Dienstag, 02. März 2021

Sinkende Zahlen, viel impfen: „Wir sind alle müde, aber die Maßnahmen wirken“

Im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung fand auch am heutigen Dienstag eine Pressekonferenz statt. Im Fokus stand diesmal der silberne Streifen am Horizont: sinkende Infektionszahlen trotz höherer Testrate, eine hohe Durchimpfungsrate und die Hoffnung auf den Sommer.

Thomas Widmann schloss die Pressekonferenz am Dienstag mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf die kommenden Monate. - Foto: © stol
Für die Teilnahme an der Pressekonferenz verließ Landeshauptmann Arno Kompatscher kurzzeitig die Sitzung der Regionenpräsidenten mit Gesundheitsminister Roberto Speranza, der Ministerin für Regionale Angelegenheiten Mariastella Gelmini sowie dem Leiters des nationalen Gesundheitsinstituts ISS Silvio Brusaferro.

Man habe in der Sitzung der Landesregierung das Hilfspaket für Privatpersonen, Familien und Betriebe besprochen, das etwas mehr als 500 Millionen Euro umfasst. Hier seien kleine Korrekturen vorgenommen worden, das Paket soll jedoch am Freitag vorgestellt und so bald als möglich ausgeschüttet werden.

Anschließend äußerte Kompatscher seine Zufriedenheit darüber, dass die Infektionszahlen in Südtirol trotz der hohen Testrate weiter im Sinken begriffen sei: „Das zeigt, dass viele mitmachen, sowohl Einzelpersonen als auch Betriebe und Gemeinden.“

Corona-Varianten in Italien und Südtirol

Auch berichtete der Landeshauptmann von dem Treffen mit den Regionenpräsidenten, bei dem es vorwiegend um die derzeit in Italien präsenten Mutationen geht.

So sei vor allem die britische Variante in Italien mittlerweile sehr dominant, sie wird demnächst wohl die Überhand nehmen. Die britische Variante sei ansteckender als die normalerweise in Italien übliche, allerdings sei der Verlauf derselbe. „Die britische Variante beschleunigt das Infektionsgeschehen, weshalb in einigen Regionen Italiens die Zahlen wieder in die Höhe gehen“, so Kompatscher.

Die brasilianische Variante habe vor allem Mittelitalien im Griff. Diese sei noch ansteckender als die britische, zudem wissen man nicht, ob hier der Schutz einer Voransteckung – also wenn man bereits mit dem Coronavirus infiziert war – greift.

Die südafrikanische Variante sei in Italien noch nicht stark verbreitet – mit wenigen Ausnahmen, darunter Südtirol. „Hier hat Dr. Brusaferro die getroffenen Maßnahmen gelobt. Durch unsere Nähe zu Nordtirol habe man sich ein Übergreifen erwartet, aber dank der Maßnahmen konnten die Infektionen eingeschränkt werden. Hoffen wir, dass es so bleibt“, schloss Kompatscher, bevor er sich wieder zur Konferenz begab.

Pilotprojekt „Nasenbohrer-Test“ startet am Donnerstag

Landesrat Thomas Widmann berichtete im Anschluss vom Pilotprojekt der „Nasenbohrer-Tests“, das am Donnerstag und Freitag an 18 Schulen – 14 deutschen und 4 ladinischen – in Südtirol startet.

Testen sei ein wichtiger Teil der Strategie zur Bekämpfung des Virus. Südtirol habe mit 30 Tests pro Tag angefangen, mittlerweile seien wir bei über 21.000 Tests pro Tag angekommen. Dabei sei erkenntlich geworden, dass sich vor allem an Schulen immer wieder Infektionsherde bilden – weshalb nun ein neuer Antigen-Schnelltest erprobt wird.

„Es handelt sich um ein Pilotprojekt auf freiwilliger Basis, bei dem die Grundschüler den Abstrich selbst nicht invasiv im vorderen Bereich der Nase machen. Dabei werden Lehrpersonen sowie Mitarbeiter des Weißen und Roten Kreuzes anwesend sein. Sobald wir erste Erfahrungen gesammelt haben, werden wir das Projekt gegebenenfalls nachjustieren und weiterverfolgen“, so Widmann. 18.000 Tests wurden angekauft, die gratis zur Verfügung gestellt werden.

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Südtirol: 65.000 Dosen verimpft

Auch das Impfen sei ein wesentlicher Teil der Pandemie-Bekämpfung in Europa, so Widmann. In Südtirol wurden bereits mehr als 65.000 Impfdosen verabreicht, davon mehr als 41.000 als Erstimpfung und mehr als 23.000 als Zweitimpfung. „Mittlerweile liegen wir in Sachen Impfung sowohl italien- als auch europaweit vorn“, so Widmann. Die Impfbereitschaft sei höher als erwartet.

Insgesamt seien 11,03 Prozent der Südtiroler Bevölkerung oder anders ausgedrückt 58.770 Bürgerinnen und Bürger bei einer Gesamtbevölkerungszahl von ungefähr 530.000 bereits geimpft.


Für März werden erneut 65.000 Impfdosen von BioNtech-Pfizer (23.4000), AstraZeneca (29.400) und Moderna (7700) erwartet.

Und auch zu den Mutationen äußerste sich der Gesundheitslandesrat: „Wir testen viel, um die Infektionsketten zu unterbrechen, und isolieren Mutations-Vorkommnisse mit harten Maßnahmen. Wir wissen nicht, ob die Impfstoffe auch gegen die Mutationen greifen, weshalb es umso wichtiger ist, hier streng zu sein und die Ausbreitung zu unterbinden.“

„Durch die Tests beim Verlassen der Gemeinde wurden 4 neue, asymptomatische Fälle der südafrikanischen Mutante herausgefiltert. Hätten wir hier nicht getestet, wären diese Personen normal zur Arbeit gefahren und die Variante hätte sich verbreitet“, so Widmann.

Impfen, impfen, impfen


Das Motto müsse jetzt lauten: Impfen, impfen impfen. „Wenn bald alle über 80- und 70-Jährigen geimpft sind, wird der Druck auf die Krankenhäuser schon zurückgehen“, so Widmann. Mit dem Frühling und der Wärme würden sich die Menschen dann auch vermehrt im Freien aufhalten, was helfe, den Verlauf der Pandemie in eine positive Richtung zu lenken.

Deshalb erneut der Appell an die Bevölkerung: „Wir sind alle müde. Aber je weniger neue Ansteckungen passieren, desto schneller können wir zu einem normalen Leben zurückkehren.“

liz