Freitag, 15. Januar 2021

Skandal: Wertvolle Impfdosen landen im Müll

Der Sturm der Entrüstung reicht bis nach Rom. In einer kleinen sanitären Einrichtung im Bezirk Bozen sind 4 bereits zur Verabreichung vorbereitete Dosen des kostbaren Corona-Impfstoffes entsorgt worden.

Impfstoff wegzuwerfen sei ein Skandal, ärgerte sich Immunologe Prof. Bernd Gänsbacher.
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Impfstoff wegzuwerfen sei ein Skandal, ärgerte sich Immunologe Prof. Bernd Gänsbacher. - Foto: © APA/afp / CHRISTOF STACHE
Der Grund dafür: Soziosanitäre Mitarbeiterinnen hatten sich zwar zur Impfung angemeldet, es sich im letzten Moment dann aber doch anders überlegt.

„Ja, es handelt sich um 4 Impfdosen, die nicht verabreicht, sondern entsorgt worden sind“, bestätigt Sanitätsgeneraldirektor Florian Zerzer und präzisiert: „4 Dosen und nicht 4 Ampullen, die je 6 Dosen enthalten.“

Diese 4 Impfdosen seien für die Verabreichung an 4 soziosanitäre Mitarbeiterinnen vorbereitet worden, die sich für die Impfung angemeldet hatten. Diese hätten sich dann aber doch gegen eine Impfung entschieden. Passiert sei das laut Zerzer „in einer kleinen Einrichtung im Bezirk Bozen“.

Dies sei auch der Grund gewesen, warum man auf die Schnelle keinen impfwilligen Ersatz für die 4 gefunden habe. Somit wurde der Impfstoff nicht verabreicht, sondern musste kurzerhand entsorgt werden.

Impfstoff wegzuwerfen sei ein Skandal, ärgerte sich Immunologe Prof. Bernd Gänsbacher gegenüber Rai Südtirol. Bekanntlich muss der Impfstoff von BioNTech-Pfizer bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Einmal aufgetaut, kann er aber bis zu 5 Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden. „Ist der Impfstoff einmal aufgezogen, muss er innerhalb von maximal 6 Stunden verabreicht werden“, erklärt Zerzer.

Muss der Impfplan abgeändert werden?

Der Zwischenfall hat nun auch zu einer Dringlichkeitsanfrage der Kammerabgeordneten von „Fratelli d'Italia“ an Gesundheitsminister Roberto Speranza geführt. Sie wollen wissen, wie man gedenkt, den Impfplan so abzuändern, dass eine solche Vergeudung von Impfdosen vermieden werde.

Es müsse ermöglicht werden, den Impfstoff an andere Berechtigte zu verabreichen, sollten Bürger, die zur Impfung angemeldet sind, nicht erscheinen, schreiben die FdI-Abgeordneten.

d