Die andauernde Hitze plagt derzeit Südeuropa. Aber auch im Zentrum Europas – in Deutschland – sorgen die ho<?TrVer> hen Temperaturen derzeit für angeregte Diskussionen; unter anderem über die Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Die Forderung von Amtsärzten, in Deutschland eine „Siesta“ nach südeuropäischem Vorbild einzuführen, stieß in den vergangenen Tagen auf Zustimmung, aber auch auf Skepsis.<BR /><BR />Die Reaktionen in Südtirol auf den Vorschlag, die Mittagspause deutlich zu verlängern – vielleicht sogar durch gesetzliche Bestimmungen – sind eher verhalten, wenngleich allen bewusst ist, wie wichtig der Schutz der Arbeitnehmer vor Hitze ist.<BR /><BR />So betont allen voran die Vizedirektorin im Dienst für Arbeitsmedizin, Edi Casagrande, warum es wichtig sei, beim Arbeiten unter hohen Temperaturen auf die Gesundheit zu achten: „Der Organismus kann sich an extreme Hitze nur bis zu einem bestimmten Punkt anpassen. Der Körper gerät in Stress und man kann nicht mehr vernünftig arbeiten.“ Die Leistungsfähigkeit sinke, das Unfallrisiko steige. Das gelte im Übrigen nicht nur für Personen, die im Freien arbeiten, sondern auch für all jene, die an ihrem Arbeitsplatz erhöhten Temperaturen ausgesetzt sind (von der Fabrik bis zum schlecht gekühlten Büro oder Geschäft). „Um zu vermeiden, dass der Körper wegen der Hitze aus dem Gleichgewicht kommt – das kann bis zum Hitzeschlag führen –, gilt es u.a. viel zu trinken und eben längere Pausen einzulegen.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923212_image" /></div> <BR />Diese Pausen sollten laut Casagrande in einer kühleren Umgebung verbracht werden, „also an einem Ort, an dem es mindestens um 5-6 Grad Celsius kühler ist, um wieder Kraft zu tanken.“ Einen früheren Arbeitsbeginn und eine längere Mittagspause im Sinne einer „Siesta“ hält sie aus gesundheitlicher Sicht also durchaus für eine adäquate Strategie. Nichtsdestotrotz verweist Casagrande darauf, dass es bereits Pflicht der Arbeitgeber sei, Arbeitnehmer vor übermäßiger Hitze zu schützen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923215_image" /></div> <BR /><BR />Das betont auch der ASGB-Vorsitzende Tony Tschenett, der den Schutz der Arbeitnehmer für essenziell hält, aber auch unterstreicht, dass es dafür präzise gesetzliche Vorgaben gebe, die eingehalten werden müssten. Mit Blick auf den Klimawandel und die damit einhergehenden höheren Temperaturen geht Tschenett dennoch davon aus, dass es weitere Anpassungen der Arbeitszeitmodelle brauche. „Man muss also daran denken, diese Aspekte in Kollektivverträgen oder Betriebsabkommen noch mehr zu berücksichtigen.“ Aber: Er attestiert der Südtiroler Arbeitswelt bereits ein hohes Maß an Flexibilität. „So gibt es schon viele Betriebe, die beispielsweise eine Sommerarbeitszeit anbieten. Es wird bis zu Mittag gearbeitet, am Nachmittag sind die Büros dann geschlossen“, erklärt Tschenett. Mit Blick auf den Handel stimmt der ASGB-Chef zu, dass es in Südtirol sogar bereits eine Art „Halb-Siesta“ gebe, weil die Geschäfte über Mittag länger geschlossen bleiben können. Im Vergleich zu Deutschland sei man hierzulande in puncto Flexibilisierung der Arbeitszeit generell bedeutend weiter.<BR /><BR />Das stellt die Arbeitswelt jedoch auch vor Herausforderungen. „Geteilte Turnusse können für Arbeitnehmer durchaus unvorteilhaft sein“, so Tschenett. Und bei flexiblen Arbeitszeitmodellen würden zum Teil mehr Angestellte gebraucht, was aus Sicht der Arbeitgeber zum Problem werden könne – gerade in Zeiten, in denen alle verzweifelt nach Ar<?TrVer> beitskräften suchen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923218_image" /></div> <BR /><BR />Ein Punkt, den hds-Präsident Philipp Moser nur unterstreichen kann: „Wir suchen händeringend nach Arbeitskräften – nicht nur im Handel und Dienstleistungsbereich. Deshalb schauen wir na<?TrVer> türlich, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Mitarbeiter bei uns bleiben.“<BR /><BR />Klarerweise geschehe das auch im Hinblick auf den Arbeitsschutz und den Schutz vor Hitze. Flexible Arbeitszeitmodelle gebe es bereits (Gleitzeit, Smart-Working usw.). Ein weitere gesetzliche oder kollektivvertragliche Ausdehnung von Pausen – im Sinne einer „Siesta“ – hält Moser deshalb nicht für notwendig.<BR /><BR />Der hds-Präsident betont ebenso wie ASGB-Chef Tschenett, dass eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit mitunter negative Auswirkungen auf die Arbeitnehmer haben könnte – etwa, wenn die Geschäfte, so wie in Süditalien, über Mittag sehr viel länger geschlossen seien und dann bis in die späten Abendstunden offen hätten. Für Familien mit Kindern sei das eine große Her<?TrVer> ausforderung, was die Kinderbetreuung angehe.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923221_image" /></div> <BR /><BR />Einen recht pragmatischen Ansatz <?Uni SchriftWeite="97ru"> hat Arbeitspsychologe Tobias Hölbling vom AFI:<?_Uni> „Sowohl die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit nimmt bei hohen Temperaturen ab. Es wird für Mitarbeiter anstrengender, die gleichen Leistungen zu erbringen. Die Qualität der Arbeit leidet. Das ist natürlich auch mit Nachteilen für den Betrieb verbunden.“ Deshalb sei es bei Problemen mit der Hitze nur logisch, gemeinsam flexibel nach Lösungen zu suchen, was längere oder häufigere Pausen angeht – dort, wo es eben möglich sei. „Und da sollten beide Seiten einverstanden sein.“ Diesbezüglich herrsche aber in Südtirol ein guter Umgang zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.