Mittwoch, 26. Mai 2021

Seilbahnunglück: Überlebender Junge aus künstlichem Koma erwacht

Nach dem tödlichen Seilbahnunglück am Monte Mottarone blicken viele in Italien weiter auf den Zustand des 5-jährigen Eitan, der den Gondel-Absturz am Sonntag als Einziger überlebte. Am Mittwochmorgen hätten die Ärzte den Beatmungsschlauch entfernt, der Junge sei kurz bei Bewusstsein gewesen, sagte der Direktor des Krankenhauses am Mittwoch vor Journalisten. Dabei habe er auch kurz die Augen auf gemacht.

Ein Schild für den kleinen Eitan vor dem Krankenhaus in Turin, in dem er derzeit behandelt wird.
Ein Schild für den kleinen Eitan vor dem Krankenhaus in Turin, in dem er derzeit behandelt wird. - Foto: © ANSA / Jessica Pasqualon
Der Junge aus Israel habe aber noch unter dem Einfluss der Medikamente gestanden, erklärte der Direktor weiter. „Seine Tante und ein Psychologe waren bei ihm“. So hatte der 5-Jährige, als er die Augen kurz öffnete, das vertraute Gesicht seiner Tante, die Schwester seines gestorbenen Vaters, vor sich. In den kommenden Stunden solle er weiter aus dem künstlichen Koma aufwachen können.

Der Kleine und ein anderes Kind waren per Rettungshubschrauber nach dem Gondelabsturz schwer verletzt in eine Turiner Klinik geflogen worden. Das andere Kind starb noch am Abend, wodurch sich die Zahl der Menschen, die bei dem Unglück starben, auf insgesamt 14 erhöhte.

Der 5-jährige Eitan hatte bei dem Unfall 5 Familienmitglieder verloren. Die Särge mit den Leichen seiner Eltern, seines Bruders und seiner Urgroßeltern sollten am Mittwoch laut Medienberichten nach Israel zurückgeflogen werden.

Am Flughafen Malpensa in Mailand seien die Särge für den Rücktransport vorbereitet worden. Menschen lagen sich in den Armen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Vor Ort wurde auch eine Zeremonie abgehalten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. 3 Männer der Betreibergesellschaft wurden festgenommen. Ein Mechanismus an der Bahn wurde demnach mutmaßlich absichtlich deaktiviert, damit der Betriebsablauf nicht gestört wurde. Dies führte den Ermittlern zufolge jedoch auch dazu, dass die Notbremse nicht griff, als am Sonntag ein Kabel riss.

Der Südtiroler Seilbahnbauer Leitner hatte am Montag alle Kontrollen und Wartungsarbeiten aufgelistet, die er in den vergangenen Monaten durchgeführt hat.

Die Trauer und Anteilnahme unter der Bevölkerung in Italien ist groß.

apa/stol