884 Frauen haben laut Arbeitsinspektorat im Vorjahr gekündigt. Die allermeisten, weil Familie und Beruf sich nicht unter einen Hut bringen ließen. Und ein Blick in die Statistik zeigt, dass das Thema Vereinbarkeit immer schwieriger wird. Vor 10 Jahren waren es noch 265 Mütter weniger, die innerhalb eines Jahres aus diesem Grund gekündigt haben. Vor allem die Zahl der Akademikerinnen, die ihr Arbeitsverhältnis kündigen, habe stark zugenommen, so Morandini. <BR /><BR />Ein Teil dieser Frauen wendet sich an die Gleichstellungsrätin. Zwar waren es laut Statistik im Vorjahr „nur“ 18 Frauen, die sich wegen einer Kündigung während der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Kindes an sie gewandt haben. Weitere 90 waren es aber, die mit dem Thema Flexibilität bzw. Vereinbarkeit von Beruf und Familie kamen. Vielfach ließen sich die Themen Vereinbarkeit und Kündigung nicht voneinander trennen, so Morandini. „Die meisten gaben als Grund für ihre Kündigung an, dass das soziale Netzwerk oder die Betreuungseinrichtungen zu wenig flexibel seien oder eben die Arbeitszeiten“, sagt sie.<BR /><BR />Kaum ein Grund für ihre Kündigung war die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei den 216 Männern, die 2021 ihr Arbeitsverhältnis aufgelöst haben. „Bei den Männern ist meist ein Arbeitsplatzwechsel der Grund für die Kündigung“, so Morandini. In 153 Fällen war dies zumindest so. Nur in 5 Fällen gab der Vater an, dass er gekündigt habe, weil die Arbeitsbedingungen bzw. deren Organisation mit der Kinderbetreuung nicht vereinbar waren. In 4 weiteren Fällen war der Grund entweder kein Platz im Kinderhort, Oma und Opa, die zu weit entfernt wohnen oder eben überhaupt keine Unterstützung durch Familienangehörige.<BR /><BR /><b>Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz</b><BR /><BR />Gehäufter als in den Jahren zuvor kamen Frauen zur Gleichstellungsrätin, die sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz erlebt hatten bzw. erlebten. Mit 25 Hilfesuchenden ging es in knapp 6 Prozent der Fälle um diese Thematik. Die Dunkelziffer dürfte laut Morandini aber weit höher liegen. „Allen Frauen war gemeinsam, dass sie große Angst um ihren Arbeitsplatz hatten“, berichtet sie. Die Übergriffe gingen dabei sowohl von Vorgesetzten als auch von Arbeitskollegen aus und fanden sowohl in körperlicher als auch in digitaler Form statt. Letztere Fälle wurden von der Gleichstellungsrätin an die Staatsanwaltschaft übermittelt. „Eine Anzeige bei Polizei oder Carabinieri ist in solchen Fällen immer gut“, sagt Morandini. „Aber erst müssen sich diese Frauen aufgehoben fühlen, wissen, wo sie im Fall unterkommen.“<BR /><BR />Weibliche Opfer sind zwar nach wie vor in der Überzahl. Im Vorjahr haben sich aber auch 2 Männer an die Gleichstellungsrätin gewandt, die am Arbeitsplatz sexuelle Übergriffe erlitten hatten. „In einem Fall begann das mit Avancen und Einladungen seitens der Vorgesetzten und endete mit angedrohten Konsequenzen, weil die erhofften sexuellen Leistungen eben nicht erfüllt wurden“, so Morandini. Der zweite Mann habe anrüchige Witze und verbale Angriffe auf seine Männlichkeit über sich ergehen lassen müssen.