Mit ihren 90 Jahren ist Herta Egger Witwe Weis, die „Latscher-Herta“, beim Gottesdienstbesuch zweifelsohne die absolute Rekordhalterin in der Pfarrgemeinde Tisens. Ihr ist es aber nie darum gegangen, einen Rekord aufzustellen: Ihr tiefer Glaube und ihre Freude am Singen zur Ehre Gottes haben sie in die Kirche gezogen. Sie war noch ein 8 Jahre junges „Madl“, als sie zum Kirchenchor kam.<BR /><BR />„Eigentlich war ich damals noch zu jung dazu“, sagt Herta Weis, die Ehrenmitglied des Tisner Kirchenchors Maria Himmelfahrt ist. „Meine Schwester Frieda war 11 Jahre alt. Der Grissianer Kurat Nikolaus Pfaffstaller war damals Ersatzorganist in Tisens. Er erlaubte, dass ich auch zur 3-jährigen Ausbildung zugelassen wurde und damit im Kirchenchor mitsingen durfte.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-58411675_quote" /><BR /><BR />Die kleine Herta war beim Singen anfangs aber etwas zurückhaltend, womit der Kurat gut umzugehen wusste. „Gitschele, tua lei gonz longsom, des pockn mir schun“, sagte der Geistliche zur „Latscher-Herta“. Der gebürtige Sarner war auch der Vorgänger ihres 2014 gestorbenen Mannes Heinrich Weis als Organist in der Tisner Pfarrkirche. Auf Schusters Rappen ging der „Grissner Hear“, wie Herta Weis Kurat Pfaffstaller respektvoll nennt, immer von Grissian nach Tisens, um nach dem Sonntagsgottesdienst, dem „Rechtkirchn“, die Singprobe mit den Auszubildenden zu leiten.<h3> Immer zu Fuß unterwegs</h3> Auch die großen Proben mit dem ganzen Chor im damaligen Tisner Pfarrwidum fanden unter Pfaffstallers bewährter Leitung statt. „Er war immer zu Fuß unterwegs“, blickt Herta Weis zurück. „Er hat viel geleistet.“ <BR /><BR />Sogar als die „Latscher-Herta“ im Hotel „Hillebrand“ in Tisens gearbeitet hat, ließ sie keine kirchliche Feier aus. „Vor der Arbeit bin ich zur Heiligen Messe gegangen, um zu singen“, blickt sie zurück. „Ich habe immer gesagt, ich arbeite, wenn es mich braucht, auch am Ruhetag, aber wenn ein Gottesdienst oder ein Begräbnis ist, muss ich gehen. Anschließend bin ich natürlich sofort wieder zur Arbeit gelaufen. Das wurde von der Familie Hillebrand auch akzeptiert.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="868994_image" /></div> <BR /><BR /> Katharina Hafner Eder, die „Förster-Kathl“, die heute im Alters- und Pflegeheim St. Michael lebt, und die 90-Jährige waren über Jahrzehnte ein unzertrennliches gesangliches Gespann. „Wir haben auch auswärts bei Hochzeiten gesungen“, weiß Herta Weis. „Mein Mann ‚Heindl‘ hat uns immer mitgenommen. Er spielte die Orgel und wir beide haben Hochzeitslieder gesungen.“ Mit der „Kathl“ ist Herta Weis natürlich immer noch in Kontakt, denn diese Freundschaft verbindet ein Leben lang. <BR /><BR />Für Herta und Heinrich Weis gab es nie Urlaub oder freie Sonn- und Feiertage. „Wir mussten immer hier sein, mein Mann war Chorleiter und Organist, und ich habe gesungen“, sagt sie. „Seinen Urlaub nutzte der ‚Heindl‘ auch dazu, um sich kirchenmusikalisch fortzubilden. Er war bei der Post angestellt und sein Vorgesetzter war sehr gläubig und hat meinen ‚Heindl‘ unterstützt.“<h3> Immer an „Heindls“ Seite</h3>Auch Herta Weis hat ihren Mann immer unterstützt. Auf der Chorempore stand sie Gottesdienst für Gottesdienst an seiner Seite und hat stellvertretend für ihn auch immer wieder den Tisner Kirchenchor dirigiert. Als Heinrich Weis in seinen letzten Lebensjahren gesundheitlich immer mehr angeschlagen war, wollte er weiterhin die Orgel spielen. „Einige Jahre habe ich die Orgelregister bedient, während er gespielt hat“, erinnert Herta Weis.<BR /><BR />Der 7. Februar 2014 wird ihr zeitlebens in Erinnerung bleiben: „Wegen seiner Krankheit sind ihm beim Orgelspielen immer wieder Fehler passiert. An diesem Herz-Jesu-Freitag hat er aber fehlerfrei gespielt. Und plötzlich schob er die Orgelregister hinein, verräumte das Notenbuch und sagte: Jetzt ist genug.“<BR /><BR />Dann ging es gesundheitlich rapide abwärts, bis der „Mesner-Heindl“ am 17. März 2014 starb. Als sie ihren Mann pflegen musste, konnte Herta Weis nicht mehr zu den Chorproben gehen. „Solange er die Orgel gespielt hat, bin ich auf die Chorempore gegangen und habe mitgesungen, seit seinem Tod bleibe ich unten in der Kirche“, sagt sie. „Ich gestalte die Werktagsmessen mit. Bei den Beerdigungen singe ich zwar nicht mehr, bin aber jedes Mal dabei. Das ist mir wichtig.“<h3> „Ich kann den Pfarrer nicht duzen“</h3> Beeindruckend ist, und das schätzt auch Pfarrer Tumaini Ngonyani, dass Herta Weis immer entsprechend der liturgischen Zeit die Lieder auswählt und singt. „Das haben wir unter Kurat Pfaffstaller gelernt“, blickt die 90-Jährige zurück. „Unseren heutigen Pfarrer schätze ich sehr. Er hat mir auch angeboten, ihn zu duzen, aber ich kann doch nicht einen Geistlichen duzen.“<BR /><BR /> Eines ist sicher: Solange es ihre Gesundheit zulässt, wird die Trägerin der Tiroler Verdienstmedaille auch weiterhin in der Kirche singen. Und wie oft die „Latscher-Herta“ bis heute zur Ehre Gottes und zur Freude der Gläubigen gesungen hat, weiß wohl nur Gott allein. Ihre Verdienste sind groß.