„Selbstschutz bedeutet, Gefahren frühzeitig zu erkennen, sie zu vermeiden und im Ernstfall die richtigen Entscheidungen zu treffen“, erklärt Buraschi.<BR /><BR /> Der Sicherheitsexperte weiß: „Jeder trägt auch selbst Verantwortung für die eigene Sicherheit – nicht nur Institutionen oder Behörden.“ Im Interview spricht er darüber, wie wir überhaupt nicht erst in brenzlige Situationen geraten, welche Strategien wir dafür im Alltag anwenden können und warum Übung und Vorbereitung im Ernstfall entscheidend sind.<BR /><BR /><b>Ist Selbstschutz mit Selbstverteidigung gleichzusetzen? <BR /></b>Buraschi: Anders als Selbstverteidigung, die erst in akuten Gefahrensituationen greift, beginnt Selbstschutz viel früher. Selbstschutz bedeutet, Gefahren im Vorfeld zu vermeiden und gleichzeitig bestens auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Dazu zählen präventive Maßnahmen wie auch das Einüben richtiger Verhaltensweisen für den möglichen Ernstfall. Mit diesem Begriff möchte ich betonen, dass die Verantwortung für unsere Sicherheit nicht allein bei Institutionen oder Behörden liegt, sondern auch bei jedem Einzelnen von uns.<BR /><BR /><b>Was bedeutet das in der Praxis?<BR /></b>Buraschi: Stellen wir uns ein Kind vor, das seine Eltern fragt, wie es sich im Ernstfall zu verhalten hätte, sollte es einem Einbrecher begegnen. Viele Eltern würden vermutlich antworten: „Mach dir keine Sorgen, so etwas passiert uns nicht.“ Selbstschutz würde in diesem Falle allerdings bedeuten, das Anliegen des Kindes ernst zu nehmen und kindgerecht darauf einzugehen: „Solltest du einem Einbrecher begegnen, sperrst du dich in deinem Zimmer ein und setzt den Notruf ab.“ Die Anweisungen müssen dann genauestens einstudiert werden. Denn was, wenn sich im Ernstfall herausstellen sollte, dass das Kind keinen Schlüssel hat oder nie gelernt hat, wie man einen Notruf absetzt? Ohne entsprechende Vorbereitung ist Selbstschutz oft wirkungslos, denn in Gefahrensituationen muss jeder Handgriff sitzen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68241114_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Und wie komme ich nachts am besten sicher ans Ziel, zu meinem Auto beispielsweise?<BR /></b>Buraschi: Auch hier gilt: Gute Planung ist das Um und Auf. Grundsätzlich sollte die gesamte Vorgehensweise bereits im Vorfeld genauestens durchdacht und jeder Schritt geplant sein: Folgende Punkte sollten berücksichtigt werden. Überlege, welche <b>Route</b> du nimmst und welches Verkehrsmittel du nutzt. Öffentliche Verkehrsmittel sind abends oft weniger ausgelastet und können daher ein höheres Sicherheitsrisiko darstellen. Was den <b>Parkplatz</b> angeht, sollten möglichst nahegelegene oberirdische Parkplätze mit Handyempfang gewählt werden. Dann gilt es die Frage nach der <b>Begleitung</b> zu beantworten: Kann mich eine Freundin begleiten, oder rufe ich ein Taxi, das mich bis zum Auto bringt? Außerdem sollte ich mein <b>Pfefferspray</b> griffparat eingesteckt haben und wissen, wie man es richtig einsetzt. Darüber hinaus sollte ich auch genauestens wissen, wie man im Ernstfall eine gute <b>Täterbeschreibung</b> gibt. Schuhe sind beispielsweise ein gutes Wiedererkennungsmerkmal, da wir diese seltener wechseln als andere Kleidungsstücke.<BR /><BR /><b>Was tun, wenn ich als Frau ohne Begleitung eine dunkle Gasse durchqueren muss?<BR /></b>Buraschi: Wichtige Gegenstände wie Geldbörse, Handy, Pfefferspray, Autoschlüssel oder das Münzgeld für den Parkautomaten sollten nicht in der Handtasche aufbewahrt werden. Stattdessen gehört das Pfefferspray in eine vordere Hosentasche und der Autoschlüssel in die andere. Münzgeld und Handy sollten ebenfalls in Mantel- oder Jackentaschen verstaut werden. Auf diese Weise habe ich das Wichtigste bei mir, selbst, wenn mir die Handtasche gestohlen werden sollte. In solchen Situationen empfiehlt es sich außerdem, während des Weges mit jemandem zu telefonieren und den eigenen Live-Standort zu teilen, bis ein sicherer Ort erreicht ist.<BR /><BR />Unter welchen Umständen Pfeffersprays in Italien eingesetzt werden <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/pfefferspray-zur-selbstverteidigung-was-ist-erlaubt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">dürfen, lesen Sie hier.</a><BR /><BR /><b>Wie verwende ich Pfefferspray richtig?<BR /></b>Buraschi: Grundsätzlich dürfen solche Mittel nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden. Auch hier gilt: Üben, üben, üben, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Wichtig ist außerdem, beim Gebrauch auf möglichen Gegenwind zu achten, um nicht versehentlich selbst getroffen zu werden. An stark besuchten Orten sollte Pfefferspray nicht zum Einsatz kommen, um eine potenzielle Massenpanik zu vermeiden.<BR /><BR /><b>Haben Sie sonst noch hilfreiche Tipps für den Alltag?<BR /></b>Buraschi: Wenn wir uns in unsicheren Gegenden aufhalten, sind Standort-Tracking-Apps, die den eigenen Standort in Echtzeit mit einer oder mehreren ausgewählten Personen teilen, äußerst hilfreich. Besonders empfehle ich hierbei Google Maps, da dessen Ortungsdienst sehr akkusparend arbeitet. Darüber hinaus sollte jeder wissen, dass es in Parkhäusern und öffentlichen Gebäuden Notrufknöpfe gibt, mit denen man im Ernstfall schnell Hilfe alarmieren kann. Es lohnt sich daher, bereits im Vorfeld danach Ausschau zu halten, um im Ernstfall schneller handeln zu können.#