Im Interview gibt er Tipps und verrät auch, ab welcher Temperatur Kälte gefährlich werden kann. <h3> Wie schützt man sich am besten vor Kälte?</h3>Prof. Dr. Christian Wiedermann: Der wichtigste Schutz ist passende Kleidung. Mehrere dünne Schichten halten besser warm als eine dicke. Die Kleidung sollte trocken und winddicht sein. Kopf, Hände und Füße müssen gut geschützt werden, da dort viel Wärme verloren geht. Regelmäßige Bewegung hilft, Wärme zu erzeugen, sollte aber nicht zur Erschöpfung führen. Ausreichend Essen und Trinken unterstützt den Wärmehaushalt. Alkohol ist kein Schutz vor Kälte, sondern erhöht das Risiko. Wichtig ist, auf Warnzeichen zu achten und frühzeitig zu reagieren.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72917492_quote" /><BR /><BR /><b>Was macht Kälte mit unserem Körper?</b><BR />Prof. Dr. Wiedermann: Wenn wir Kälte ausgesetzt sind, reagiert der Körper sofort, um Wärme zu sparen. Die Blutgefäße in der Haut ziehen sich zusammen, dadurch wird weniger Wärme nach außen abgegeben. Hände, Füße, Nase und Ohren kühlen deshalb besonders schnell aus. Gleichzeitig steigt der Blutdruck, weil das Herz gegen einen höheren Widerstand pumpen muss. Muskeln werden steifer, Bewegungen fallen schwerer, und das Verletzungsrisiko nimmt zu. Bei längerer Kälteeinwirkung verlangsamen sich Stoffwechsel und Gehirnfunktionen. Der Körper versucht, durch Zittern zusätzliche Wärme zu erzeugen. Reicht das nicht aus, sinkt die Körpertemperatur weiter, was lebensgefährlich werden kann.<BR /><BR /><b>Ab welcher Temperatur kann Kälte gefährlich werden?</b><BR />Prof. Dr. Wiedermann: Eine feste Außentemperatur, ab der Kälte gefährlich wird, gibt es nicht. Entscheidend sind mehrere Faktoren: Temperatur, Wind, Feuchtigkeit, Kleidung und Dauer der Kälteeinwirkung. Schon Temperaturen knapp über null Grad können problematisch sein, vor allem bei Wind oder nasser Kleidung. Medizinisch spricht man von Unterkühlung, wenn die Körperkerntemperatur unter 35 Grad Celsius fällt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72917496_quote" /><BR /><BR /><b>Was sind erste Warnzeichen für eine Unterkühlung?</b><BR />Prof. Dr. Wiedermann: Zu den ersten Anzeichen gehören starkes Zittern, kalte, blasse oder bläulich verfärbte Haut und ein Taubheitsgefühl an Fingern, Zehen oder im Gesicht. Betroffene fühlen sich ungewöhnlich müde, werden langsamer im Denken und reagieren verzögert. Konzentrationsstörungen, Gleichgewichtsprobleme und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Kälte sind typische Warnzeichen. Wenn das Zittern nachlässt, ist das kein gutes Zeichen, sondern ein Hinweis auf fortgeschrittene Unterkühlung. Spätestens dann besteht akuter Handlungsbedarf.<BR /><BR /><b>Für wen ist Kälte besonders belastend?</b><BR />Prof. Dr. Wiedermann: Ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit Herz-, Lungen- oder Gefäßerkrankungen sowie mit Untergewicht, chronischen Erkrankungen oder eingeschränkter Mobilität sind besonders gefährdet.