Freitag, 13. Juli 2018

Sind die Südtiroler fit in Sachen Zivilschutz?

Die genaue Kenntnis, wie Notfälle verhindert und bewältigt werden können, können schlimmere Auswirkungen verhindern. Ein unverzichtbares Instrument der Risikoprävention ist dabei der Gemeindezivilschutzplan (GZSP), der die Bürger, die ihn kennen, in die Lage versetzt, den Notsituationen bewusst zu begegnen und die Risiken für sich selbst und für andere zu reduzieren. Das Landesstatistikamt ASTAT hat die Zahlen vorgestellt.

Wie verhalten sich die Südtiroler in Gefahrensitutionen?
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Wie verhalten sich die Südtiroler in Gefahrensitutionen?

Ungefähr 4 von 10 volljährigen Südtirolern wissen, dass die Gemeinde, in der sie leben, über einen GZSP verfügen. Der Anteil der Menschen, die über dieses Thema informiert sind, wächst mit zunehmendem Alter (fast 26 Prozent bei den 18- bis 39-Jährigen, 40 Prozent bei den 40- bis 59-Jährigen und 50,8 Prozent bei den über 60-Jährigen) und ist bei Mitgliedern oder freiwilligen Helfern einer Zivilschutzorganisation höher als bei jenen, die nicht beteiligt sind: nämlich 80,6 Prozent gegenüber 36,5 Prozent.

Auf die Frage nach der zuverlässigsten Informationsquelle im Falle einer Naturkatastrophe sind die traditionellen Massenmedien, wie Zeitungen, Radio und Fernsehen, sowie die lokale Zivilschutzbehörde die häufigsten Antworten – 36,9 Prozent und 35,1 Prozent.

Mit deutlich niedrigeren Prozentsätzen folgen die anderen Quellen wie die Nationale Zivilschutzbehörde (6,3 Prozent), das Internet (5,7 Prozent), die Gemeinde (gute 5 Prozent), die freiwilligen Zivilschutzorganisationen (4,5 Prozent) und die sozialen Medien (fast 3 Prozent). 3,5 Prozent der Bevölkerung erklären, dass sie nicht wissen, wo sie im Falle einer Naturkatastrophe zuverlässige Informationen finden können.

Kennen die Südtiroler die Rufnummern für den Notfall?

Obwohl fast alle Südtiroler, nämlich gute 98 Prozent, angeben, dass sie wissen, welche Telefonnummer in einer Notsituation zu wählen ist um Hilfe zu holen, würde jeder Fünfte (19 Prozent) nicht die 112 wählen, die seit 17. Oktober 2017 als einzige Notrufnummer fungiert.

Sie ersetzt alle bis dahin geltenden Nummern, nämlich die 118 (medizinische Versorgung), die 115 (Feuerwehr), die 112 (Carabinieri) und die 113 (Polizei). Demgegenüber wissen wahrscheinlich 69,3 Prozent der Bevölkerung, dass in einer Notsituation ausschließlich die Nummer 112 zu wählen ist.

Diese Information zur 112 ist bei der deutschen Sprachgruppe (75,6 Prozent) und folglich bei den außerhalb der Landeshauptstadt lebenden Südtirolern (73,3 Prozent) stärker verbreitet als bei der italienischsprachigen (fast 56 Prozent) beziehungsweise in Bozen lebenden Bevölkerung (fast 54 Prozent).

Sirenensignale: Werden sie erkannt?

Laut ASTAT wissen 78,4 Prozent der Südtiroler, dass es einen wöchentlichen Probealarm gibt, nämlich jeden Samstag um 12 Uhr ein Dauerton von 15 Sekunden. Dreimal ein 15-Sekunden-Ton ist das Feuerwehralarmsignal: Gute 73,2 Prozent kennen es.

Ein geringerer Anteil kennt das Signal des Zivilschutzalarms, nämlich 54,5 Prozent, es entspricht einem auf- und abschwellenden Heulton von einer Minute. 31,4 Prozent kennen den Frostalarm, einem Dauerton von 15 Sekunden. Einer von 20 Südtirolern, fast 5 Prozent, kennt kein Alarmsignal. Von denen, die behaupten, ein oder mehrere Alarmsignale zu kennen, erklären 81,8 Prozent, dass sie diese mit einer bestimmten Sicherheit wiedererkennen können.

Signalkenntnis: Unterschiede bei den Sprachgruppen 

Die Kenntnis der Alarmsignale ist bei der deutschsprachigen Bevölkerung stärker verbreitet als bei der italienischsprachigen, insbesondere im Hinblick auf den Feuerwehr- (86,4 Prozent gegenüber guten 45 Prozent) und dem Zivilschutzalarm mit guten 63 Prozent gegenüber 36 Prozent).

Auch nach Wohngebiet sind erhebliche Unterschiede festzustellen, die nur zum Teil durch die Variable Sprache zu erklären sind. In der Gemeinde Bozen ansässig zu sein, verringert die Wahrscheinlichkeit, den Probealarm vom Samstag, den Feueralarm der FF (nicht in der Hauptstadt verwendet) und der Alarmierung des Zivilschutzes zu kennen. Die Sirene, die Bauern vor der Gefahr des Frühlingsnachtsfrostes warnt, ist in den Regionen Überetsch-Unterland, Burggrafenamt und Vinschgau, wo sie mehr genutzt wird, stärker bekannt.

Das Verhalten in Notsituationen

87,7 Prozent der über 18-Jährigen geben an, dass sie wissen, wie man sich in Notsituationen verhalten soll. Woher diese Informationen stammen? In erster Linie von den Massenmedien, nämlich 49,4 Prozent, gefolgt von der Arbeit (29,4 Prozent), von Informationsbroschüren (22,4 Prozent), Verwandten und Freunden (guten 20 Prozent), vom Internet (17 Prozent) und von der Schule (17 Prozent).

Vertrauen in die Gemeinde – weniger aber in Wiederaufbau nach Unglück

Die Mehrheit der Südtiroler stimmt den Aussagen zu, die Gemeindeverwaltung unterstütze die Rettungsdienste, nämlich 89,7 Prozent und habe schnelle Reaktionszeiten, geben fast 78 Prozent an.

Außerdem bringe die Verwaltung die erforderlichen technischen Normen zur Anwendung, mit 75,4 Prozent und kenne die gebietsspezifischen Risiken gut (gute 72 Prozent) und sei gut auf den Umgang mit der Katastrophe vorbereitet (66,6 Prozent).

stol

stol