Die Zahl der Singles ist hoch. Nie gab es so viele allein stehende Menschen wie heute, zumal sich das Problem der Einsamkeit seit Corona noch verstärkt hat. Jede Frau wünscht sich Wärme und Verständnis und ist heutzutage im Alltagsleben mit Beruf, oftmals alleinerziehend, stets gefordert ohne dafür emotionale Anerkennung zu bekommen. Gerade in der Lebensmitte gibt es in Südtirol eine hohe Zahl an Frauen, die auf Partnersuche sind. Und genau hier setzt der Sex-Scammer an.<BR /><BR />Ein sogenannter Sex-Scammer weiß um die Bedürfnisse der Frauen und nutzt sie äußerst intelligent und mit System für seine egoistischen Zwecke der Befriedigung. Natürlich springt keine Frau darauf so einfach an, deswegen erfordert es eine äußerst geübte Vorgehensweise, welche er allerdings in jahrelanger Routine perfektioniert hat und nun wie ein Erziehungsprogramm liebenswürdig aber skrupellos anwendet:<BR /><BR />Der Sex-Scammer gibt sich spontan, unkompliziert und weiß um sein sympathisches Auftreten. Er wählt seine Opfer wahllos im Internet oder auf der Straße aus, der geborene Sammler unter den übrig gebliebenen Jägern sozusagen. Er schafft es über Monate hinweg zu den Opfern eine Bindung aufzubauen. Sein Medium ist dabei ganz modern Internet oder auch whatsapp etc, wobei er alternative Vornamen benutzt. Per Handy sind sie für ihn zu jeder Tageszeit bequem nutzbar, wobei er meist mit mehreren Frauen in unterschiedlichen „Erziehungsstadien“ Kontakt hält.<BR /><BR /><b>Sex-Scammer erzeugt Mitgefühl</b><BR /><BR />Im Allgemeinen gibt der Sex-Scammer vor, einen Angehörigen zu betreuen - vorzugsweise die Mutter, das ist am glaubwürdigsten und erzeugt bei den Opfern sofortige Akzeptanz und Mitgefühl. Ob es diese Angehörigen tatsächlich gibt oder der Angebetete nur arbeitslos und verheiratet zuhause sitzt, wird Frau nie erfahren, denn im Nennen von Namen, Adressen und allen anderen Informationen um seine faktische Person hält sich der Sex-Scammer äußerst bedeckt. Schließlich gilt es zu vermeiden, dass das Opfer im Gespräch mit einer Freundin von anderen Geschädigten oder seiner wahren Identität erfährt, denn der Verschleiß an Opfern ist durch seine sexuelle Obsession oder aber auch materielle Interessen entsprechend hoch, welche seine ausschließliche Motivation darstellt.<BR /><BR /><b>Phase 1: Schmeicheleien, großes Intere<b>sse</b></b><b> und perfides Lügenkonstrukt</b><BR /><BR /><BR />In Phase 1 heuchelt er Interesse, schreibt bis zu 40 bis 50 Nachrichten pro Tag und wiegt sein Opfer damit in Sicherheit, sich wirklich zu interessieren. Er schmeichelt, verwendet Kosenamen wie „Amore, Liebes, Schatz“ oder sogar „mia Vita“ und gibt vor, von den bisherigen Partnerinnen durch Untreue enttäuscht worden zu sein, dabei hat er bereits selbst ein perfides System entwickelt, das er nun zielsicher durchführt. Kaum einer Frau gelingt es auf Dauer, sich den Schmeicheleien zu entziehen, zumal er das über Monate hinweg durchziehen kann, um an sein Ziel zu kommen, egal wie vorsichtig eine Frau auch ist. Er scheint perfekt. Er gartelt, ist um seine Familie (mindestens 5 Geschwister, Tanten, Onkel, Millionen Freunde – natürlich nur männlich, mit denen er angeblich dauernd und rund um die Uhr chattet, besorgt, er schmeißt seinen Haushalt und kocht sogar (dass jemand anders gekocht hat, erklärt er erst nachdem man ihn gezielt nach Rezepten fragt). Geschickt erscheint er auch als kluger Ratgeber. Ein scheinbarer Traumtyp. Und natürlich will er, dass das derzeitige Opfer nur für ihn da ist. <BR /><BR />Er wünscht überschwenglich „Guten Morgen“ und vergewissert sich mit einem allabendlichen Gutenachtwunsch, dass er nun wieder freie Bahn für Austausch mit weiteren Eroberungen hat. Er spielt mit der Einsamkeit der Frauen und dem Wunsch um Zuwendung und Zärtlichkeit, dabei hat er nur seine Befriedigung im Sinn. Während die Frauen im allgemeinen einer Berufstätigkeit nachgehen, sucht er im Internet bereits die nächsten potenziellen Gespielinnen aus, denn zukünftige Alternativen braucht es ja schließlich auch. Dabei kann es vorkommen, daß er Arbeitszeiten, Beruf o.ä. durcheinanderbringt und zuweilen aus Versehen Bilder mit fragwürdigem Inhalt versehentlich an die falsche Dame verschickt oder auch Nachrichten anderer Damen (mit Herzchen und Rosen) anderer Damen einfach weiterleitet. Auch hier ist er um Ausreden nicht verlegen, schließlich hat er nichts zu verlieren außer einer potenziellen Aussicht auf sexuellen Kontakt.<BR /><BR />Findet sein Opfer später heraus, dass der Scammer mit zwei verschiedenen Nummern agiert oder der Name nicht stimmt, so findet er auch hier wieder aus seinem reichen Erfahrungsschatz heraus entsprechende entkräftende Argumente, z.Bsp. Angeblicher Autoverkauf, obwohl er immer dasselbe Auto fährt etc.<BR /><BR />Zuweilen kommt er mit den Fakten durcheinander, verwechselt Profession und Arbeitszeiten der aktuellen Damen, was immerhin misstrauisch macht. Frau wird vorsichtig, hofft aber naturgemäß trotzdem , dass sich eine Kennenlernphase mit stabiler Bindung entwickelt und sich bestimmte Probleme vielleicht von alleine lösen. Inzwischen hat sich vor dem ersten Treffen die Frau bereits sympathiemäßig eng an ihn gebunden, denn er gibt dasselbe vor und hat schließlich ganze Vorarbeit geleistet. Zeitgleich wird auch der materielle Background der Frauen gecheckt durch etwaige Konstruktion von Luftschlössern, gemeinsame Zukunft mit Haus im Süden am Meer, Investitionen in Ferienhäuser etc.<BR /><BR /><BR /><b>Phase 2: Treffen eigentlich nur für Sex</b>, <b>Romantik Fehlanzeige</b><BR /><BR />Schon beim ersten Treffen wittert der Scammer seine Chance und ist dabei mit alternativen Plätzen für Treffen äußerst gut organisiert und vorbereitet. Oftmals sind es alte leerstehende Ferienhäuser oder Wochenendhäuser von Verwandten (mit gammeligen aber zufälligerweise (!) fix und fertig überzogenen Betten), die er nutzt inklusive Ausweichmöglichkeiten in Kellern, und dabei darauf achtet, dass sich vorgegebene Unternehmungen, wie Wandern in unmittelbarer Nähe des Treffpunktes befinden. Nach kurzem Spaziergang findet er dann wie selbstverständlich den Weg zu seinem „Lustplatz“ und die Damen werden nach anfänglichen Zärtlichkeiten schnell überrumpelt. Um die Damen milde zu stimmen, gibt es auch schon mal geklaute oder abgerissene Blumen, Kekse oder sonstige preiswerte Aufmerksamkeiten, denn er ist sehr auf seinen Vorteil bedacht und auf das Preisniveau.<BR /><BR />Ist die Dame beharrlich um eine konventionelles Treffen bemüht (Bsp. Klassiker „Pizza-Essen“), so lässt der Sex-Scammer nicht wirklich Romantik aufkommen, schließlich ist er über den finanziellen Einsatz wenig begeistert. Er nutzt die Gelegenheit, um über Unsinnigkeiten von Beziehungen und andere Frauen aus der Vergangenheit zu sprechen, denn er ahnt nun langsam, dass Phase 3 anbricht. Um dieses Herauszuzögern gaukelt er nun vor, sich angeblich in der Nähe seines Opfers wohl zu fühlen und Frieden oder andere positive Gefühle zu empfinden, was der Frau ein Alleinstellungsmerkmal impliziert. <BR /><BR />Aber: Echtes Einfühlungsvermögen kennt er