<b>Sharenting bedeutet, dass Eltern andauernd die Fotos ihrer Kinder online stellen und teilen, also das Familienleben öffentlich machen. Wie häufig ist das Phänomen in Südtirol?</b><BR />Daniela Höller: Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, dass inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet ist. Fotos, Videos und sogenannte „Stories“ von Kindern werden geteilt. Was das für Risiken mit sich bringt – das sind sich viele Menschen nicht bewusst.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64077554_quote" /><BR /><BR /><b>Von welchen Risiken sprechen wir?</b><BR />Daniela Höller: Die Erstellung einer digitalen Identität beginnt schon früh, oft vor der Geburt. Zum Beispiel, wenn Ultraschallbilder des Ungeborenen veröffentlicht werden. Die Gefahr ist, dass mit sensiblen Daten leichtsinnig umgegangen wird. Wenn ein Foto von einem Kind auf dem Topf oder in der Badewanne gepostet wird, können das unter Umständen später Mitschüler, Arbeitskollegen oder der Arbeitgeber sehen. Das kann dann für die Betroffenen peinlich sein und auch zu Hasskommentaren, Mobbing oder Cybermobbing führen. <BR /><BR /><b>Was ist noch gefährlich?</b><BR />Daniela Höller: Wenn Kinder so dargestellt werden, wird auch oft der Name sowie der Wohnort genannt, der Geburtstag oder die Schule, die sie besuchen. So steigt die Gefahr, dass sich Erwachsene den Kindern nähern. Außerdem wird ganz oft aus Kinderbildern pädopornografisches Material gemacht. Erwachsene sollten sich deshalb fragen: Ist eine Veröffentlichung im Sinne meines Kindes?<BR /><BR /><embed id="dtext86-64078000_quote" /><BR /><BR /><b>Jetzt soll es einen Gesetzesentwurf geben, der Kinder im digitalen Raum besser schützen möchte. Was ist Ihre Meinung dazu?</b><BR />Daniela Höller: Dass das Recht von Minderjährigen auf Privatsphäre im digitalen Raum bestärkt wird, sehe ich durchwegs positiv. Der Entwurf sieht – soweit ich informiert bin – vor, dass beide Eltern eine Erklärung unterschreiben, bevor sie die Gesichter ihrer Kinder im Netz veröffentlichen. Diese wird dann an die AGCOM, die Aufsichtsbehörde für das Kommunikationswesen, geschickt. Da frage ich mich: Wie will man das konkret umsetzen? Wer kontrolliert das? Wie sieht die Bestrafung aus? Es gibt noch offene Fragen. <BR /><BR /><b>Außerdem ist vorgesehen, dass die Einnahmen, die aus der online-Nutzung von Kinderbildern generiert werden, auf ein eigenes Konto der Minderjährigen eingezahlt werden...</b><BR />Daniela Höller: Genau, ab 18 Jahren hätte die Person dann Zugriff auf das Geld. Das ist bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64078005_quote" /><BR /><BR /><b>Sind die bestehenden Vorschriften nicht ausreichend?</b><BR />Daniela Höller: Gemäß der Europäischen Datenschutzgrundverordnung benötigt man bei der Verarbeitung der personenbezogenen Daten in Italien die Zustimmung der Kinder ab 14 Jahren, davor die Zustimmung der Eltern. Letztere müssen aber im Interesse der Kinder handeln. Dieser Entwurf wäre eine wichtige Ergänzung. Die Kinder würden stärker vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt werden. Vorgesehen wäre auch das Recht auf Vergessen. Das bedeutet, dass Kinder mit 14 beantragen können, dass die Bilder aus dem Internet herausgenommen werden. <BR /><BR /><b>Man muss die Kinder also vor den Eltern schützen? Wie wichtig ist deshalb digitale Bildung?</b><BR />Daniela Höller: Das ist ein sehr wichtiger Stichpunkt. Wie gesagt ist der Umgang mit sensiblen Daten oft leichtsinnig. Die Eltern denken sich dabei nichts Böses. Sie wollen vielleicht ihr Familienglück teilen und ihre Community auf dem Laufenden halten. Das ist durchaus verständlich. Aber es fehlt oft an Medienkompetenz, an Weitsicht. Sind die Bilder erst einmal im Netz, bleiben sie im Netz. Es ist ganz schwierig, sie wieder herauszubekommen. „Share with care“ bedeutet, dass Eltern vorsichtig Bilder im Netz teilen sollten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64078050_quote" /><BR /><BR /><b>Was raten Sie Eltern? Wie viel sollen sie von ihrem Familienleben preisgeben?</b><BR />Daniela Höller: Die Kinder sollten, soweit möglich, in die Entscheidung mit eingebunden werden. Die Eltern sollten sie um das Einverständnis fragen. Wichtig ist, dass auf dem Foto das Gesicht des Kindes unkenntlich gemacht wird, etwa in dem das Kind das Gesicht wegdreht oder das Bild nachträglich bearbeitet wird. Der Wohnort und die Schule des Kindes sollten nicht ersichtlich sein. Persönliche Daten sollten nicht geteilt werden. Es ist viel pädopornografisches Material im Umlauf, deshalb sollten keine Fotos veröffentlicht werden, die Kinder im Badeanzug bzw. mit wenig Bekleidung zeigen. In den sozialen Netzwerken sollten Eltern einstellen, dass nicht jeder einen Zugang auf ihr Profil erhält. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />