Freitag, 01. Juli 2016

Seligsprechungsverfahren für Maria von Mörl eingeleitet

Nach jahrelanger Vorbereitung, bedingt durch eine intensive Quellenforschung, hat Bischof Ivo Muser am Freitag im Bozner Franziskanerkloster das diözesane Seligsprechungsverfahren der "stigmatisierten Jungfrau von Kaltern", Maria von Mörl (1812 - 1868) offiziell eröffnet.

Bischof Ivo Muser bei der Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens. - Foto: Diözese.
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Bischof Ivo Muser bei der Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens. - Foto: Diözese.

Da es sich um eine historische Causa handelt – also keine Zeugen aus eigener Wahrnehmung noch Mitzeugen gegeben sind – wird die gesamte Dokumentation mit den Methoden der
historischen Wissenschaft (Archivstudien zeitgenössischer Quellen) erarbeitet.

Antrag wurde bereits 2012 eingereicht

Als Aktor in dieser Seligsprechungs-Causa hat sich 2006 der „Maria-von-Mörl-Kreis“ konstituiert und durch den Postulator Andrea Ambrosi das Postulationsgesuch im Jahre 2012 eingereicht.

Weil Maria von Mörl mit dem Orden der Franziskaner eng verbunden war, ist Pater Gottfried Egger OFM, ein Franziskaner aus der Schweiz, zum bischöflichen Delegierten ernannt und das Franziskanerkloster von Bozen zum Sitz des Verfahrens bestimmt worden.

Langwieriges Verfahren

Das Verfahren, welches am Freitag von Bischof Muser eröffnet wurde, umfasst zuerst die Sammlung biographischer Daten, zusammen mit dem Umfeld, in dem der Kandidat aufgewachsen ist. Danach werden alle Schriften, Briefe und Aufzeichnungen der Kandidatin selbst, sowie mündliche und schriftliche Zeugnisse über sie gesammelt.

Theologische und historische Sachverständige überprüfen die Dokumente auf deren Echtheit, auf deren Inhalt und Glaubwürdigkeit und geben eine Beurteilung über die Persönlichkeit und die Spiritualität der Kandidatin ab. Ebenso werden Zeugenaussagen über Gebetserhörungen aufgenommen.

Muser: Heilige sind "lebendiger Kommentar zum Evangelium"

Bischof Ivo Muser hat in seiner Ansprache darauf hingewiesen, dass Heilige ganz unterschiedliche Lebens-, Glaubens- und Berufungsgeschichte aufweisen. „Heilige sind ein lebendiger Kommentar zum Evangelium, zur Person und zum Leben Jesu“, so der Bischof, der darauf hinwies, dass keiner dieser Kommentare vollständig oder fehlerfrei sei.

Gleichzeitig ermahnte der Südtiroler Oberhirte, dass Heilige eine persönliche und lebendige Einladung sind, den je eigenen Kommentar zum Leben Jesu zu schreiben. Gleichzeitig wies der Bischof aber auch auf die Gefahr zum Hang nach dem Außergewöhnlichen, dem Spektakulären hin.

Zur Person: Maria von Mörl

Maria von Mörl wurde am 16. Oktober 1812 in Kaltern geborenr. Im Jahr 1831 wurde ihr am Fest „Mariä Lichtmess“ durch einen gewissen Pater Kapistran die heilige Kommunion gereicht; anschließend fiel von Mörl in Ekstase – dieses Phänomen hat sich bei ihr bis zu ihren letzten Lebenstagen wiederholt, was zur Folge hatte, dass viele Menschen kamen, um die im Ruf der Heiligkeit stehende Jungfrau von Kaltern zu sehen.

Ab Ende Juli und bis Mitte September des Jahrs 1833 sollen 40.000 bis 50.000 Pilger gezählt worden sein. Am 4. Februar 1834 erhielt Maria wie ihr Ordensgründer, der heilige Franz von Assisi, die Stigmatisierung.

Im Jahr 1841 verließ von Mörl ihr Elternhaus, um bis zu ihrem Tod bei den Schwestern des Dritten Franziskanischen Ordens zu leben. Sie starb in der Nacht des 11. Januar 1868 und ist im Vorraum des Friedhofs von Kaltern begraben.

stol

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