nicht, er ist allein auf sich fixiert und auf die Befriedigung seiner Bedürfnisse, was stunden dauern kann und somit nach spätestens einem Treffen Fragen aufwirft. Nun stellt sich sicherlich die Frage, wer so etwas mitmacht, aber der Sex-Scammer ist geschickt, charmant und stellt eine eventuelle Intensivierung der Relation in Aussicht, denn nach spätestens 3 bis 4 Treffen stellt sich natürlich die Frage nach einem näheren Kennenlernen. Geschickt weicht er aus, vertröstet und argumentiert geschickt. Jedes weitere Treffen läuft nahezu identisch ab, ein Nein wird nicht akzeptiert. Bis dahin hat die Frau natürlich weiter Hoffnung und Bindung aufgebaut, denn sie möchte den charmanten Typen natürlich nicht verlieren auch wenn sie innerlich natürlich bereits spürt, dass es ihm gar nicht um sie persönlich geht. Spricht sie ihn direkt darauf an, wird sie dann einfach zunächst gekonnt beschwichtigt. Damit wird sie fieserweise in eine Warteposition versetzt in der sie nun auf positive Wendung hofft, denn sie kann sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen, dass der ach so charmante Mann es gar nicht wirklich auf sie abgesehen hat. Er ist doch so sympathisch auf seinen Profilfotos und doch dauernd beschäftigt, er klingt zudem authentisch.... das kann doch einfach nicht sein....oder doch?!? Er sei doch angeblich so schüchtern??<BR /><BR /><b>Phase 3: Der emotionale Todesstoß</b><BR /><BR />Frauen sind sensibel und folgen instinktiv ihrem Bauchgefühl und das weiß der Sex-Scammer, hält sich daher nun bedeckt mit Kosenamen und Zukunftsvisionen....es kommt das unvermeidliche:<BR />Bleibt das Opfer hartnäckig, da es feste Vorstellungen hat, folgt unbarmherzig Phase 3: der emotionale Todesstoß: Sie wird abgewiesen und ausgetauscht mit dem Argument, dass er sie zwar möge aber eben nicht verliebt sei. Er wartet bis die Frau das Thema anbringt, die Kommunikation läuft sowieso ausschließlich schriftlich über Handy. <BR /><BR />Er behauptet nie ernsthaft interessiert zu sein. Aber sie könnten sich natürlich weiter treffen, er sei immer bereit. Dabei bringt er das Beispiel eines Freundes an, der angeblich nie verliebt mit seiner Partnerin schon seit Jahren liiert sei – und gleichzeitig solo sei – versteht sich. Die Vermutung, daß es sich bei dem Beispiel um den Scammer selbst handelt, liegt dabei augenscheinlich nahe. Dabei hatte er doch angeblich bereits langjährige Beziehungen – so wird es dem Opfer impliziert und damit klargestellt, daß es an ihm nicht liegen könne. Er sei halt nunmal nicht verliebt.<BR /><BR />Was folgt ist, dass die Frau sich zurückzieht, alleingelassen mit ihrem Kummer und nun auch wieder einsam, denn nun folgt die totale Stille – das genaue Gegenteil der vorherigen Zeit voller Kommunikation mittels Handy, an welche die Opfer inzwischen gewöhnt sind. Die Frau hofft noch immer, die Einzige zu sein, so wie er es ihr vorher vorgegaukelt hat, aber sie wird nie wieder etwas von ihm hören, denn er ist bereits mindestens zwei Opfer weiter.<BR /><BR />Das Opfer hat keine Möglichkeit, diesen Schmerz zu verarbeiten. Sie leidet still, denn die Scham mit anderen darüber zu sprechen ist meist groß, zumal der Scammer sie bereits im Vorfeld isoliert hat. Es bleibt ihr im Kontakt mit ihm kaum Zeit für anderes, alles geschieht im Verborgenen ohne Öffentlichkeit (Familie, Freunde, Unternehmungen) und da er vorgibt eifersüchtig zu sein, will die Frau ihn auch nicht enttäuschen und hofft, dass dies nun eine Emotion ist, die den Anfang einer inneren Bindung darstellt. Aber weit gefehlt.