Gesellschaftliche Ungleichheiten, ein verbreiteter Konsens zur Gewaltkultur sowie fehlendes Wissen gelten weiterhin als Nährboden für sexualisierte Gewalt. Viele Betroffene sind dennoch in einer Schweigespirale gefangen. <BR /><BR />Während Täter also im Verborgenen bleiben, tragen Opfer Scham und Angst als Folge des Erlebten mit sich. „Dass von 31 Personen, die ihre Erfahrungen im Buch schildern, nur eine Anzeige erstattet wurde, zeigt das geringe Vertrauen in die Justiz“, erklärte Geschlechterforscherin und Co-Autorin der Studie Laura Volgger.<h3> „Dass Opfern geglaubt wird, ist dabei ausschlaggebend“</h3>Um der Schuldumkehr entgegenzuwirken, wurden durch die Studienergebnisse klare Forderungen an Gesellschaft und Politik definiert. Zum einen brauche es mehr Räume, in denen Betroffene auch wirklich gehört werden. „Dass Opfern geglaubt wird, ist dabei ausschlaggebend, auch wenn dies in der Praxis nicht immer der Fall ist“, gab Julia Ganterer, Erziehungswissenschaftlerin und Co-Autorin. <BR /><BR />Auch die Institutionen stünden in der Verantwortung, vor allem bei der sexuellen Bildung. „Viele Betroffene, denen sexualisierte Gewalt im Kindesalter angetan wurde, gaben an, sich nicht in der Lage gefühlt zu haben, das Erlebte in Worte zu fassen“, so Studienleiterin Gundula Ludwig. Weiters benötige es mehr niederschwellige Schutzeinrichtungen und Sensibilisierung im sozialen Umfeld.<h3> „Viele Betroffene gaben an, sich nicht in der Lage gefühlt zu haben, das Erlebte in Worte zu fassen“</h3>Daran, dass sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und Prävention in Familien, Vereinen, Schulen und Institutionen unumgänglich sei, erinnerte Soziallandesrätin Rosmarie Pamer. In Zukunft wolle man daher noch enger mit dem Landesamt für Kinder- und Jugendschutz zusammenarbeiten.<BR /><BR />An der Studie beteiligten sich neben der Universität Innsbruck und der Stiftung Sparkasse auch das Land Südtirol mit einer Finanzierung von 215.000 Euro. Nun liegt es an Politik und Gesellschaft, die Erkenntnisse in die Praxis zu übersetzen – hin zu einer Gesellschaft, die nicht länger Täter schützt, sondern Betroffene stärkt und zeigt, dass sexualisierte Gewalt keinen Platz haben darf.<h3> So schaut die neue Ombudsstelle aus</h3> Die ersten politischen Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt sind gesetzt: Drei zentrale Elemente sollen innerhalb der Ombudsstelle künftig für Prävention und Aufarbeitung sorgen. Dazu zählen ein Betroffenenrat, ein wissenschaftlicher Beirat sowie ein Beauftragter für sexualisierte Gewalt. Die Ausschreibung für Letzteren ist bereits vorbereitet. <BR /><BR />In der Juni-Sitzung des Südtiroler Landtages soll die Kommission eingesetzt werden, im Juli folgt anschließend die Ernennung der Person. Die Grundlage dafür bildet das neue Gesetz zu den Ombudsstellen, das in der letzten Landtagssitzung verabschiedet wurde (wir haben berichtet). Damit wird künftig die Gesamtverantwortung für sieben Fachbereiche bei einer zentralen Ombudsstelle gebündelt, darunter auch der Bereich sexualisierte Gewalt.