Mittwoch, 15. November 2017

„Seelische Not ist näher als du denkst“

Jede 3. Person leidet im Laufe ihres Lebens ein- oder mehrmals unter psychischen Problemen. Hinter dieser nüchternen Statistik steht oft großes Leid - der Betroffenen, aber auch ihrer Angehörigen. Unterstützung und Solidarität sind hier gefragt. Deshalb stellt die Caritas heuer das Thema „seelische Not“ in den Mittelpunkt ihrer Hilfsaktion „Not ist näher als du denkst“ rund um den Caritas-Sonntag.

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Foto: © shutterstock

In Südtirol wurden 2016 mehr als 18.500 Menschen wegen verschiedener psychischer Probleme, Erkrankungen oder Störungen von den öffentlichen Fachdiensten behandelt. Das sind rund 4 Prozent der Bevölkerung.

Insgesamt wurden fast 14.000 Psychotherapien durchgeführt, über 3.000 Patienten mussten sogar stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden. „Vor allem in den vergangenen Jahren scheint die Zahl von Menschen zuzunehmen, die sich in einer akuten, psychisch belastenden Lebenssituation befinden. Das beobachten wir auch in unseren verschiedenen Diensten. Diese Menschen leiden unter großem psychischen Druck, Ängsten, Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder depressiven Verstimmungen. Die Auslöser dafür können Probleme in der Familie, in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz, oder das belastende Gefühl der inneren Einsamkeit sein“, sagt Caritas-Direktor Paolo Valente.

„Der betont leistungs- und konsumorientierte Lebensstil unserer Gesellschaft wirkt sich nicht immer positiv auf die Menschen aus: Einige Frauen und Männer glauben, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können. Doch auch Veränderungen machen den Menschen zu schaffen, wie etwa sich ändernde Rollenbilder, Migration, zunehmende Digitalisierung. Gar einige haben deswegen Angst, ihren Platz in der Gesellschaft zu verlieren ­– das setzt sie wiederum stark unter psychischen Druck und kann auch zu ernsthaften seelischen Erkrankungen und sogar zur Suizidgefährdung führen.“ 

Besonders psychisch Kranken gegenüber herrscht viel Unwissen und Unsicherheit, auch weil diese aufgrund ihrer Erkrankung mit dieser sog. ,normalen‘ Gesellschaft nicht mehr Schritt halten können. „Dabei ist gerade für sie ein Stück ,Normalität‘, wie z.B. ein strukturierter Tagesablauf, wichtig“, sagt Monika Verdorfer, die Leiterin des Tagesclub in Meran. 

Zahlreiche Caritas-Dienste nehmen sich der Menschen in seelischer Not und mit psychischen Erkrankungen an: 

  • Die  Männerberatung mit Büros in Bozen, Meran und Brixen: Hier ist die Anteil der Ratsuchenden bei psychischen Problemen, Lebenskrisen und Trennungen 2016 von 33 Prozent der Betreuten auf 42 Prozent angestiegen.
  • Die Telefonseelsorge mit der Grünen Nummer 840 000 481: Die meisten der im vergangenen Jahr geführten rund 10.000 Telefongespräche drehten sich um das Thema Einsamkeit und andere psychische Belastungen. Bei immerhin 94 Anrufen stand sogar explizit das Thema Suizid im Vordergrund.
  • Die Hauspflege im Burggrafenamt:  Die 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um mehr als 900 pflegedürftige Personen, darunter neben der Hauptzielgruppe Senioren auch immer mehr um Minderjährige und Erwachsene mit sozialen Schwierigkeiten, Sucht- bzw. psychischen Problemen.
  • Die Tagesförderstätte Mosaik in Meran: Hier wird die Selbständigkeit von Kindern und Jugendlichen im autistischen Spektrum gefördert.
  • Der Dienst Integra, ebenfalls in Meran: Es handelt sich hier um eine Art Werkstätte für Menschen mit Beeinträchtigung, in der zunehmend mehr Personen mit psychischen Störungen und Abhängigkeitserkrankungen betreut werden; hier wird ihnen ein individuelles Jobchoaching geboten und über den Integra Treffpunkt am Nachmittag ein umfangreiches Freizeit- und Bildungsangebot, immer auch in enger Zusammenarbeit mit den Fachdiensten.
  • Die Hospizbewegung: Sie ist Ansprechpartner und Begleiter für Menschen, die durch Sterben, Tod und Trauer aus dem seelischen Gleichgewicht geraten und deshalb dringend Hilfe brauchen. 

Die Hilfsaktion der Caritas „(Seelische) Not ist näher als du denkst“ will Mut machen und zur Solidarität anhalten. „Wenn wir alle etwas näher hinschauen und den Sorgen und Nöten unserer Mitmenschen nicht gleichgültig gegenüberstehen, kann viel Not rechtzeitig abgefangen werden. In Südtirol gibt es zum Glück eine Reihe von Menschen, die sich für ihre Nächsten einsetzen und die Caritas bei ihrer Arbeit unterstützen. Die einen tun dies, indem sie ihre Zeit und ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen, die anderen drücken ihre Solidarität über Spenden aus“, sagt Valente.

Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Kirchensammlung an diesem Sonntag, dem Caritas-Sonntag, und auf die Möglichkeit, die Arbeit der Caritas für Menschen in Not in Südtirol mittels einer Banküberweisung unter dem Kennwort „Caritas“ zu unterstützen. 

Die Spendenkonten der Caritas: 

Raiffeisen Landesbank, IBAN: IT42 F0349311600000300200018

Südtiroler Sparkasse, IBAN: IT17 X0604511601000000110801

Südtiroler Volksbank, IBAN: IT12 R0585611601050571000032

Intesa Sanpaolo, IBAN: IT18 B0306911619000006000065 

stol