<BR /><BR />Der Sex-Scammer ist bindungsunfähig. Ob nun durch lebensbedingte Traumata oder pathologische Prädisposition, ist psychologisch noch nicht geklärt. Tatsächlich hat der Sex-Scammer bestehende – zumeist familiäre - Bindungen, so dass er lediglich zur Kompensation seines gesteigerten sexuellen Antriebes horizontale Befriedigung sucht, und dies krankhaft und wahllos. Er besitzt nicht die Fähigkeit zur Hingabe und ist zielfixiert, wobei er dies über Stunden hinziehen kann. Bei einer Prostituierten wäre das schließlich sehr kostenintensiv, also muss er die ihm verbleibende Zeit mit dem Opfer effektiv und ausgiebig nutzen.<BR />Aber warum nur hat er monatelang schriftlich Kontakt aufgebaut, an seinem angeblichen Alltag teilhaben lassen, in welchem er sich so unwohl und von seiner Umwelt unverstanden fühlt? Es liegt daran, daß er das Opfer auf sich fixieren muss, um es beeinflussen zu können und weil er selbst seinen in Wirklichkeit öden Alltag aufwerten will, indem er andere scheinbar teilhaben lässt.<BR /><BR /><b>Kein Strafbestand</b><BR /><BR />Leider erfüllt Sex-Scamming noch nicht den Tatbestand der Nötigung, denn welche Frau zeichnet schon ihr Privatleben auf Video auf, um im Falle ausreichend Dokumentationsmöglichkeiten zu haben. Der Sex-Scammer hingegen redet sich mit Einvernehmlichkeit heraus, obwohl die Kontaktaufnahme und Bindung der Opfer nur zum Ziel sexueller Handlungen erfolgt. Die Opfern werden zu sogenannten „Fuck-Buddies“, auf der langen Bank und ohne jede Chance auf eine normale Bindung.<BR /><BR />Sieht Frau sich nach dem ganzen Desaster nun das Internet genauer an, so stößt sie auf eine Fülle solcher Profile in denen Männer vorgeben, Frieden in der Natur zu suchen, sensibel und anlehnungsbedürftig zu sein. Besonders unangenehm ist die erpresserische Variante des Sex-Scammings, bei denen entsprechende Aufnahmen als Druckmittel benutzt werden - entweder gegen Geld oder weitere sexuelle Handlungen aber auch vermeintliche gemeinsame Investitionen, die in gutem Glauben getätigt worden sind, am Ende aber nie wieder rückforderbar sind, da es keine eindeutigen schriftlichen Übereinkünfte gegeben hat.<BR /><BR />Was machen Frauen falsch? Inwiefern ist ein erwachsener Mensch, der nur unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eine scheinbare Bindung aufbaut, überhaupt zu bedauern?<BR /><BR />Die Antwort liegt in unserer heutigen Gesellschaft. Überall werden uns Jugendlichkeit und Leichtlebigkeit vorgeführt, das Internet ist voll von Eitelkeiten und potenziellen Geschlechtspartnern, die scheinbar alles preis geben. Aber wie können wir Frauen uns schützen? Klar, wir sind in der Mitte unseres Lebens und können sicher nicht mehr mit knackigen Fotomodells mithalten. Aber müssen wir das überhaupt?<BR />NEIN – denn, sicher gibt es eine Frau, die schöner ist als eine andere, schließlich sind wir ja Frauen. Aber wir haben es verdient, jemanden kennenzulernen, der sich für uns selbst interessiert. Der auch wenn es nur kurze Minuten sind, mit uns zusammen sein möchte, nur um uns besser kennenzulernen. Der sich Mühe gibt, uns mit einem Picknick o.ä. eine Freude zu bereiten, der uns wirklich umwirbt (und nicht nur vorheuchelt, wie der Scammer) und dieser jemand wird uns so mögen wie wir sind, ohne Hintergedanken, mit all unseren Runzeln, Falten und Schwachstellen. Und er wird unser Herz liebevoll in seinen Händen halten, weil er unter keinen Umständen will, dass wir durch irgendetwas gekränkt werden.<BR /><BR />Der Scammer hingegen heuchelt, erzeugt lediglich Illusion. <BR />