<BR /><b>Wann kommen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger zum Einsatz?<BR /></b>Marlene Kranebitter: In der Hälfte der Fälle handelt es sich um Todesfälle im eigenen Haus – um medizinische Fälle, oft nach einer erfolglosen Reanimation. Am zweithäufigsten im Einsatz stehen wir nach Suiziden – und weiters nach tödlichen Verkehrsunfällen, Arbeitsunfällen und Freizeitunfällen. <BR /><BR /><b>Wie geht man als Notfallseelsorger da vor?</b><BR />Kranebitter: Es geht bei allen unseren Einsätzen darum, möglichst schnell zu erfassen: Wer braucht was in welchem Ausmaß? Bei einem Suizid werden einige Fragen immer unbeantwortet bleiben. Es kommt zu Schuldgefühlen. Aber von Schuld zu reden, ist ein absolutes No-Go. <BR /><BR /><b>Werden Angehörige nach Todesfällen mit Medikamenten beruhigt?</b><BR />Kranebitter: Das ist sehr selten notwendig. Mit Medikamenten Emotionen niederzudrücken, ist kontraproduktiv.<BR /><BR /><BR /><b>Wer meldet sich, um als Freiwilliger Dienst bei der Notfallseelsorge zu leisten?</b><BR />Kranebitter: Menschen quer durch die gesamte Bevölkerung – viele aus sozialen Berufen. Da sind Krankenpflegerinnen, Altenpflegerinnen, Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen dabei – ebenso Leute aus technischen Berufen, Handwerksberufen und dem Gastgewerbe. Von den über 200 Notfallseelsorgerinnen und <BR />-seelsorgern sind etwa zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Die meisten sind zwischen 40 Jahre und 60 Jahre alt. Das Mindesteintrittsalter liegt bei 28 Jahren. Es sind Leute, die sich mit diesem Thema beschäftigen und sich dann irgendwann dazu entscheiden, Zeit zu schenken. Das ist kein Hobby, keine Freizeitbeschäftigung und auch kein Ausgleich für irgendetwas. Da muss man schon ganz bewusst an die Sache herangehen, weil man ständig mit Tod und Trauer zu tun hat. Und man muss auch imstande sein, all die Erfahrungen, die man da macht, ins eigene Leben einzuordnen. <BR /><BR /><b>Zart besaitet darf man da wohl eher nicht sein, oder?</b><BR />Kranebitter: Zart besaitet kann man sehr wohl sein – es geht ja darum, das nötige Maß an Empathie zu finden: Mitfühlen, aber nicht mitleiden. <BR /><BR /><b>Welche Fähigkeit ist als Notfallseelsorger besonders gefragt?</b><BR />Kranebitter: Die Fähigkeit, die Bedürfnisse von Menschen zu erfassen. Die eigenen Werte und Wertehaltungen sind ganz hinten anzustellen. <BR /><BR /><b>Haben die Notfallseelsorger genug Nachwuchs?</b><BR />Kranebitter: Wir sind zurzeit gut abgedeckt. Die Freiwilligen bleiben fünf Jahre, sechs Jahre oder auch zehn oder 15 Jahre.