Mittwoch, 24. Juni 2020

Sinkende Viruslast in Italien

Die Anzahl der Fälle der am Covid-19-erkrankten Patienten mit Symptomen ist in Italien laut Experten stark rückgängig. Die meisten Covid-19-Träger seien entweder ganz symptomfrei oder würden nur geringe Symptome aufweisen, betonten zehn namhafte italienische Virologen in einem aktuellen Dokument, in dem sie über die epidemische Lage in Italien berichten.

Aus den Abstrichen, die in den letzten Wochen in Italien durchgeführt wurden, gehe klar hervor, dass die Virulenz des Covid-19 minimal sei.
Aus den Abstrichen, die in den letzten Wochen in Italien durchgeführt wurden, gehe klar hervor, dass die Virulenz des Covid-19 minimal sei. - Foto: © APA (Symbolbild/AFP) / IAKOVOS HATZISTAVROU
„Es werden Studien erstellt, die den Gründen dieser Entwicklung nachgehen“, hieß es im Dokument weiter. Nur die wenigsten Covid-19-Träger müssten derzeit im Spital behandelt werden. Die Zahl der Covid-19-Patienten in Italiens Krankenhäusern und auf den Intensivstationen sei seit Wochen rückgängig. „Die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft prüft zurzeit die reale Fähigkeit symptomfreier Covid-19-Träger, weitere Personen anzustecken“, hieß es.

Das Dokument wurde von einigen der angesehensten Virologen unterzeichnet. Zu ihnen zählt der Leiter der Abteilung für Intensivtherapien der San Raffaele-Klinik in Mailand, Alberto Zangrillo. Kürzlich hatte er mit der Behauptung für Aufsehen gesorgt, dass vom klinischen Standpunkt aus betrachtet Covid-19 in Italien nicht mehr existiere. Aus den Abstrichen, die in den letzten Wochen durchgeführt wurden, gehe klar hervor, dass die Virulenz des Covid-19 minimal sei.
Diese Ansicht teilt ebenfalls der Direktor des renommierten Mailänder Instituts für pharmakologische Forschungen „Mario Negri“, Giuseppe Remuzzi. Auch wenn es weiterhin Neuinfizierte in Italien gebe, sei die Ansteckungsgefahr durch diese wesentlich niedriger als am Höhepunkt der Epidemie im März. Die neuen positiven Covid-Träger seien nicht ansteckend, betonte er.

Das Ende des Lockdowns in Italien hat nicht zu einer Steigerung der Epidemiekurve beigetragen, wie einige Virologen befürchtet hatten. „Ich glaube nicht, dass es im Herbst zu einer zweiten Epidemiewelle wie jener im März kommen wird. Wir müssen jedoch bereit sein, uns mit einigen Infektionsherden zu konfrontieren“, sagte Matteo Bassetti, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten der Poliklinik San Martino in Genua, der ebenfalls das Dokument unterzeichnet hat.

Mit Erleichterung beobachten die Italiener die sinkende Zahl der auf Coronavirus zurückzuführenden Todesfälle. 18 Menschen sind von Montag auf Dienstag an einer Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben – am Vortag waren es 23. In der Region Lombardei, dem Zentrum des Corona-Ausbruchs in Italien, wurden innerhalb von 24 Stunden sechs Tote gemeldet. Die Zahl der Covid-19-Kranken in den lombardischen Spitälern sank auf 910. 51 Patienten wurden in einer Intensivstation behandelt.

apa/stol