<h3> Zahlen zur Sicherheitslage in Südtirol</h3>In das Thema führte Harald Pechlaner ein, Direktor des Center for Advanced Studies an der Eurac. Er richtete den Blick zunächst auf die aktuelle Sicherheitslage in Südtirol und untermauerte seine Ausführungen mit Daten der Staatspolizei. Demnach wurden im Jahr 2025 landesweit über 70.000 Personen und 17.000 Fahrzeuge kontrolliert. Zudem kam es zu 1.773 Anzeigen und 303 Festnahmen, was einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.<BR /><BR />Auch im Kampf gegen den Drogenhandel wurden Erfolge erzielt: Rund 29 Kilogramm Haschisch und Marihuana sowie 12 Kilogramm Kokain konnten beschlagnahmt werden. Darüber hinaus wurden 68 mündliche Verwarnungen ausgesprochen, 180 Maßnahmen im Zusammenhang mit Stalking beziehungsweise im Rahmen des „Codice Rosso“ verhängt und 43 Zutrittsverbote zu Sportveranstaltungen erlassen.<BR /><BR />Doch bei aller Aussagekraft dieser Zahlen machte Pechlaner deutlich, dass sie allein nicht ausreichen, um Sicherheit umfassend zu erfassen. Sicherheit sei kein statischer Zustand, sondern ein vielschichtiger und dynamischer Begriff, der stark von individuellen Wahrnehmungen geprägt ist. Gerade darin liege eine zentrale Herausforderung: Zwischen der öffentlich wahrgenommenen Sicherheit und den tatsächlichen Kriminalitätsdaten klaffe oft eine deutliche Lücke.<h3> Jede vierte Person fühlt sich Nachts unsicher</h3>Und diese schlägt sich auch in den erhobenen Daten der ASTAT nieder: Für den Zeitraum von 2009 bis 2024 zeigte sich demnach, dass sich landesweit rund jede vierte befragte Person (27 Prozent) unsicher fühlt, wenn sie nachts allein in der eigenen Wohngegend unterwegs ist. Etwa jede sechste Person (16 Prozent) schätzt das Kriminalitätsrisiko im unmittelbaren Umfeld als hoch oder eher hoch ein. Gleichzeitig bringt ebenfalls rund ein Viertel der Befragten (27 Prozent) nur geringes Vertrauen in die Sicherheitskräfte zum Ausdruck.<BR /><BR />Auffällig ist dabei auch, dass sich das Sicherheitsempfinden nicht überall gleich darstellt. Mit zunehmender Größe der Gemeinde nimmt das subjektive Unsicherheitsgefühl zu. Besonders deutlich zeigt sich dies in Bozen, wo die Unsicherheit stärker wahrgenommen wird als in kleineren, ländlich geprägten Gemeinden.<BR /><BR />Diese Entwicklungen bleiben nicht ohne politische und praktische Konsequenzen. Nicht zuletzt deshalb wurden in den Städten in den vergangenen Jahren verschiedene sicherheitspolitische Maßnahmen umgesetzt. So wurde das Projekt „Nachtökonomie“ gemeinsam mit der Freien Universität Bozen ins Leben gerufen, während gleichzeitig erste Modelle der „Nachbarschaftswache“ in Meran und Bozen erprobt wurden. Parallel dazu erfolgte eine Stärkung der Ortspolizei, sowohl personell als auch technisch, unter anderem durch die Einführung neuer Einsatzmittel wie Tasern.<BR /><BR />Auch die sichtbare Präsenz von Sicherheitskräften wurde erhöht: Am Dominikanerplatz ist Militär im Einsatz, zudem wurden die Patrouillen verstärkt. Ergänzend dazu wurde die Videoüberwachung ausgebaut – insgesamt 300 Kameras sind mittlerweile im Stadtgebiet installiert. Flankiert wird dies durch Förderungen für Alarm- und Überwachungssysteme in Betrieben.<h3> Unterschiedliche Perspektiven auf Sicherheit</h3>Dass diese Maßnahmen jedoch unterschiedlich bewertet werden und das Thema Sicherheit weit über statistische Erhebungen hinausgeht, zeigte sich im weiteren Verlauf der Tagung. Die Perspektive wurde bewusst erweitert, um gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Zugänge miteinander zu verknüpfen.<BR /><BR />So beleuchtete <b>Susanne Krasmann</b>, Professorin für Soziologie an der Universität Hamburg, die Entwicklung europäischer Städte von einer reinen Resilienz hin zu einer aktiven Vorbereitung auf mögliche Krisen- und Ausnahmezustände.<BR /><BR /><b>Matteo Mazziotti di Celso</b>, Postdoc am Institut für Strategische Forschung in Paris, ordnete hingegen das Zusammenspiel von Militär und öffentlicher Sicherheit in Italien ein. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1304199_image" /></div> <BR /><BR />Zum Abschluss wurden die unterschiedlichen Sichtweisen in einer Podiumsdiskussion zusammengeführt. Mit dabei waren die Gemeinderätin der Stadtgemeinde Bozen <b>Stefania Baroncelli</b>, der Filmemacher <b>Philipp Bologna</b>, der Strafverteidiger <b>Nicola Canestrini</b> sowie die Präsidentin der Psychologenkammer Bozen, <b>Francesca Schir</b>.<BR /><BR />Ihre Beiträge machten deutlich, dass Sicherheit nicht allein eine Frage von Zahlen oder sicherheitspolitischen Maßnahmen ist, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Wahrnehmung, psychologischen Aspekten und gesellschaftlichen Entwicklungen. <h3> 3 Fragen an Filmemacher Philipp Bologna</h3><div class="img-embed"><embed id="1304202_image" /></div> <BR /><BR /><b>Du gehst in der Reportage „Sicherheit in Südtirol – zwischen Wahrnehmung und Realität“ der Frage nach, wie sicher Südtirol tatsächlich ist. Was war deine zentrale Erkenntnis?</b><BR />Philipp Bologna: Südtirol gilt objektiv als sehr sicher – das sollte man sich immer wieder vor Augen führen. Gleichzeitig besteht jedoch häufig eine deutliche Diskrepanz zwischen dem subjektiven Sicherheitsgefühl und der tatsächlichen Lage.<BR /><BR /><b>Warum fühlen sich viele Menschen unsicherer, obwohl die Fakten das nicht immer bestätigen?</b><BR />Bologna: Wahrnehmung und Realität gehen oft auseinander. In Städten etwa fühlt man sich schneller unsicher, obwohl objektiv nicht unbedingt mehr passiert. Gleichzeitig sind wir durch Medien viel stärker mit negativen Nachrichten konfrontiert – das prägt unser Gefühl.<BR /><BR /><b>Was braucht es, damit vor allem junge Menschen Informationen besser filtern können?</b><BR />Bologna: Mehr Medienkompetenz. Es geht darum, Quellen einordnen zu können und Informationen kritisch zu hinterfragen. Gerade soziale Medien liefern viele Inhalte ohne Kontext – da ist es wichtig, bewusst zu unterscheiden, was verlässlich ist und was nicht.