Als am gestrigen Freitag der Schleier fiel, war das Erstaunen im Museum Ladin Ursus ladinicus in San Ciascian/St. Kassian groß. Bis zur Enthüllung der Elchschaufeln aus dem Gadertal war nicht bekannt, mit welcher Sensation das Museum zu seinem 15. Geburtstag aufwarten kann. <BR /><BR />Umso größer war die Verwunderung der Gäste, als sie erkannten, dass vor ihnen mehrere tausend Jahre alte Zeugnisse eines Tieres lagen, das man heute kaum mit den Dolomiten verbindet: der Elch. Die beiden außergewöhnlichen Ausstellungsobjekte stehen im Mittelpunkt der neu eröffneten Sektion. Sie zeigen, dass Elche nach der letzten Eiszeit auch in den Dolomiten lebten, in einer Landschaft, die damals ganz anders aussah als heute.<h3> Objekt aus Mesolithikum</h3>Eine der beiden Schaufeln wurde 2020 beim Bau der Talstation eines Liftes am Campolongopass auf rund 1.875 Metern Höhe entdeckt. Die Radiokarbondatierung ergab ein kalibriertes Alter von rund 7.810 Jahren. Damit stammt das Objekt aus dem Mesolithikum, der Zeit der Jäger und Sammler.<BR /><BR />Die zweite Elchschaufel wurde 2023 im ausgetrockneten Bachbett des Rü Sciaré bei St. Kassian gefunden. Sie ist rund 6.060 Jahre alt. Beide Stücke gehören in eine Zeit, in der sich die Dolomiten nach dem Rückzug der Gletscher stark veränderten. Wälder breiteten sich aus, und große Säugetiere wie der Elch fanden hier geeignete Lebensräume.<h3> 7.000 bis 5.800 Jahre alt</h3> Fachlich eingeordnet und für die Ausstellung aufgearbeitet wurden die beiden Stücke von Herwig Prinoth, Paläontologe am Museum Ladin. <BR /><BR />„Vor vielen Jahren hatte ich die lange als verschollen geltenden Elchschaufeln von Gumerdun auf der Seiser Alm wiederentdeckt und mich intensiv mit ihnen beschäftigt. Dadurch war mir bewusst, wie selten und bedeutend solche Funde sind. Umso erstaunlicher war es, dass nun auch im Gadertal gleich zwei Elchschaufeln zum Vorschein gekommen sind.“ Weitere bekannte Elchfunde in Südtirol stammen vom Ritten bei Lichtenstern, mit einem Alter von rund 13.300 Jahren, sowie von der Seiser Alm bei Gumerdun, mit Datierungen um rund 7.000 und rund 5.800 Jahre. Alle genannten Altersangaben beruhen auf kalibrierten Radiokarbondatierungen.