„Ich bin sehr froh, dass unsere Schule meine Initiative ergriffen hat. Das Thema ist aktueller denn je. Das Thema hat auch vorderste Priorität für unseren Heiligen Vater Papst Franziskus. Unsere jüngeren Leute haben heutzutage viele Fragen, Zweifeln, Unsicherheiten, Schwierigkeiten und Familiäre-Probleme und nicht nur. Deswegen ist es sehr wichtig über das Thema zu sprechen, es erörtern, es ernst nehmen und für eine bessere Welt einzustehen ohne Gewalt, ohne Missbrauch und ohne Verletzung“, sagt Projektleiter Vasyl Demchuk.<BR /><BR />Nach den Begrüßungsworten von Seiten des Projektleiters ergriff die Präsidentin des Landesgerichts Elsa Vesco das Wort. Sie sprach von Glauben an Gerechtigkeit und der Umsetzung von persönlichen Freiheiten, von Frieden und Glück, von Vertrauen und dem persönlichen Bewusstsein, von Respekt und Würde. <BR /><BR />Vesco erklärt die Wichtigkeit der Institutionen, um Unrecht auf- und anzuzeigen. Die Aufgabe der verschiedenen Anlaufstellen, nicht zuletzt die Carabinieri und die Quästur, wenn einem Unrecht widerfährt. <BR /><BR />Mit Bezug auf die App „TikTok“ und den neuen Medien erklärte sie die Wichtigkeit im Kampf gegen Gewalt, wenn diese richtig eingesetzt werden. Nicht zuletzt hat ein Video, das sehr häufig angeklickt und angesehen wurde, ein Handzeichen verbreitet, mit dem man andere auf eine Gewaltsituation aufmerksam macht, die einem in diesem Moment angetan wird. <BR /><BR />Eine von 4 Personen habe mindestens einmal einen sexuellen Missbrauch erlitten, so Vesco. Die Gesetze würden in den letzten Jahren diesbezüglich immer wieder abgeändert. <BR /><BR /> Die Schüler hatten die Möglichkeit, den Referierenden Fragen zu stellen:<BR /><BR /><b>Wie erklärt man sich den Verlust des Glaubens an Gerechtigkeit und das Vertrauen in den Staat?</b><BR /><BR />Vesco: Alles ist einem Wandel ausgesetzt. Solche Zeiten hat es immer schon gegeben. Es wird einem bewusst, in dem Moment, in dem es sich zersetzt. Vor ungefähr 20 Jahren hat ein solcher Wandel eingesetzt. So sind zum Beispiel damals erst Frauen als Richterinnen zugelassen worden. Vorher hatten nur Männer dieses Amt inne. Die Gerichtsbarkeit basiert auf gute Ermittlungen und auf die Glaubhaftigkeit der geschädigten Person. So wurde im Falle von sexueller Gewalt auch eine Sensibilität entwickelt, wenn nicht mehr nur Richter, sondern Richterinnen Recht sprachen. <BR /><BR /><b>Wird dieselbe Straftat mit demselben Strafmaß vollzogen?</b><BR /><BR />Vesco: Straftaten werden aufgrund von Gesetzen und laut Gesetzbuch behandelt. Es gibt jedoch mindernde und erschwerende Umstände, die das Strafmaß beeinflussen. Mindernde Umstände werden bei sexuellem Missbrauch nicht angewandt. <BR /><BR /><b>Werden Entschädigungen immer ausgezahlt?</b><BR /><BR />Vesco: Die Entschädigung und deren Höhe wird vom Zivilgericht bemessen und festgelegt. Auch Nebenkläger können sich an das Gericht wenden. <BR /><BR /><b>Ist Geschlechtsverkehr zwischen einem 18-Jährigen und einem Minderjährigen strafbar?</b><BR /><BR />Vesco: Urteile werden immer aufgrund von Beweisen gefällt. Solange keine Straftat gemeldet ist, schreiten die Institutionen nicht ein. <BR /><BR /><BR />Kommandant der Carabinieri-Kompanie Bozen Gennaro De Gabriele referierte er über die Carabinieri und deren Organigramm in Südtirol. Er sprach über die neuen Medien und auf deren oft noch immer unterschätzten Gefahren im Umgang damit. In der Pandemie und den Lockdowns seien diese Medien immer mehr eine Möglichkeit zur Kommunikation geworden und die Vergehen mehrten sich. <BR /><BR />Er spricht von der Ausdehnung im Netz der Erpressung im Netz mit sexuellem Hintergrund. Eine dieser ist zum Beispiel die “sex-tortion“ oder immer häufiger auch der “revenge porn“. Diese lassen sich vermeiden, deshalb sollte man auf keinen Fall persönliche Daten, Fotos und Ähnliches an Unbekannte versenden und nicht nur an diese. Das Verbreiten und Weiterleiten von Fotos ohne Erlaubnis der darauf abgebildeten Person sei eine Straftat, so De Gabriele. <BR /><BR /> Auch De Gabriele beantwortete Fragen der Schüler:<BR /><BR /><BR /><b>Wie gehen einem ein Pädophile „ins Netz“ und wie kann ich mich davor schützen?</b><BR /><BR />De Garbiele: Jede Form von Einladung von unbekannten oder wenig bekannten Personen ablehnen. Sich an Eltern oder vertrauenswürdigen Menschen wenden, die einem weiterhelfen, nicht zuletzt die Rufnummer 112 wählen, um sich mit den Carabinieri in Verbindung zu setzen. <BR />Man darf auch als Minderjähriger keine anzüglichen Fotos von anderen Minderjährigen haben. <BR /><BR /><b>Wieso werden von Seiten der Ordnungshüter nicht die gefährlichen Seiten im Web geschlossen?</b><BR /><BR />De Garbiele: Der Eindruck, der entsteht, ist der, dass nichts gemacht wird. In Italien aber haben wir ein sogenanntes „sistema garantista“, das erst einschreiten kann, wenn eine Anzeige formuliert wird. Und dann beginnt die Untersuchung zu laufen. Man muss auch daran denken, dass nicht immer alles auf- und angezeigt wird und deshalb sind den Ordnungshütern häufig die Hände gebunden. <BR /><BR />In der Zeit der Pandemie sei die Anzahl der Einbrüche und kleinerer Vergehen um 75 Prozent gesunken, dagegen seien die Anzahl der Online-Vergehen um denselben Prozentsatz gestiegen. Die Dunkelziffer sei wohl um einiges höher.<BR /><BR /><BR /> Gottfried Ugolini, Priester und Beauftragter der Kirche für den Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen, berichtete davon, dass er im Umgang mit Missbrauchsopfern in der Kirche einiges gelernt habe und mehreren Fragen und Schlussfolgerungen gekommen ist. Wichtig sei es, sich zu fragen, was eine gute Beziehung ist und was es heißt, miteinander respektvoll umzugehen. Ebenso, wie wir miteinander reden, denn auch Worte können verletzen. Zudem sei es wichtig, darüber nachzudenken, was „berufsethisches“ Verhalten bedeutet und welche Rolle man selbst spielt und wo die Grenzen sind. „Wir tragen Verantwortung im Umgang mit dem Mitmenschen“, meint Ugolini. Auch er stellte sich anschließend den Fragen der Jugendlichen.<BR /><BR />