Monika Mor wollte am Nachmittag des 3. Mai 1994 wie alle Tage mit ihrem schwarzen BMW 320 nach Vintl fahren, wo sie im Gasthaus „Hochreiner“ um 15 Uhr den Dienst als Kellnerin antreten sollte. Wie üblich wählte sie vom elterlichen Haus in Brixen den Weg über Elvas, Raas und Schabs. Kurz nach der Abzweigung der Straße nach Raas unterhalb von Elvas lauerte der Mörder mit seiner Alfa 164 auf sein Opfer und versperrte ihm die Straße.<BR /><BR />Monika Mor versuchte noch verzweifelt zu entkommen. Sie legte den Rückwärtsgang ein und fuhr bis zur Kreuzung mit der Elvaser Straße zurück. Es gelang ihr aber nicht mehr, sich zu retten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765293_image" /></div> <BR /><BR /><b>5 Schüsse auf wehrloses Opfer</b><BR /><BR />Der Mörder gab aus einer Pistole zunächst von vorne einen Schuss auf den Wagen ab. Das Projektil drang durch die Windschutzscheibe und traf Monika Mor vermutlich am rechten Arm. Als der BMW an der Kreuzung stehen blieb, war Göller an die Fahrerseite des Wagens getreten und hatte durch das Seitenfenster nochmals vier Kugeln aus der Pistole auf die zusammengesunkene Monika Mor abgefeuert. Einer der Schüsse traf die Frau in den Kopf. Dann flüchtete er mit seiner Alfa in Richtung Raas.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765296_image" /></div> <BR /><BR />Im nahen Elvas waren die Schüsse gehört worden. Kurz nach der Tat traf im Brixner Krankenhaus ein anonymer telefonischer Notruf ein. Vom Krankenhaus aus wurde das Weiße Kreuz verständigt, das wieder Carabinieri und Polizei alarmierte. Beim Eintreffen des Notarztes hatte Monika Mor noch schwache Lebenszeichen gegeben. Der Arzt hatte die Frau aus dem Auto gezogen und Wiederbelebungsversuche unternommen, doch hatte ihr die schwere Kopfverletzung keine Überlebenschance gelassen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765299_image" /></div> <BR /><BR /><b>Göller stellt sich</b><BR /><BR />Polizei und Carabinieri trafen gleich danach am Tatort ein und begannen mit den Ermittlungen. Eine halbe Stunde nach der Tat meldet sich der damals 28-jährige Thomas Göller aus Eppan, ehemaliger Lebensgefährte von Monika Mor, von Klausen aus telefonisch bei den Carabinieri und erklärte, er habe eine dringende Mitteilung zu machen. Die Carabinieri von Brixen fuhren nach Klausen und nahmen Thomas Göller fest. In seiner Alfa 164 mit Kennzeichen Mailand fanden sie eine Pistole der spanischen Marke Alkartasuna vom Kaliber 7.65.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765302_image" /></div> <BR /><BR />Thomas Göller wurde in die Brixner Carabinierikaserne gebracht und dort vom Stellvertretenden Staatsanwalt Christian Mayer, der die Ermittlungen leitete, verhört. Anwesend war auch Göllers Vertrauensanwalt. In seinem Geständnis sagte er, er sei eifersüchtig gewesen. Thomas Göller hätte es nicht verkraftet, dass Monika sich von ihm abgewandt hatte und als sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann begann, habe er die Nerven verloren. Die Mordwaffe, eine Pistole Alkartasuna des Kalibers 7,65, hatte Göller einen Tag vor der Tat unter der Hand in Bozen-Süd gekauft. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765305_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Göller war polizeibekannt</b><BR /><BR />Thomas Göller war für Polizei, Carabinieri und Staatsanwaltschaft schon seit Jahren kein Unbekannter mehr. Die ersten Anzeigen flatterten den Ordnungshütern bereits 1980 auf den Tisch. Knapp einen<BR />Monat vor der Bluttat war Göller das letze Mal aus der Untersuchungshaft<BR />entlassen worden. Er steht unter dem Verdacht, beim Raubüberfall auf die Raika in Eggen im Jahre 1993 beteiligt gewesen zu sein.