Über 100 neue Fälle von sexueller Erpressung im Internet (engl. „Sextortion“) allein im August – das vermeldete letzthin die „Sektion für Cybersicherheit“ (ehemals „Postpolizei“) mit Blick auf die gesamtstaatliche Ebene. Eine besorgniserregende Entwicklung auch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Sensibilisierung hinsichtlich „sexualisierter Gewalt“. <BR /><BR />Zwar sind die erpressten Opfer großteils Männer, doch die Täter ködern sie ganz offensichtlich mit dem Bild der hypererotisierten jungen Frau und spielen ungeniert mit den damit verbundenen sexuellen Begierden. <BR />Das weiß auch der Stv. Kommissar Ivo Plotegher, Leiter der Bozner Dienststelle der „Sektion für Cybersicherheit“: „Sextortion ist ein wellenartiges Phänomen. Und das mit einem hohen Gefahrenpotenzial, weil hier die Schwächen der Opfer schamlos ausgenutzt werden.“ Oder, wie der Südtiroler Ermittler es auch formuliert: „Was als Sexspiel beginnt, führt die Betroffenen schlussendlich in einen Albtraum aus Erpressung, ständigen Geldforderungen und Drohungen.“<h3> „Versehentliche“ Nachricht zur ersten Kontaktaufnahme</h3>Dabei ist die Masche immer dieselbe; die Kontaktaufnahme und Erpressung laufen vermehrt über WhatsApp, erläutert Plotegher: „Die Täter erstellen ein falsches Profil einer gut aussehenden, jungen Frau. Dann kontaktieren sie potenzielle Opfer mit einer Nachricht, die angeblich versehentlich an diese versendet wurde. Im folgenden Chat wird dann allmählich eine Beziehung aufgebaut, bis es zum Versenden autoerotischer Bilder oder Filme seitens der Opfer kommt. In einigen Fällen wissen wir auch von gefälschten Bildern, die mit einfachen Porträts der Betroffenen erstellt wurden.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="946069_image" /></div> <BR /><BR />Was dann folgt, ist die klassische Erpressung – also eine direkte Zahlungsaufforderung mit der unverhohlenen Drohung, das anstößige Material in den gängigen Netzwerken zu veröffentlichen. Und das auf psychologisch perfide Weise, wie Plotegher beobachtet: „Die Erpresser versuchen, den Betroffenen einzureden, dass diese selbst für eine Straftat verantwortlich seien, wenn sie sich in solchen Stellungen fotografierten oder filmten. Das verstärkt das Tabugefühl und führt dazu, dass viele Betroffene sich niemandem anvertrauen und – soweit sie können – tatsächlich bezahlen.“<BR /><BR />Eine gefährliche Entscheidung, vor der auch der Experte warnt und auf die Tipps zum Eigenschutz <i>(siehe unten)</i> verweist: „Oft bleibt es nicht bei der ersten Zahlung. Dagegen schützt nur, den Kontakt abzubrechen – und den Fall behördlich zu melden.“ Denn eines steht fest, und steht so übrigens auch im Strafgesetzbuch (StGB): Autoerotische Bilder oder Videos sind nicht strafbar – sehr wohl aber die Erpressung damit. Der Artikel 629 StGB sieht bei „Erpressung“ nämlich eine Gefängnisstrafe von fünf bis zehn Jahren und 1000 bis 4000 Euro Bußgeld vor.<BR /><h3> So schützen Sie sich gegen „Sextortion“!</h3><b>Geben Sie niemals der Erpressung nach, indem Sie die geforderten Beträge zahlen!</b> Die Täter werden weiter Geld verlangen – und das immer nachdrücklicher.<BR /><BR /><b>Schämen Sie sich nicht, intime Bilder geteilt zu haben!</b> Sie haben es mit organisierten Kriminellen zu tun, die wissen, wie neugierig und zerbrechlich die Opfer dieser Art von Straftaten sind.<BR /><BR /><b>Begrenzen Sie die persönlichen Informationen, die Sie in sozialen Medien teilen!</b> Verwenden Sie strenge Datenschutzeinstellungen, um zu kontrollieren, wer auf Ihre Inhalte zugreifen kann.<BR /><BR /><b>Überprüfen Sie die Identität von Personen im Internet!</b> Suchen Sie nach konkreten Hinweisen – z. B. Videoanrufe oder Fotos – die belegen, dass die jeweilige Person echt ist.<BR /><BR /><b>Hüten Sie sich vor verdächtigen oder unerwarteten Aufforderungen, intime Fotos oder Videos zu senden!</b> Überhaupt sollte man generell vermeiden, kompromittierendes Material zu verschicken.<BR /><BR /><b>Wichtig zu wissen als Betroffene:</b> Die Betreiber der sozialen Netzwerke analysieren und entfernen laufend anstößige Inhalte. Wenn nicht, dann sollten Sie diese melden.<BR /><BR /><b>Wachsamkeit und Sensibilität schützen vor Übergriffen!</b> Verwenden Sie also immer aktuelle Schutzsoftware auf Ihren Geräten und bilden Sie sich – ebenso wie Ihr Umfeld – laufend fort in Sachen Online-Risiken.<BR /><i><Fett_DinPro> <Symbol_Hinweis><BR /> </Symbol_Hinweis>Und hier finden Sie Hilfe: <BR />„Sektion für Cybersicherheit“ der Staatspolizei Bozen; Tel. 0471/531413 oder E- Mail: poltel.bz@ poliziadistato.it </Fett_DinPro></i>