Dienstag, 29. Oktober 2019

SMS aus Todes-Lkw: „Mama, ich sterbe“

Vor wenigen Tagen wurden 39 Leichen in einem Lkw in England entdeckt. Unter den Toten werden bis zu 20 Vietnamesen befürchtet. Mehrere Eltern aus Vietnam sind überzeugt, dass sich ihre Kinder unter den Opfern befinden.

Die 26-jährige Vietnamesin Pham Thi Tra My  ist vermutlich eines der Opfer.
Die 26-jährige Vietnamesin Pham Thi Tra My ist vermutlich eines der Opfer. - Foto: © Screenshot/Video/CNN

Der Vietnamese Pham Manh Cuong etwa berichtet, dass seine Schwester unter den Toten sein könnte. Nach seinen Angaben war die 26-Jährige Anfang Oktober aus Vietnam nach Großbritannien aufgebrochen und hatte für die „Reise“ in ein vermeintlich besseres Leben etwa 35.000 Euro an die Schmuggler bezahlt.

Die Nachricht der jungen Frau kam um 4.28 Uhr morgens bei ihrer Familie in Vietnam an - da war es in Großbritannien 22.28 Uhr am vergangenen Dienstag, berichtet die britische Zeitung The Mirror. Das war nur vier Stunden, bevor die Toten in dem Container entdeckt worden waren.

„Es tut mir leid, Mama. Meine Reise ins Ausland ist nicht gelungen. Mama, ich liebe dich so sehr! Ich sterbe, weil ich keine Luft mehr bekomme“, schrieb Pham Thi Tra My. Seitdem war die 26-Jährige nicht mehr am Handy aktiv.



Nguyen Dinh Gia, ein weiterer Vietnamese, berichtete, dass sich sein 20-jähriger Sohn seit 2018 illegal in Frankreich aufgehalten habe und um rund 12.600 Euro nach Großbritannien weiterreisen wollte, um dort in einem Nagelstudio zu arbeiten. Vor einigen Tagen habe der Vater dann einen Anruf von einem Vietnamesen erhalten, der ihn um „Verständnis“ bat und sagte, dass etwas „Unerwartetes passiert“ sei.

Nguyen bat die vietnamesischen Behörden um Hilfe bei der Identifizierung seines Sohns. Von Kontaktpersonen in Großbritannien erfuhr er, dass der 20-Jährige Paris am Nachmittag des 21. Oktobers verlassen habe – zwei Tage vor dem Fund der Leichen nahe London.



Die beiden mutmaßlichen Opfer könnten bei der Reise von Vietnam über China nach Großbritannien gefälschte chinesische Pässe bei sich getragen haben. Sie stammen aus der verarmten Provinz Ha Tinh im Zentrum Vietnams, aus der viele illegale Migranten kommen. Viele zahlten für ihre Reise mit gefälschten Dokumenten zehntausende Euro – in der Hoffnung, vor allem in Großbritannien in Nagelstudios oder auf Cannabisfarmen arbeiten zu können.

Doch die Hoffnung auf ein besseres Leben bezahlten sie mit dem Tod. In dem Container dürften minus 25 Grad geherrscht haben, die Menschen sollen langsam erfroren sein.

STOL hat über die Tragödie berichtet.

apa/vs

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