Heimliches Rauchen im Pausenhof ist Geschichte. Der Nikotinkick von heute ist klein, riecht nach Minze oder Wassermelone und steckt unauffällig hinter der Oberlippe. Tradition hat Snus unter Wintersportlern in Skandinavien, inzwischen ist es aber europaweit verbreitet – auch in Südtirol. Umgangssprachlich werden die weißen Nikotinbeutel pauschal als „Snus“ bezeichnet, obwohl der Verkauf von tabakhaltigen Säckchen in der EU mit Ausnahme Schwedens verboten ist.<BR /><BR />„Freilich werden Nikotinbeutel auch in Südtirol immer häufiger konsumiert“, sagt Peter Kohler, Direktor des Forum Prävention. Verlässliche Zahlen zum Konsum gebe es kaum, da Erhebungen meist nur das klassische Rauchen erfassen. Paradox dabei: Während die Zahl der Raucher sinkt, nimmt zugleich und vielleicht gerade auch deshalb der Tabakkonsum in neuen Formen zu.<h3> Kein „schmuddeliges“ Image</h3>Doch worin liegt die Faszination für Jugendliche in den kleinen weißen Beuteln? „Snus wird intensiv mit einem psychoaktiven Wirkstoff, der gleichzeitig Entspannung und Konzentration verspricht, beworben. Zudem sind die Produkte in zahlreichen Geschmacksrichtungen erhältlich und unterliegen trotz Verkaufsverbot an Minderjährige oft nur unzureichenden Kontrollen“, gibt Kohler zu bedenken. <BR /><BR />Da weder Rauch noch Dampf entsteht, können sie auch an Orten mit Rauchverbot verwendet werden, wie etwa in Schulen oder den Öffis. Weil zudem der typische Rauchgeruch fehlt, bleibt der Konsum für Eltern und Lehrpersonen häufig unbemerkt. Das „schmuddelige“ Image klassischer Tabakprodukte, etwa gelbe Zähne oder die Angst vor Lungenschäden, fällt zudem weg. „Snus gelten als sauberes Produkt. Vielen ist aber nicht bewusst, wie schnell sie abhängig machen“, warnt er.<h3> Risiko für Tumore</h3>Dass der „Kick“ hinter der Lippe harmlos wirken mag, gesundheitlich aber keineswegs unbedenklich ist, betont auch Dr. Bettina Meraner, geschäftsführende Direktorin des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen: „Am Zahnfleisch, an den Zähnen oder an der Mundschleimhaut kann es zu Schäden und im schlimmsten Fall auch zu Tumoren kommen.“ <BR /><BR />Auch das über den Speichel gelöste Nikotin könne problematisch werden: Gelangt es in Magen und Speiseröhre, kann seine ätzende Wirkung dort ebenfalls Tumore hervorrufen. Nikotin sei ein Zellgift, das den Sauerstofftransport im Körper beeinträchtigt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen kann. „Von Abhängigkeitserscheinungen ganz zu schweigen, da das Nikotin über die Mundschleimhaut direkt ins Blut und damit auch ins Gehirn gelangt“, so die Expertin.<BR /><BR />Von einer gesünderen Alternative zur Zigarette könne deshalb keine Rede sein. Auch wenn Nikotin kurzfristig aktivierend wirkt, sollten selbst Leistungssportler von den kleinen Säckchen die Finger lassen. „Der Leistungsschub hält nur einen Moment, die gesundheitlichen Folgen oft ein Leben lang“, gibt Dr. Meraner zu bedenken.