Donnerstag, 18. Juni 2015

Sicherheit auf der A22: Sonnen- und Schattenseiten

Am Mittwoch hat die A22 in Bozen eine Pressekonferenz zum Thema Sicherheit abgehalten. Ihr Fazit: Alles ist wunderbar. Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz hält in einer Aussendung am Donnerstag dagegen.

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Vor 15 Jahren wurden auf der Brennerautobahn noch 27 Verkehrstote gezählt, 2013 bzw. im Vorjahr waren es „nur“ mehr je vier. „Vor 20 bis 25 Jahren waren es sogar bis zu 40 Tote im Jahr. Jetzt sind wir zwar weit darunter, aber es ist trotzdem eine Todesrate, die wir nicht tolerieren können“, sagte Paolo Duiella, Präsident der Brennerautobahn, am Mittwoch.

In 93 Prozent der Fälle seien es menschliche Fehler, die zum Unfall führen, wie beispielsweise Sekundenschlaf, zeitweiliges Abgelenkt-Sein oder aber auch Trunkenheit am Steuer, erklärte Carlo Costa, technischer Direktor der Brennerautobahn-Gesellschaft. 

Insgesamt stehe die Brennerautobahn mit ihren Investitionen in die Sicherheit der Strecke im italienischen wie im europaweiten Vergleich sehr gut da. Die A22 liegt sogar im Spitzenfeld. „Dies liegt zum einen daran, dass wir 1992 einen besonderen Drainage-Flüsterasphalt gelegt haben, eigene Leitplanken entworfen haben und sie haben produzieren lassen und zudem das Lkw-Überholverbot vom Jahr 2000. Hilfreich war zudem die Verbreiterung des Pannenstreifens, aber auch der Punkteführerschein hat dazu beigetragen, dass die Unfälle zurückgegangen sind“, sagte Costa.

Dachverband: Gesundheit durch A22 weiterhin gefährdet

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz teilt in einer Aussendung am Donnerstag die Freude über die kontinuierlich sinkenden Unfallraten mit tödlichem Ausgang, bedauert aber gleichzeitig, dass die abgasbedingten gesundheitlichen Schäden entlang der A22 unerwähnt blieben.

Hier bestehe weiterhin dringender Handlungsbedarf: "Luftschadstoffe führen nachgewiesenermaßen zu ernsthaften Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und haben in Südtirol zirka 200 vorzeitige Todesfälle pro Jahr zur Folge. Neben den direkten schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt trägt die Schadstoffbelastung in der Luft auch dazu bei, dass Menschen, Pflanzen und ganze Ökosysteme generell anfälliger auf weitere Stressfaktoren wie Krankheitserreger, Parasiten oder Trockenheit reagieren", schreibt Klauspeter Dissinger.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordert deshalb erneut dazu auf, dass sich die Brennerautobahn-Gesellschaft für eine drastische Reduzierung des Schadstoffausstoßes einsetzt, und zwar anhand durch eine Vermeidung des Umwegverkehrs durch Mautanpassungen an das Schweizer Niveau, der Einführung eines Nachtfahrverbots für Lkw, der Einführung eines sektoralen Fahrverbots für sperrige Güter sowie der Installation eines Tutors zur Geschwindigkeitskontrolle.

lu/stol

stol