Die damals 32-jährige Niederbayerin wurde nach dem Unfall festgenommen und zu einer Haftstrafe von vier Jahren und acht Monaten verurteilt. Wegen ihres prekären psychischen Zustands beschloss ein Richter, dass sie ihre Haft in einer spezialisierten Einrichtung für psychisch kranke Straftäter in der Provinz Verona absitzen solle. <BR /><BR />Aus dieser Anstalt ist die aus Deggendorf in Bayern stammende Designerin am Sonntag ausgebrochen. Die 34-Jährige verließ die Anstalt und begab sich auf eine stark befahrene Straße in Ronco all'Adige in der Provinz Verona, wo sie von einem Auto erfasst und mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus Borgo Trento in Verona eingeliefert wurde. <BR /><BR />Sie befindet sich auf der Intensivstation, ihr Zustand gilt als kritisch, wie ihr Verteidiger bestätigte. Auf Aufnahmen der Überwachungskameras der Einrichtung, in der Hütter untergebracht war, ist zu sehen, wie die Frau sich der Hecke nähert, die das Gelände der betreuten Wohneinrichtung begrenzt. Anschließend ist zu erkennen, wie die 34-Jährige zwischen den Pflanzen hindurchschlüpft und den Zaun überklettert, bevor sie sich in Richtung der Straße „Ronchesana“ begibt, einer Verkehrsachse, die mehrere Orte in der Bassa Veronese verbindet.<BR /><BR />Ihre Flucht wurde von den Verantwortlichen der Einrichtung sofort bemerkt - gemäß dem vorgesehenen Protokoll wurden umgehend die Sicherheitskräfte verständigt. Die schnelle Reaktion der Betreiber der Einrichtung reichte jedoch nicht aus, um den Unfall zu verhindern, der - so Giuseppe Ferro, Direktor der Casa Don Girelli - „zehn Minuten nach der Alarmierung der Carabinieri“ geschah.<h3> Hütter in kritischem Zustand</h3>Nachdem sie die Freiheit erlangt hatte, erreichte die deutsche Designerin die Provinzstraße. Dort scheiterte ihr Fluchtversuch jedoch, da sie von einem Volvo 760 C erfasst wurde, der von einem 77-jährigen Mann aus der Provinz Verona gesteuert wurde. Am Unfallort trafen umgehend Beamte der Verkehrspolizei von Legnago ein, die die Unfallaufnahme durchführten. Zudem wurde ein Rettungswagen von Verona Emergenza alarmiert, der die 34-Jährige in äußerst kritischem Zustand und bewusstlos in das Krankenhaus Borgo Trento in Verona brachte.<BR /><BR />Angelika Hütter war im Oktober 2024 wegen „Straßenmordes“ verurteilt worden. Sie wurde von einem psychiatrischen Gutachten für den Zeitpunkt des Unfalls als teilweise geistesgestört eingestuft. Dennoch galt die Bayerin laut dem Gutachten als prozesstauglich. Der Gutachter hatte auch eine anhaltende soziale Gefährlichkeit der Frau für die Gemeinschaft festgestellt. So wurde bekannt, dass die Bayerin vor der Tat nach einem Streit mit ihren Eltern monatelang im Auto gelebt hatte.<BR /><BR />Hütter war am 6. Juli 2023 mit 90 km/h durch Santo Stefano di Cadore gerast und hatte die auf dem Bürgersteig spazierende Familie erfasst, die in der Ortschaft ihren Sommerurlaub verbrachte. Es gab keine Bremsspuren. Die Leichen lagen nach dem Unfall fast 30 Meter vom Aufprallpunkt entfernt. Laut Zeugenaussagen soll die Autofahrerin zum Zeitpunkt des Unfalls ein Mobiltelefon benutzt haben. Bei dem Unfall kam die Niederbayerin mit einigen Verletzungen davon und wurde im Krankenhaus der Ortschaft Pieve di Cadore behandelt.<BR /><BR />Strafverteidiger Giuseppe Triolo hatte auf die Strafunmündigkeit seiner Mandantin plädiert. Die Richterin gab diesem Antrag jedoch nicht statt. Aufgrund ihres psychischen Leidens hatte die Staatsanwaltschaft das Strafmaß von vier Jahren und acht Monaten vorgeschlagen. Die Verteidigung stimmte zu. Hütter müsse auch in der geschlossenen Anstalt streng überwacht werden und die Einnahme von Psychopharmaka fortsetzen, forderte die Anklage. Strafmindernd wirkte, dass die Versicherung der Autofahrerin die Hinterbliebenen bereits entschädigt hatte. Nach Angaben italienischer Medien soll es sich um eine „Millionensumme“ handeln. <h3> Hütter war in psychiatrischer Therapie</h3>Hütter wurde zunächst in einem psychiatrischen Krankenhaus in Venedig behandelt, bevor sie inhaftiert wurde. Sie verbrachte acht Monate Untersuchungshaft in einem Frauengefängnis auf der Insel Giudecca in Venedig. Ihr Verteidiger Giuseppe Triolo hatte vergeblich versucht, sie in eine Einrichtung in Deutschland verlegen zu lassen. Die Verteidigung der Frau hatte das Angebot der Anklage von vier Jahren und acht Monaten Haft angenommen, ein Vergleich, der am 15. Oktober 2024 in einer Verhandlung offiziell gemacht wurde. Das Gericht erkannte ihre psychische Erkrankung an und genehmigte, dass sie ihre Strafe unter Einnahme von Psychopharmaka und psychiatrischer Therapie in der Anstalt Casa Don Girelli in der Provinz Verona verbüßen soll.<BR /><BR />Italien hat 2016 den Straftatbestand des „Straßenmordes“ eingeführt. Demnach ist ein Fahrer strafrechtlich verantwortlich, wenn sein fahrlässiges Verhalten einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Der Straßenmord ist eigenständig geregelt und unterscheidet sich von der fahrlässigen Tötung.