Mittwoch, 03. März 2021

Seit dem 3. März 321: 1700 Jahre „Freier Sonntag“

Vor 1700 Jahren, am 3. März 321, hat Kaiser Konstantin mit einem kaiserlichen Edikt die erste staatliche Sonntagsschutzregelung eingeführt. Der internationale „Tag des freien Sonntags“, der immer am 3. März begangen wird, soll den Blick auf den Wert des Sonntags lenken. Die Allianz für den freien Sonntag fragt sich in einer Aussendung: Ist dieses Jubiläum aber wirklich Grund zum Feiern?

Seit 1700 Jahren wurde die erste staatliche Sonntagsschutzregelung eingeführt.
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Seit 1700 Jahren wurde die erste staatliche Sonntagsschutzregelung eingeführt. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
Der Sonntag ist kein aus der Mode gekommenes Relikt aus längst vergangenen Zeiten, sondern ein Wert für den Einzelnen und für die gesamte Gesellschaft. Aus diesem Grunde wurde am 3. März 2009 in Südtirol die Allianz für den freien Sonntag gegründet. Seitdem geht es dieser Allianz um den Schutz des Sonntags aus religiöser Sicht, um den arbeitsfreien Sonntag aus der Sicht der Arbeitnehmer (Gewerkschaften) und aus der Sicht des Wettbewerbs (hds).

„Eine Reihe von Sensibilisierungskampagnen wurden ins Leben gerufen (Sonntagslicht, Aufkleber- und Plakataktionen, Faltblätter), es gab Hirtenbriefe vom Bischof – aber all diese Initiativen haben kaum etwas gebracht, wie der Blick auf die vollen Parkplätze vor den Geschäften an Sonntagen aufzeigt“, heißt es in der Aussendung. Die Allianz hat auch ihr Gesicht verändert, sie wurde ökumenisch ausgerichtet und der hds wurde Vollmitglied.

Bei all ihren Initiativen hat die Allianz für den freien Sonntag immer wieder deutlich gemacht, nicht gegen, sondern für etwas zu sein – nicht gegen die Öffnungszeiten der Geschäfte an Sonn- und Feiertagen, sondern für das Wohl des Menschen, für soziale Kontakte, für das Wohl der vielen Klein- und familiengeführten Betriebe in Südtirol, für die Möglichkeit, den eigenen Glauben zu leben.

Es haben deshalb verschiedene Treffen mit Politikern stattgefunden – im Bewusstsein, dass ohne politische Einflussnahme die totale Liberalisierung der Sonn- und Feiertage fortschreiten wird. Diese Initiativen gipfelten in den sogenannten „Selbstverpflichtungen“, bei denen 16 Landtagsabgeordnete mit ihrer Unterschrift bekräftigt hatten, sich für eine konsequente Eindämmung verkaufsoffener Sonn- und Feiertage einzusetzen und sich für die Rückübertragung der Kompetenzen zur Regelung der Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen an die Autonome Provinz Bozen-Südtirol stark zu machen.

„Insgesamt profitieren weder Wirtschaft noch Arbeiter davon“

„Nur ein Jahr nachdem diese Unterschriften gesetzt wurden, hatte die Landesregierung entschieden, die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen offen zu halten, obwohl auf dem Staatsgebiet die Ausnahmesituation die Schließung der Geschäfte vorsah – eine rein lokale (Fehl-)Entscheidung“, heißt es weiter.

Das Argument, wonach diese Öffnung an Sonn- und Feiertagen die Wirtschaft ankurbeln würde, was 2012 unter der Regierung Monti zur Liberalisierung geführt hatte, werde seit vielen Jahren widerlegt. „Insgesamt profitieren weder die Wirtschaft noch die Arbeiter davon. Es stimmt zwar, dass dem Handel die Konkurrenz aus dem Internet stark zusetzt, doch eine 24-7-Verfügbarkeit bekommt man nicht mit einer Sonntagsöffnung in den Griff, vielmehr mit Maßnahmen für fairen Wettbewerb wie beispielsweise die gleiche Besteuerung“, so die Allianz für den freien Sonntag.

Sonntagsarbeit sei nötig, wenn es zum Beispiel um die Gesundheit (Krankenhäuser), um die Sicherheit der Bürger und Bürgerinnen (Polizei, öffentlicher Verkehr) und um die Freizeitgestaltung (Museen, Tourismus, Gasthäuser) geht. Aber: 1 Euro könne nicht zweimal ausgegeben werden. Die Liberalisierung der Geschäftsöffnungszeiten habe zur Erkenntnis geführt, dass der Umsatz nicht gesteigert werden konnte, sondern sich nur verlagert hat.

„Gesetzliche Regelungen sind wichtig“, so Bischof Ivo Muser, der ergänzt: „Noch wichtiger sind Überzeugungen und das konkrete Verhalten, das sich aus der eigenen Überzeugung ergibt. Deshalb meine Bitte: Halten wir den Sonntag – damit der Sonntag unserem Leben und Zusammenleben Halt gibt.“


stol