STOL: Die Etschwerke fordern von der SEL AG 807 Millionen Euro.Wolfram Sparber: Wir nehmen Kenntnis davon. Aus unserer Sicht ist diese Forderung übertrieben, sie fällt völlig aus dem Rahmen.STOL: Wie geht es jetzt weiter?Sparber: Den Weg, den die Etschwerke einschlagen, ist meiner Ansicht nach nicht der richtige. Wir sind nach wie vor offen für Lösungen, die vielschichtig sein können. Klar ist aber auch, dass man auf ein solches Schreiben entsprechend antworten muss. Wenn diese Sprache von der Gegenseite gewählt wird, kann man das nicht ignorieren. Wir haben uns mit unseren Rechtsanwälten in Verbindung gesetzt und reagieren entsprechend.STOL: Es läuft also auf eine Auseinandersetzung vor Gericht hinaus?Sparber: Die gerichtliche Ebene wird auf alle Fälle weiterverfolgt, weil die Etschwerke diesen Weg gehen wollen. Das kann man nicht ausblenden. Parallel sind wir offen für außergerichtliche Lösungen, also für Verhandlungen und Gespräche. Klar ist aber auch, dass sich die Diskussion in letzter Zeit weg von den beiden Unternehmen hin in Richtung Politik bzw. Gesellschafter, also das Land Südtirol und die Gemeinden Bozen und Meran, verschoben hat. Die Frage ist, inwieweit Gespräche stattfinden und ob über Lösungen gesprochen wird.STOL: Die SEL ist ein Unternehmen des Landes. Muss der Steuerzahler im schlimmsten Fall für die von den Etschwerken geforderte Summe aufkommen?Sparber: Ich glaube dass es eine Lösung nicht vor Gericht sondern nur außergerichtlich geben kann. Es ist sehr fraglich, dass lokale, öffentliche Gesellschaften so miteinander umgehen. Ich würde es bevorzugen, wenn wir einen anderen Weg finden könnten.STOL: Wo sehen Sie Möglichkeiten für eine Lösung?Sparber: Im Grunde geht es darum zu klären, wer welche Gesellschaften führt.STOL: Die SEL wäre also bereit, die Führung einiger Kraftwerke abzutreten?Sparber: Aus meiner Sicht geht es weniger darum, Gesellschaften zu zerschlagen, sondern es geht um die Frage, wer der Besitzer von welchen Gesellschaften ist und zu welchen Anteilen und ob die Strukturen, die heute in der Form bestehen auch so bleiben, oder ob sie sich ändern und wenn ja, in welcher Form sie sich ändern. Diese Fragen muss der Besitzer der Gesellschaft treffen. Wichtig ist, dass man Lösungen findet, die es auf der einen Seite der SEL und den Etschwerken erlauben, operativ effizient zu arbeiten, also keine Zerstückelung in hundert Kleinstgesellschaften, aber auf der anderen Seite ein Besitztum dermaßen zu gestalten, dass eine bestimmte Zufriedenheit unter dem Großteil der öffentlichen Akteure gegeben ist.STOL: Sie sehen die SEL durch diese hohe Schadenersatzforderung nicht in Gefahr?Sparber: Ich sehe die SEL aufgrund der Forderung der Etschwerke nicht relevant in Gefahr.Interview: Rupert Bertagnolli