<b>von Elmar Pichler Rolle</b><BR /><BR />Erfunden wurde der Ski-Weltcup 1967. Im gleichen Jahr erhielt Gröden in Beirut (Libanon) vom internationalen Skiverband FIS den Zuschlag für die Ausrichtung der Ski-Weltmeisterschaft 1970. Somit fand im Februar 1969, also bereits in der zweiten Weltcup-Saison, die allererste Weltcup-Abfahrt auf der famosen Saslong-Piste statt - als Test für die WM. <BR /><BR />Im März 1972 folgte die zweite Abfahrt, während 1973 prompt das eintrat, was Skeptiker befürchtet und prophezeit hatten. Die erstmals im Dezember geplante Weltcup-Abfahrt musste wegen Schneemangels abgesagt werden. 1975 – allerdings im März! – richtete Gröden das legendäre Weltcup-Finale aus – Gustav Thöni holte im letzten Rennen der Sasion den Gesamt-Weltcup-Sieg vor 40.000 Zuschauern. Die März-Abfahrt auf der Saslong gewann Österreichs Skikaiser Franz Klammer. <BR /><BR />Im Dezember 1976 klappte es. Auf der Saslong gab es eine Doppel-Abfahrt und beide Male hieß der Sieger Franz Klammer.<h3>500 Mitarbeiter und Helfer sind in Gröden im Einsatz </h3>Seitdem wurden und werden die Rennen in Gröden stets im Dezember ausgetragen, was seit der Erfindung der Schneekanonen kein besonderes Problem mehr darstellt. „Im Gegenteil, heute beneiden uns viele um die vorweihnachtliche digitale Postkarte, die von Gröden aus in alle Welt versendet wird“, sagt Rainer Senoner, der seit zehn Jahren das Organisationskomitee führt.<BR /><BR />500 Mitarbeiter sind im Schnitt eine Woche lang im Einsatz, um das Ski-Spektakel zu ermöglichen. Sie erhalten dafür eine Spesenrückvergütung. Über den frühen Termin freuen sich vor allem die Touristiker. Rund 2.000 Personen bewegen sich im Umfeld des Ski-Weltcups – von Athleten, Trainern und Funktionären bis hin zu Ausrüstern und Journalisten. Das ergibt immerhin 12.000 Übernachtungen, und jene der Zuschauer sind da noch gar nicht mitgerechnet.<BR /><BR />Heuer werden in Gröden sogar drei Rennen ausgetragen. Am Donnerstag, 18. Dezember, wird auf der Saslong die Abfahrt von Beaver Creek in den USA nachgeholt, am Freitag, 19. Dezember, wird der Super-G gefahren und am Samstag, 20. Dezember, die 58. Saslong-Classic. <BR /><BR />Die Abfahrt ist offiziell ein Klassiker und aus dem Ski-Weltcup nicht mehr wegzudenken. Für Freitag erwarten die Grödner Veranstalter 6.000 Zuschauer, am Samstag dürfte das Rennen mit rund 10.000 Zusehern so gut wie ausverkauft sein. „Mehr haben nicht Platz“, sagt Senoner. Ob das zusätzliche Rennen am Donnerstag auch zusätzliche Einnahmen bringt? „Nein, wir schreiben da eine schwarze Null, mehr nicht“, meint der OK-Chef.<BR /><BR />Rainer Senoner hofft darauf, dass es spannende Rennen gibt, und meint, dass vor allem die Kombination mit Alta Badia ideal sei, wo am Sonntag und Montag ja zwei weitere Weltcup-Rennen folgen.<BR /><BR />Die Gadertaler sind in den Weltcup-Zirkus gut 15 Jahre später eingestiegen als die Grödner. Auch in Corvara waren die Pioniere um Erich Kostner zunächst skeptisch, was den Dezember anbelangt. <BR /><BR />Wie aber haben es die Gadertaler geschafft, einen Weltcup zu bekommen? Denn in der Zwischenzeit gab es weltweit längst mehr Anfragen als Weltcup-Termine und um die Austragung der Rennen lieferten sich die Veranstalter mitunter harte Kämpfe. <h3>Marcello Varallo und sein „Argument“ für Alta Badia</h3>Marcello Varallo, der Vater des heutigen OK-Chefs Andy Varallo, kann dazu eine schöne Geschichte erzählen. Der ehemalige Abfahrer der Squadra Azzurra hatte seine beste sportliche Zeit in der Saison 1972/73. Der heute 78jährige aus La Ila/Stern belegte in der Weltcup-Abfahrtswertung hinter den Schweizern Roland Collombin und Bernhard Russi sensationell den dritten Rang, noch vor den Österreichern David Zwilling und Franz Klammer. Beim Saisonfinale in Heavenly Valley in den USA unterlief den Organisatoren aber ein schwerer Fehler, denn sie holten nicht Varallo zur Siegerehrung aufs Podest, sondern David Zwilling. Als sie den Fehler bemerkten, waren die Fotografen schon weg. Der damalige Boss des Weltcups, der französische Journalist Serge Lang, versprach Varallo: „Ich bin in deiner Schuld, wann immer ich etwas für dich tun könnte, werde ich es tun“. Gute zehn Jahre später war es so weit. Alta Badia bewarb sich um ein Weltcup-Rennen und OK-Chef Marcello Varallo ging schnurstracks zu Serge Lang und sagte: „Da bin ich und jetzt musst du etwas für mich tun, ich will nämlich ein Weltcup-Rennen für Alta Badia.“ Der Rest ist Geschichte.<BR /><BR />Man sagt, dass auch Moritz Craffonara nicht ganz unschuldig sei, dass die Rennen in Alta Badia nicht mehr aus dem Weltcup-Kalender wegzudenken sind. Der Gastwirt und Tausendsassa organisierte in seinem legendären „Club Moritzino“ am Piz La Ila am Vorabend des ersten Weltcup-Rennens ein Fest, wie es selbst um die Welt reisende Funktionäre und Journalisten noch nicht erlebt hatten. Viele weitere Partys sollten folgen. <h3>Die Gran Risa wird auf Anhieb zum Klassiker </h3>Doch auch sportlich und medial war die Premiere in Alta Badia fulminant, denn am 15. Dezember 1985 feierte der schwedische Ausnahmekönner Ingemar Stenmark auf der Gran Risa seinen 80. Weltcup-Sieg. Ein Jahr später gab es den berühmten Dreifach-Erfolg des italienischen Skiteams mit Richard Parmotton, Alberto Tomba und Oswald Tötsch, und 1987 feierte Alberto Tomba auf der Gran Risa den ersten von insgesamt vier Siegen. Zu diesen Zeiten säumten 30.000 und mehr Zuschauer die Strecke.<BR /><BR />Heute führt Andy Varallo die rund 700 Mitarbeiter des Organisationskomitees. Wer zwei Tage mithilft, bekommt eine Jacke, ab dem dritten Tag gibt es eine Spesenvergütung. <BR /><BR />Varallo erwartet für Sonntag zirka 15.000 Zuschauer, am Montag sollten es rund 10.000 werden. Gelohnt habe sich für die Veranstalter in Corvara auf Qualität zu setzen. „Wir bieten heute viele bequeme Plätze im Stadion im Zielgelände und dazu auch über 1.000 Plätze in Loungen. Das sind begehrte Tickets und bringen gute Einnahmen,“ sagt Andy Varallo. Gleich wie Gröden profitiert der Tourismus von diesem großen Event wenige Tage vor Weihnachten.