<b>Außenstehende haben mittlerweile im SASA-internen Zwist in Sachen Betriebsabkommen den Überblick verloren. Wo liegt das Problem?</b><BR />Hans Joachim Dalsass: Das fragen sich die vier Gewerkschaften – UIL Transport, FIT SGB/CISL, ASGB-GTV und FAISA-CISAL –, die das Abkommen am 27. November unterzeichnet haben, auch. Es gab aus meiner Sicht keinen Grund, nicht zu unterschreiben. Es würde jeden Mitarbeiter – wenn auch nur in geringem Ausmaß – besserstellen, ohne Gegenleistungen einzufordern. <BR /><BR /><b>Was sieht es vor?</b><BR />Dalsass: Neben Aufbesserungen bestimmter Pauschalen sieht es als wesentlichen Punkt die Verdoppelung der jährlichen Welfare-Leistungen für alle Mitarbeiter von bislang 250 auf 500 Euro.<BR /><BR /><b>Für die Gewerkschaften, die nicht unterzeichnet haben, sind das nur „Krümel“...</b><BR />Dalsass: Es wäre immer zu wenig und nie zu viel. In den Verhandlungen mit SASA wurden uns klar die Grenzen des Entgegenkommens des Betriebes aufgezeigt. Wir hatten die Wahl, weiter auf unrealistischen Forderungen zu bestehen oder zunächst einmal das Angebot, das keinerlei Nachteile mit sich bringt, anzunehmen. Weiter verhandeln lässt sich schließlich immer – auch mit Abkommen. <BR /><BR /><b>Das sieht ein Teil der Belegschaft aber wohl anders, schließlich gibt es ja ein Referendum mit einer Mehrheit gegen das Abkommen...</b><BR />Dalsass: Nochmal. Wir haben im Abkommen das derzeit Machbare erreicht. Es macht doch keinen Sinn, auf Forderungen zu bestehen, die außerhalb jeglicher möglichen Realisierung stehen. Zudem wurden die Belegschaft und Öffentlichkeit von den Initiatoren im Vorfeld nicht über alles korrekt informiert, beispielsweise in Sachen südtirolmobil-Fix365-Pass.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Dalsass: Es wurde der Eindruck vermittelt, als hätte die Belegschaft bislang öffentliche Verkehrsmittel stets gratis nutzen können und jetzt verlange der Betrieb das Geld, das er mit der einen Hand gibt, über das Abo mit der anderen wieder zurück. Das stimmt nicht: Betriebsfahrten waren und sind nicht zu zahlen, für Fahrten in der Freizeit braucht aber auch ein SASA-Mitarbeiter einen gültigen Fahrschein. Zudem kann jeder die Welfare-Leistungen frei wählen.<BR /><BR /><b>Dennoch bleibt der Vorwurf im Raum, die vier Gewerkschaften hätten zu rasch unterschrieben. Auch weil das Abkommen Probleme wie die sog. Disposition gar nicht aufgreift...</b><BR />Dalsass: Die Parteien haben sich im Abkommen aber ja genau dazu verpflichtet, nämlich sowohl die Bereitschaft/Disposition als auch jene der „Rufbereitschaft“ im Laufe des heurigen Jahres zu regeln. Natürlich ist es für keinen Busfahrer fein, wenn in seinem Turnusplan Tage vorgesehen sind, an denen er als „Springer“ nicht weiß, ob und wo er eingesetzt wird. Dafür eine Entschädigung zu verlangen, ist ok – und darüber wird zu verhandeln sein. Allerdings muss man, um miteinander zu verhandeln, miteinander reden. Besagte Gewerkschaften haben sich aber für die Konfrontation entschieden – mit Referendum, Streiks und nun dem Gang vor Gericht.<BR /><BR /><b>Wie bewerten Sie die letzten beiden Maßnahmen?</b><BR />Dalsass: Die andauernden und unverhältnismäßigen Streiks fallen in der Wahrnehmung der Bürger auf alle Gewerkschaften zurück und schwächen unseren Rückhalt in der Gesellschaft. Zu welchem Ergebnis der Arbeitsrichter kommt, muss abgewartet werden. Aber es besteht die Gefahr, dass wir am Ende ohne Abkommen und damit ohne jegliche Aufbesserung dastehen. Aktuell hat das Unternehmen die Anwendung des Abkommens ausgesetzt.