Sie ergaben, dass die DNA mit dem biologischen Profil des im Fall angeklagten Andrea Sempio übereinstimmen. Dies geht aus einer Expertise der Genetikerin Denise Albani hervor, die im Rahmen des gerichtlichen Beweisverfahrens von der Untersuchungsrichterin Daniela Garlaschelli in Pavia beauftragt wurde.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243527_image" /></div> <BR /><BR />Laut Albani gibt es „volle Übereinstimmung“ zwischen dem Y-Chromosomen-Aplotyp, der unter zwei Nägeln von Poggi nachgewiesen wurde, und der väterlichen Linie des beschuldigten Sempio. Experten betonen jedoch, dass Y-Chromosomen nur die Zugehörigkeit zu einer männlichen Familienlinie anzeigen und nicht eindeutig eine einzelne Person identifizieren.<BR /><BR />Die Verteidigung von Sempio erklärte, die vorläufigen Ergebnisse seien reine biostatistische Daten und führten nicht zu einer individuellen Zuordnung. Die vollständige Expertise soll Anfang Dezember eingereicht und am 18. Dezember vor Gericht in Pavia diskutiert werden.<BR /><BR />Die neuen Ergebnisse widersprechen früheren Untersuchungen des Genetikers Francesco De Stefano, der den DNA-Befund vor mehr als zehn Jahren als unzuverlässig einstufte. Damals hatte dies auch zur vorübergehenden Einstellung der Ermittlungen gegen Sempio geführt. Sempio selbst bestreitet weiterhin jede Beteiligung und beschuldigt stattdessen Alberto Stasi als Täter. „Bis heute ist der Täter Alberto Stasi“, argumentierte der 37-jährige Sempio. Er bezog sich damit auf frühere Prozesse und Urteile, die Stasi, der Freund von Chiara Poggi, zu 16 Jahren Haft verurteilt haben. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243530_image" /></div> <BR /><BR />Der zur Mordzeit 24-jährige Stasi, der die Tat von Beginn weg vehement bestritt, war sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden. Er hatte zwar kein festes Alibi, aber auch kein überzeugendes Motiv für den Mord. Erst nachdem der Kassationshof in Rom die Freisprüche aufhob und eine neue Beweisaufnahme anordnete, kam es in neuen Prozessen und erst im Jahr 2015 zu einer letztinstanzlichen Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Das Strafmaß wurde auf 16 Jahre Gefängnis festgesetzt. Jetzt aber sind wieder erhebliche Zweifel aufgetaucht. Möglicherweise saß Stasi die letzten zehn Jahre unschuldig im Gefängnis. Das ist zumindest die Theorie der drei Staatsanwälte in Pavia, die die früheren Ankläger inzwischen abgelöst haben. <BR /><BR />Sie rollen den Fall seit März neu auf, weil Gewebeproben unter den Fingernägeln von Chiara Poggi dank moderner DNA-Analysemethoden nun eindeutig Sempio, dem besten Freund des Bruders des Mordopfers zugeordnet werden konnten. Stasi wurde im April in Halbgefangenschaft entlassen. Sollte er sich wirklich als unschuldig erweisen, müsste ihn der italienische Staat mit einer Millionensumme entschädigen. Die Ermittlungen, die zum Schuldspruch gegen Alberto Stasi führten, waren offenbar zum Teil schlampig geführt worden; zwei beteiligte Carabinieri sind in der Zwischenzeit verurteilt worden.