto: © Frieder Blickle
„Wir hatten im Juli ein starkes Plus bei den italienischen Gästen. Das Minus betrug deswegen insgesamt ,nur„ 8 Prozent. Und der August war dann ein starker Monat und sicher besser als der Juli, obwohl die Zahlen noch nicht vorliegen“, sagt Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund (SBB).

Südtirol zählt rund 2800 Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe, davon wiederum sind 1669 Roter-Hahn -Betriebe. „Diese Betriebe müssen 3 Vorgaben einhalten: selbst die Gäste zu betreuen, den Hof selbst bewirtschaften, und jeder Gast muss auch hofeigene Produkte bekommen“, erklärt Kienzl.

Der Stammgast kommt dabei aus Deutschland. „Wir haben generell 2 Gästeschichten: 60,9 Prozent unserer Gäste kommen aus Deutschland und rund 26,3 Prozent aus Italien“, schickt Kienzl voraus. So zumindest war die Situation im vergangenen Jahr. Es sei nicht so, dass Südtirols Bauern den italienischen Gast nicht mögen würden. „Die deutschen Gäste buchen viel früher und haben so den italienischen Gast verdrängt“, so Kienzl.

Nach den Südtiroler Privatzimmervermietern mit einem Minus von 5 Prozent bei den Nächtigungen im Juli, sind Südtirols Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe zumindest im Juli mit dem zweitmildesten Minus ausgestiegen. Es betrug 8,3 Prozent. „Weil wir heuer einen höheren Anteil an italienischen Gästen hatten, ist unser Minus geringer ausgefallen“, sagt Kienzl. Das größte Minus an Nächtigungen mussten mit 38,2 Prozent die Ein- und 2-Sterne-Betriebe hinnehmen, gefolgt von den 3-Sterne-Häusern mit einem Minus von 30,7 Prozent, immer bei den Nächtigungen im Vergleich zum Juli des Vorjahres.

Im Juli 2019 wurden in Südtirol insgesamt 1,78 Millionen Nächtigungen von deutschen Gästen verzeichnet, heuer waren es nur mehr 1,42 Millionen Nächtigungen – ein Minus von 32,8 Prozent. „Dass das Minus im Juli in unseren Betrieben nicht so hoch ausgefallen ist und wir nicht ein Drittel an Nächtigungen verloren haben, hat damit zu tun, dass wir landesweit 42 Prozent mehr Nächtigungen von Seiten italienischer Gäste hatten. Mit dem Minus von 8,3 Prozent sind wir vergleichsweise noch gut ausgestiegen. Ich glaube, der italienische Gast hat uns aufgefangen“, sagt der Marketing-Chef beim Bauernbund. Die Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe verzeichneten im Juli eine Bettenauslastung von 57,7 Prozent, nur die 5-Sterne-Betriebe mit einer Auslastung von 69,7 Prozent machten es besser.

Und im August? „Definitive Zahlen liegen noch nicht vor. Aber der August ist sicher besser gelaufen und zwar nicht nur in den beiden ersten Wochen, sondern auch in Woche 3 und 4. Nach meinem Gefühl war der August für uns ein starker Monat. Da bin ich ganz zuversichtlich“, meint Hans J. Kienzl.

Natürlich hätten die Gäste heuer vermehrt Wohnungen und Abgeschiedenheit gesucht. „Das spielt uns in die Karten, aber meine Mitarbeiter haben einen super Job gemacht. Urlaub am Bauernhof ist zu einer Begehrlichkeit geworden. Unsere Gäste sind begeistert, das lässt sich an den tollen Hofbewertungen ablesen. Und grad in Krisenzeiten macht sich eine starke Marke wie der Rote Hahn bezahlt, denn sie steht für Vertrauen und Sicherheit. Zudem haben wir einen sehr hohen Stammgäste-Anteil“, sagt Marketingchef Kienzl.

lu