Dienstag, 26. Mai 2020

So funktioniert die Corona-App am Handy

In Italien arbeitet die Regierung an der Einführung der Corona-App „Immuni“. Wie diese Handy-App funktioniert, erklärt der Dekan der Fakultät für Informatik der Uni Bozen, Francesco Ricci im Tagblatt „Dolomiten“.

Die Handy-App „Immuni“ im Spagat zwischen Schutz der Privatsphäre und Schutz der Gesundheit.
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Die Handy-App „Immuni“ im Spagat zwischen Schutz der Privatsphäre und Schutz der Gesundheit. - Foto: © ANSA / ETTORE FERRARI
„Auf jeden Fall trägt der Bürger die Verantwortung: Informiere ich die App über mein positives Testergebnis?“, erklärt Ricci. Das sei wesentlich, damit ein Handy-Programm zur Kontaktrückverfolgung wirksam gegen die Entstehung von Infektionsherden genutzt werden könnte.

Es handelt sich bei der bereits vor Wochen angekündigten Handy-App „Immuni“ um ein Konzept, das zeitgleich von vielen anderen Ländern der Welt in der jeweils eigenen Version mitgetragen wird: Man installiert sie auf dem Smartphone, und über Bluetooth wird ein temporärer Identifikationscode an alle Handys in der Nähe geschickt. „Ich bin jetzt zum Beispiel eine Stunde lang 007, in einer Stunde dann 009“, veranschaulicht Ricci den Vorgang.

Wird man positiv auf das Coronavirus getestet, nachdem diese App installiert und aktiviert wurde, so sollte man – als Akt der Eigenverantwortung – dieselbe darüber informieren. Dafür empfiehlt der Sicherheits-Ausschuss der italienischen Republik Copasir in einem Bericht, den er am 14. Mai der Regierung vorgelegt hat, einen zusätzlichen, anonymen Zugangscode zu nutzen, um das „Warnsystem“ zu aktivieren. Dieser sollte vom jeweiligen Sanitätsbetrieb der Person gegeben werden, die positiv getestet wird: Die positiv getestete Person gibt ihn dann in der App ein.

Kontaktpersonen erhalten Codes

Daraufhin erhalten all jene Kontaktpersonen, die z.B. innerhalb der vergangenen 2 Wochen einen oder mehrere automatisch generierte Codes vom nun nachweislich Infizierten empfangen hatten – und sich folglich lange genug in seiner Nähe aufgehalten haben – eine Benachrichtigung. Auch ist es wiederum ein Akt der Verantwortung, dies den zuständigen Behörden zu melden und sich daraufhin in Quarantäne zu begeben bzw. testen zu lassen.

Dank der für das jeweilige Gerät zufällig und einzigartig generierten Zeichenabfolgen werden bei diesem Vorgang keine Daten oder weitere personenbezogenen Informationen über den Nutzer preisgegeben. Die Abfolge von Zeichen ist also für uns und selbst die Betreiber der App – die Regierung – reines Kauderwelsch.

Der Quellcode besagter App, welcher ihre Beschaffenheit und Funktionen bestimmt, wird öffentlich zugänglich und abrufbar sein („Open Source“). „Damit weiß man, dass die App nur das tut, wozu sie bestimmt wurde“ und nicht etwa auch andere Informationen vom Handy und Nutzer sammelt bzw. weiterleitet, erklärt Ricci.

Widmann hält App für notwendig

„Eine solche Rückverfolgungs-App auf freiwilliger Basis wird ganz wesentlich sein“, zeigt sich Gesundheitslandesrat Thomas Widmann überzeugt – überdies habe er von vielen Seiten gehört, dass „Immuni“ international zu den besten Apps ihrer Sorte gehöre. „Es bleibt eine Frage der Gewissenhaftigkeit der Bürger, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen“, ergänzt Ricci.

Besteht nun diese Notwendigkeit? Etwa, um Südtirol angesichts der möglichen baldigen Grenzöffnung „tourismusreif“ zu machen? „Absolut“, meint Widmann, außerdem hätte man „bereits gesagt, dass man die App 2-sprachig macht – dann wäre das schon eine tolle Sache.“ Eine App also, die sich sprachlich auch in Südtirol als nutzerfreundlich erweisen könnte – wobei dank Kauderwelsch die Rückverfolgbarkeit auf jegliche Information zur Identität der Nutzer ausgeschlossen werden kann.

stol

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