Im Interview mit s+ berichtet der Mann verzweifelt über seinen langen Leidensweg. <BR /><BR />Eine falsche Bewegung, ein Stich im Rücken und schon ist es passiert: Ein eingeklemmter Nerv verursacht höllische Schmerzen bis hin zur notwendigen Operation. Normalerweise wäre es keine große Sache, dieses gesundheitliche Problem, das jeden betreffen kann, zu beseitigen. Doch in Zeiten, wo planbare Operationen verschoben werden müssen, weil die Krankenhäuser mit meist ungeimpften Coronapatienten besetzt sind, heißt es warten; auch über Wochen, mit Schmerzen und eingeschränkter Lebensqualität, wie das Beispiel eines 57-jährigen Pusterers zeigt.<BR /><BR /><b>Herr Franz (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt), wann und wie hat alles begonnen?</b><BR />Franz: Am 20. Oktober 2021 hab ich mit einer leichten Drehbewegung einen Kanister aufgehoben um ihn zu verstellen. Im gleichen Moment habe ich gespürt, wie es mir im Rücken einen Nerv eingeklemmt hat, eine Stenose des Spinalkanales, wie es fachlich korrekt heißt.<BR /><BR /><b>Das war schon so schlimm, dass Sie ärztliche Hilfe benötigten?</b><BR />Franz: Ja, als der Schmerz nicht nachgelassen hat und ich mich immer noch nicht bewegen konnte, bin ich ins Brunecker Krankenhaus, wo man mir gleich eine Infusion angelegt hat.<BR /><BR /><b>Damit war es aber vermutlich noch nicht getan?</b><BR />Franz: Leider nein. Ich bekam eine neurologische Visite verschrieben und ich musste das erste Mal ins Krankenhaus Bozen. Dort bekam ich Spritzen und Tabletten verschrieben, doch alles hatte keinen Erfolg.<BR /><BR /><b>Das heißt, die Schmerzen blieben bestehen, trotz medikamentöser Behandlung?</b><BR />Franz: Genau. Bis heute hatte ich insgesamt 5 Visiten in Bozen, mit dem Ergebnis, dass man mir aufgezeigt hat, dass nur eine Operation das Problem dauerhaft lösen kann. <BR /><BR /><b>Sie haben also einen OP-Termin bekommen?</b><BR />Franz: Das wäre schön. Die Visiten und verschiedenen Therapieansätze haben sich über 2 Monate hingezogen. Mir wurde erklärt, ich käme auf eine Liste und werde informiert, sobald ein OP-Termin für mich frei wird. Weil die Schmerzen immer noch da waren bzw. sind, bin ich zwischendurch nach Reischach ins Traumacenter. Dort wurde mir die Diagnose der Ärzte in Bozen und die Notwendigkeit einer möglichst baldigen Operation bestätigt.<BR /><BR /><b>Gibt es inzwischen einen Termin?</b><BR />Franz: Weil fast täglich neue Höchstzahlen an zu versorgenden Coronapatienten gemeldet werden, habe ich wenig Hoffnung. Am 17. Dezember hat man mir zuletzt bei einem Anruf versichert, dass ich auf der Liste stehe und sobald es geht operiert werde. Konkretes Datum könne man mir keines geben; es könne Jänner oder auch Februar werden. <BR /><BR /><b>Inzwischen sind wir Mitte Jänner vorbei und es gibt noch immer keinen Termin?</b><BR />Franz: Wenn ich anrufe und frage, sagt man mir immer das gleiche, dass sich die Situation noch nicht gebessert habe. <BR /><BR /><b>Wie kann man sich Ihre Schmerzen vorstellen?</b><BR />Franz: Es ist ein Brennen, das am Gesäß beginnt, den ganzen rechten Fuß hinunter zieht bis in den großen Zeh. Das Bein wird dann taub und es kribbelt so als wären Tausende Ameisen unterwegs. Es ist ähnlich dem Gefühl, das jeder kennt, wenn der Fuß einschläft, nur dass es bei mir von Dauer ist.<BR /><BR /><b>Sie sind nach wie vor nicht arbeitsfähig?</b><BR />Franz: Nein. Unmöglich. Ich kann am frühen Vormittag ein paar Schritte gehen, auf Krücken natürlich. Dann kommen die Schmerzen zurück und ich kann nur mehr in einer entlastenden Position sitzen.<BR /><BR /><b>Und ihren Krankenstand können Sie verlängern?</b><BR />Franz: Bis jetzt, also 3 Monate lang, war es möglich, aber ich glaube nicht, dass das noch lange geht.<BR /><BR /><b>Haben Sie daran gedacht, sich privat behandeln zu lassen?</b><BR />Franz: Natürlich. Ich habe mich in den langen Stunden des Sitzens daheim sowohl über die Ursache meines Problems und die Behandlungsmöglichkeiten informiert. Abgesehen davon, dass ich mir die Kosten einer Privatbehandlung von deutlich über 10.000 Euro nur schwer leisten könnte, sehe ich nicht ein, dass ich, nachdem ich ein Leben lang meine Beiträge bezahlt habe, jetzt wo ich Hilfe bräuchte, diese selbst zahlen muss. Es ist ja nicht so, dass ich zu den Ärzten in Bozen kein Vertrauen hätte. Im Gegenteil: Ich weiß, dass die dort auf dem mich betreffenden Gebiet super sind.<BR /><BR /><b>Das bedeutet also, dass Sie mit ihren täglichen Schmerzen und Ihrer Beeinträchtigung einfach warten müssen?</b><BR />Franz: Man hat mir gesagt, dass solange mein Stuhlgang noch funktioniert, eine Wartezeit noch vertretbar ist. Wenn das nicht mehr ginge, wäre ich ein dringender Notfall. Andersrum gesagt, müsste ich also, solange der Coronastress im Krankenhaus vorherrscht, auf offener Straße in die Hose machen und mich einliefern lassen, damit man mich vorziehen kann. Das kann es nicht sein! Ich weigere mich schauspielern zu müssen. Es ist halt schlimm, nach mehr als 3 Monaten Schmerzen keine Information zu haben wo auf der Liste mein Name steht. Klappt es noch im Jänner, dass ich von meinen Schmerzen erlöst werde, oder wird es, angesichts der täglich neuen Rekordwerte an zu betreuenden Coronapatienten Februar oder..... <BR /><BR />