Sonntag, 10. Juli 2016

Seveso gedachte des Dioxin-Unfalls vor 40 Jahren

Die norditalienische Kleinstadt Seveso hat am Sonntag des verheerenden Giftgasunfalls vor 40 Jahren gedacht. Die Gedenkfeier wurde teilweise in einem Wald abgehalten, der nach dem Unglück auf verseuchtem Gelände gepflanzt worden war. Anwesend waren Mitglieder der Rettungsmannschaften, die vor 40 Jahren im Einsatz waren.

Foto: © LaPresse

Am 10. Juli 1976 waren in Seveso rund 20 Kilometer nördlich von Mailand aus der Chemiefabrik Icmesa 20 Minuten lang Dioxin-Gase ausgetreten und hatten insgesamt vier Kommunen verseucht. Die Giftwolke hatte keine Todesopfer gefordert, Hunderte Einwohnern waren jedoch gezwungen, ihre verseuchten Häuser zu verlassen.

Fast 200 Menschen, darunter viele Kinder, erlitten schwere und zum Teil langwierige Gesundheitsschäden. Langzeitstudien ergaben, dass auch Jahre nach der Katastrophe die Zahl von Tumor- und Diabetes-Erkrankungen in der Region überdurchschnittlich hoch war.

Die genaue Menge ausgetretenen Dioxins konnte nach dem Unfall nicht eruiert werden. Schätzungen von Experten variieren zwischen einigen hundert Gramm und maximal einigen wenigen Kilo. Schon am selben Tag traten bei Kindern erste Symptome von Hautentzündungen auf. Eine Woche nach dem Unglück wurde die Icmesa-Fabrik auf Anordnung der Direktion „vorsorglich geschlossen“.

Icmesa war ein Tochterunternehmen der zum Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche gehörenden Givaudan. Hoffmann-La Roche musste deshalb für Entschädigungen und die Beseitigung der Unfallfolgen aufkommen. Der hochgiftige Chemiemüll, der bei dem Unglück entstand, wurde nach einer Irrfahrt der 41 Fässer erst 1985 ordnungsgemäß verbrannt.

Auf dem ehemals verseuchten Gelände ist ein Park entstanden, am früheren Areal der Unglücksfabrik befindet sich heute eine kommunale Sportanlage. Geblieben ist von „Seveso“ eine Richtlinie der EU mit dem Ziel, Risiken aus industriellen Großunfällen mit gefährlichen Stoffen wie bei Icmesa vorzubeugen sowie die Basler Konvention über den grenzüberschreitenden Transport von Sondermüll.

apa

stol