<BR /><BR />1980 erhielt die Polizei die ersten Anzeigen gegen den damals 13jährigen Thomas Göller. Die Vergehen, die ihm angelastet wurden, waren Diebstahl von Motorrädern, falsche Anzeige wegen verlorener Dokumente, Fahren ohne Führerschein, Sachbeschädigung und verschiedene Diebstähle.<BR /><BR />Der minderjährige Straftäter wurde in eine Besserungsanstalt gesteckt, aus der er aber schon bald ausrückte. Weitere Anzeigen folgten: wegen Körperverletzung, Hehlerei, Besitzes von Munition und Einbruch.<BR /><BR />In den letzten fünf Jahren vor dem Mord wurde Göller mehrfach von seiner Lebensgefährtin Monika Mor und deren Eltern wegen Belästigung, Drohungen, Vergewaltigung und Entführung angezeigt. Wegen der<BR />Drohungen wurde Göller 1991 zu vier Monaten Haft verurteilt. Am 9. Februar 1994 wurde Göller wieder festgenommen. Er stand unter dem dringenden Verdacht, am 28. Jännner bei dem Raubüberfall auf die Eggentaler Filiale der Raiffeikasse beteiligt gewesen zu sein. Erst rund einen Monat vor dem Mord wurde er in Erwartung seines Verfahrens aus der Untersuchungshaft entlassen.<BR /><BR /><BR /><b>Schwere Vorwürfe der Familie</b><BR /><BR />Schwere Vorwürfe haben die Angehörigen der brutal ermordeten Monika Mor gegen die Gerichtsbarkeit erhoben. Monika sei von ihrem ehemaligen Lebensgefährten immer wieder auch mit Waffen bedroht worden. „Ich habe schon vor Jahren um Schutz für meine Tochter gebeten“, sagte damals Vater Helmuth Mor, der im Jahr 2016 starb. „Jetzt ist es zu spät.“<BR /><BR />Die stürmische Beziehung zwischen Monika Mor und Thomas Göller, der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt kam, war 1992 endgültig auseinandergegangen, nachdem Monika von Thomas ein Kind bekommen hatte. Monika Mor lebte seither mit dem kleinen Sohn wieder bei den Eltern.<BR /><BR />„Sie hatte Angst vor seiner Gewalttätigkeit und wollte mit ihm nichts mehr zu tun haben“, sagt ein Angehöriger. Thomas Göller wollte sich damit aber nicht abfinden. Er versuchte immer wieder, Monika für sich zurückzugewinnen, und schreckte dabei, so die Angehörigen, auch vor Drohungen und Gewalttätigkeiten nicht zurück.<BR /><BR />„Thomas Göller hatte immer Waffen bei sich, meistens eine Beretta“, sagt ein Schwager der Ermordeten. Einige Zeit vor dem Mord an Monika Mor wurde der Hund der Familie Goller nachts erschossen. „Damit hat er uns zeigen wollen, daß er mit den Waffen nicht nur drohte, sondern sie auch verwenden wollte“, ist Vater Helmuth Mor überzeugt.<BR /><BR />Helmuth Mor hatte die Drohungen immer wieder bei den Carabinieri und bei Gericht gemeldet und um Schutz für seine Tochter gebeten. „Ich muß arbeiten, um zu leben“, sagte der als Maurer tätige Mor, „und einer wie Thomas Göller kann sich die teuersten Autos kaufen, ohne daß jemand fragt, woher er das Geld hat.“<BR /><BR /><b>„Monika hatte Angst um ihr Leben“</b><BR /><BR />Es kam zwischen Angehörigen der Familie Mor und Thomas Göller auch zu Handgreiflichkeiten, Anzeigen und Gerichtsverfahren. „Monika hatte Angst um ihr Leben und um das ihres Sohnes“, sagte eine Schwester der Ermordeten. „Sie atmete jedes Mal auf, wenn Thomas Göller im Gefängnis saß.“<BR /><BR />Kaum war er wieder frei, habe er seine ehemalige Lebensgefährtin bedroht, so auch nach der vorübergehenden Festnahme wegen des Banküberfalles auf die Eggener Filiale der Raiffeisenkasse.