Mittwoch, 16. Juni 2021

Seilbahnunglück am Lago Maggiore: Video zeigt Todesfahrt

Am Mittwoch gelangten erstmals Aufnahmen der Videoüberwachungskameras an die Öffentlichkeit, die das schreckliche Seilbahnunglück mit 14 Toten zeigen. Das Video ist Teil der Ermittlungsakten. STOL und das Tagblatt „Dolomiten“ verzichten aus Pietät gegenüber den 14 Opfern und deren Angehörigen auf die Veröffentlichung.

Der Moment, indem die Seilbahn sich rückwärts in Bewegung setzte und mit hoher Geschwindigkeit nach unten rast.
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Der Moment, indem die Seilbahn sich rückwärts in Bewegung setzte und mit hoher Geschwindigkeit nach unten rast. - Foto: © Screen/Video
Das schreckliche Unglück passierte am Sonntag, 23. Mai. Nur der kleine Eitan überlebte. (STOL hat berichtet) Wie das Video nun zeigt, hatte die Kabine Nummer 3 ihre Reise praktisch beendet. Kurz vor der Ankunft wird sie jedoch langsamer: In den Bildern sieht man zu diesem Zeitpunkt, wie die Passagiere im Inneren - insgesamt 15, auf das Ende der Fahrt warten, nicht ahnend, was kurz darauf passieren würde.

Plötzlich geriet die Kabine ins Stocken, bäumt sich auf, schleudert die Passagiere zu Boden und fährt mit hoher Geschwindigkeit rückwärts, wobei sie sich von einem der beiden Seile löste. Nach wenigen Sekunden prallt die Kabine gegen den Seilbahnständer und stürzt ab. Der Aufprall selbst ist nicht zu sehen, weil die Sicht von einer Kuppe verdeckt ist.


Die verstörenden Videoaufnahmen sind Teil der Akten, die den Ermittlern der Staatsanwaltschaft von Verbania vorliegen. Ermittelt wird derzeit gegen den Geschäftsführer der Seilbahn, Luigi Nerini, den Betriebsleiter, Enrico Perocchio, und den Serviceleiter, Gabriele Tadini. Ihnen wird Mittäterschaft bei mehrfacher fahrlässiger Tötung, schwerer Körperverletzung, Fälschung einer öffentlichen Urkunde und vorsätzlicher Entfernung von Sicherheitseinrichtungen vorgeworfen.

Auch am Hauptsitz der Firma Leitner in Sterzing ist im Rahmen der Ermittlungen zum Seilbahnunglück am Mottarone am Mittwoch eine Entgegennahme von Dokumenten erfolgt. „Heute Morgen haben wir den Ermittlern alle in unserem Besitz befindlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt, die sich auf die 1970 von Piemonte Funivie errichteten Anlage Stresa - Mottarone beziehen. Vom ersten Tag an hat unser Unternehmen die größte Bereitschaft gezeigt, mit der Justiz bei den Ermittlungen zusammenzuarbeiten, mit dem festen Wissen, dass wir jede Kontrolle durchgeführt und alle Wartungsarbeiten ausgeführt haben, wie es die vertraglichen Regeln und das Gesetz vorschreiben“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

vs/ansa

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