Kann ich unbeschwert feiern? Oder ist jemand im Raum, der das Ganze möglicherweise filmt? Oder landet mein Schwimmbadbesuch von mir unbemerkt im Netz? Nicht immer lässt sich auf den ersten Blick feststellen, ob ein Mensch nur eine auffällige Brille trägt oder ob da umfangreiche Technik drinsteckt. Denn die kann leider auch missbraucht werden, wie immer mehr Fälle von Ärger mit Smart Glasses aus dem Alltag zeigen.<BR /><BR /> Die Pariser Staatsanwaltschaft beispielsweise ermittelt gegen Menschen, die mit Datenbrillen solch heimliche Aufnahmen tätigen und sie ins Netz stellen.<h3> Eine App als Selbstverteidigung</h3>Bis es klare Umgangsregelungen mit diesen Geräten gibt, gibt es zumindest erste Möglichkeiten der Selbstverteidigung – in Form einer App. „Nearby Glasses“ heißt das kleine Programm für Smartphones (Android/iOS). <BR /><BR />Entwickelt hat es ein Nutzer der Plattform Github namens Yves Jeanrenaud. Einmal installiert und gestartet, sucht „Nearby Glasses“ nach den charakteristischen Bluetooth-Signalen solcher Brillen. Werden darin gewisse Herstellerkennungen gefunden, gibt es einen Hinweis auf mögliche Smart Glasses in der Nähe.<BR /><BR />Von Perfektion ist die App allerdings noch entfernt, wie Jeanrenaud in den Entwicklerkommentaren schreibt. Denn es kann zu Fehlalarmen kommen, sogenannten False Positives. Etwa mit einigen Virtual-Reality-Brillen. Außerdem werden nicht alle Hersteller erfasst. Man kann die App also als Hinweisgeber nutzen, eine Garantie für Privatsphäre ist sie nicht.<BR /><BR />Und noch ein Problem löst die App nicht: Was macht man denn mit der Information? Ist die Anwesenheit von Smart Glasses automatisch ein Problem? Sind Trägerin oder Träger mit unlauteren Absichten unterwegs oder ganz harmlos? In seiner App warnt Jeanrenaud deswegen auch ganz entschieden vor vorschnellen Reaktionen. <BR /><BR />„Bitte belästige niemanden!“ lautet ein deutlich sichtbarer Hinweis. Die rechtlichen Folgen eines Vorgehens gegen vermutete Träger von Smart Glasses könnten – je nach Land, in dem man sich aufhält – gravierender sein, als solch ein verdecktes Überwachungsgerät zu benutzen.<h3> LED soll auf Aktivität der Kamera hinweisen</h3>Der Technologiekonzern Meta, einer der führenden Hersteller der Technologie für Smart Glasses, verweist im Zusammenhang mit den Diskussionen darauf, dass die in Europa entwickelten Brillen von Grund auf mit Datenschutzvorkehrungen ausgestattet seien, die über das hinausgingen, was jedes Smartphone biete. <BR /><BR />Meta verwies darauf, dass die Aufnahme-LED hellweiß blinke, wenn man ein Foto oder Video aufnehme. Sollte jemand die LED abdecken oder beschädigen, werde die Kamera deaktiviert. Dies ist aber laut dem für den Bereich bei Meta zuständigen Top-Manager Alex Himel bisher bei weniger als 0,1 Prozent der Geräte der Fall. <BR /><BR />Zudem scanne Meta Plattformen wie Instagram und Facebook, um Videos mit Belästigungen zu finden – „und dann löschen wir nicht nur die Inhalte, sondern blockieren auch die Accounts“. Schließlich versuche Meta, bekannter zu machen, dass das Licht auf eine laufende Kamera hinweise. „Wir wollen, dass die Leute das wissen.“ (dpa)