<BR /><BR />Wenige Tage vor dem Mord hatte Thomas Göller angekündigt, dass er nach Spanien in Urlaub fahren wolle. „Monika war deshalb vielleicht zu sicher“, meint ein Angehöriger. Gegen die tödliche Falle auf der Straße nach Raas hätte allerdings auch mehr Vorsicht nicht geschützt.<BR /><BR />Um Monika Mor, die im Dezember 1994 24 Jahre alt geworden wäre, trauerten die Eltern, vier Geschwister und Monikas kleiner Sohn, das unschuldigste Opfer dieser unendlich traurigen Geschichte.<BR /><BR /><b>Verurteilung</b><BR /><BR />Lebenslange Haft, so lautete am 22. Februar 1995 das Urteil des Bozner Schwurgerichtes gegen den damals 28-Jährigen. Das Gericht entschied sich für die Vorsätzlichkeit, zumal Göller sein Opfer bereits vor dem Mord massiv bedroht hatte.<BR /><BR />Das Berufungsgericht in Trient bestätigte dieses Urteil im November 1995 in zweiter Instanz. Am 12. März 1996 stimmte auch das Kassationsgericht dem Urteil zu.<BR /><BR />Im Sommer 2001 wurde Göller, der zu dem Zeitpunkt bereits seit Jahren im Gefängnis von San Gimignano in der Toskana saß, wegen insgesamt elf Raubüberfällen aus den Jahren 1991 bis 1994, 16 Diebstahlsdelikten und 13 Verstößen gegen das Gesetz zum Waffentragen zu weiteren fünf Jahren und vier Monaten verurteilt. Unter anderem wurden ihm die Überfälle auf die Raika Vintl im August 1993 und auf die Bank für Trient und Bozen in Franzensfeste im Oktober 1993 vorgeworfen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765308_image" /></div> <BR /><BR /><b>Göllers Ende – Schuss in den Mund</b><BR /><BR />Göller saß im Juni 2010 zwar nicht mehr im Gefängnis, leistete stattdessen aber bei einer Sozialgenossenschaft Dienst und unterlag noch Sicherheitsauflagen des Gerichts. Unbestätigten Informationen zufolge soll er sich daran nicht gehalten haben und hätte Mitte Juni verhaftet und ins Gefängnis zurück gebracht werden sollen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.<BR /><BR />Es war der 21. Juni 2010 als um 15 Uhr der Alarm bei den Carabinieri von Waidbruck einging: Ein Pilzesammler hatte in Barbian einen Leichnam entdeckt – in der Hand soll er eine Waffe gehalten haben. Als die Carabinieri unter der Leitung von Hauptmann Matteo Ederle hinfuhren, stellte sich schnell die Identität des Toten heraus: Es handelt sich um Thomas Göller.<BR /><BR />Die Spurensicherung der Carabinieri wurde angefordert, um den Unfall- bzw. Tatort zu sichern und zu untersuchen, der örtliche Amtsarzt nahm eine erste Leichenbeschau vor und unterschrieb die Todesfeststellung. Thomas Göller war durch eine Kugel in den Mund gestorben.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765311_image" /></div> <BR /><BR />Göller dürfte laut Autopsiebericht zwischen 14. und 17. Juni gestorben sein – einen genauen Todeszeitpunkt konnte der Pathologe nicht mehr feststellen, da die Verwesung bereits eingesetzt hatte. <BR /><BR />Diese Erkenntnis deckte sich mit den Aussagen einiger Anrainer. Diese hätten den roten Fiat Punto Göllers, der an der Verbindungsstraße zwischen Barbian und Villanders stand, bereits am Dienstag bemerkt. Vermutlich ist Göller damit bis dorthin gefahren und dann ein Stück über den Erschließungsweg der Joan-Wiesen in Richtung Waldrand gegangen. Dort dürfte er die Waffe – einen Revolver osteuropäischen Fabrikats – auf sich gerichtet und abgedrückt haben. <BR /><BR />Abschiedsbrief hat der verurteilte Mörder keinen hinterlassen. <BR /><BR />