Dienstag, 03. Juli 2018

So heiratet Südtirol

Wie das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) am Dienstag mitteilte, gingen im Jahr 2017 in Südtirol 2.165 Paare den Bund der Ehe ein, was 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr sind. Die Eheschließungsrate beträgt 4,1 Hochzeiten je 1.000 Einwohner und liegt deutlich über dem gesamtstaatlichen Mittelwert von 3,4 Prozent und wird nur von den süditalienischen Regionen Kampanien, Kalabrien und Sizilien übertroffen.

Immer mehr Menschen in Südtirol entscheiden sich dazu erst nach dem 30. Lebensjahr zu heiraten.
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Immer mehr Menschen in Südtirol entscheiden sich dazu erst nach dem 30. Lebensjahr zu heiraten. - Foto: © shutterstock

In Südtirol leben 40 Prozent der volljährigen Personen in einer Ehe. In der Altersgruppe zwischen 18 und 39 Jahren sind Frauen mit 27,1 Prozent häufiger verheiratet als Männer mit 19,3 Prozent. In der Altersgruppe von 40 bis 64 Jahren leben 62,8 Prozent der Männer und 64,6 Prozent der Frauen mit ihrem jeweiligen Ehepartner zusammen. Hier gibt es kaum einen Unterschied.

Große Unterschiede im höheren Alter

Anders ist das bei Personen im höheren Alter. Ab dem 65. Lebensjahr leben 75,9 Prozent der Männer in einer Ehe, auf Frauen trifft dies nur mehr auf 46,5 Prozent zu. Hauptgrund dafür ist die höhere Lebenserwartung der Frauen mit einem entsprechend größerem Verwitwungsrisiko.

Foto: ASTAT

September und Mai sind die Favoriten

Klarer Favorit für das Ja-Wort ist im Bezugsjahr der Monat September mit 356 Hochzeiten. Ebenfalls sehr beliebt ist der Mai mit 314 Hochzeiten sowie der Monat Juni (307) und Juli (281).

Ähnliches Bildungsniveau 

Bei nahezu 60 Prozent der Eheleute haben beide Partner den gleichen Bildungsgrad. Falls das Bildungsniveau unterschiedlich ist, so verfügt in 26,0 Prozent der Fälle die Ehefrau über einen höheren Studientitel, in 14,3 Prozent der Fälle der Ehemann.

Standesamt in Südtirol bevorzugt

Im Jahr 2017 haben sich hierzulande 32,4 Prozent aller Paare kirchlich und 67,6 Prozent standesamtlich trauen lassen. Während in Nord- und Mittelitalien die standesamtlichen Hochzeiten mehr als die Hälfte aller Eheschließungen ausmachen, bevorzugen heiratswillige Paare in den süditalienischen Regionen traditionsgemäß den kirchlichen Ritus.

Der Rückgang der kirchlichen Trauungen lässt sich durch die fortschreitende Säkularisierung, aber auch durch die Zunahme der Zweitehen und interkonfessionellen Hochzeiten erklären.

Es wird immer später geheiratet

Das durchschnittliche Alter des Bräutigams bei der Erstheirat liegt im Jahr 2017 bei 38,0 und jenes der Braut bei 35,2 Jahren. Zwanzig Jahre zuvor waren beide Brautleute mindestens sechs Jahre jünger.

Foto: ASTAT

Heutzutage wird die Ehe nicht als Voraussetzung für eine Familiengründung angesehen. Der Trend zur immer späteren Hochzeit dürfte zudem auf die gestiegene Ausbildungszeit zurückzuführen sein, aber auch, dass immer mehr Paare zuerst unverheiratet zusammenleben.

Nichteheliche Lebensgemeinschaft und eingetragene Lebenspartnerschaft

Mit Gesetz vom 20. Mai 2016, Nr. 76 (sog. „Legge Cirinnà“), in Kraft seit dem 5. Juni 2016, werden nun erstmals auch in Italien die eingetragene Lebenspartnerschaft (zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts) sowie die nichteheliche Lebensgemeinschaft (sowohl zwischen gleichgeschlechtlichen als auch verschiedengeschlechtlichen Partnern) geregelt. Vor Einführung dieses Gesetzes gehörte Italien noch zu den wenigen europäischen Staaten, die solche Paarbeziehungen nicht offiziell anerkannten.

Nichteheliche Lebensgemeinschaft

Eine nichteheliche Lebensgemeinschaftkann zwischen volljährigen, unverheirateten Personen eingegangen werden. Voraussetzung ist der gemeinsame Wohnsitz, der mit der meldeamtlichen Erklärung begründet wird. Die Lebenspartner haben einige eheähnliche Rechte und Pflichten.

Vermögensrechtliche Regelungen wie Güterstand, Unterhalt, Erbrecht usw. können in einer Lebensgemeinschaft jedoch nur durch einen von einem Rechtsanwalt oder Notar beglaubigten Lebensgemeinschaftsvertrag geregelt werden. Der schriftlich abgefasste Vertrag muss innerhalb von zehn Tagen der Wohnsitzgemeinde des Paares zwecks Eintragung im Meldeamt übermittelt werden.

Eingetragene Lebenspartnerschaft

Die eingetragene Lebenspartnerschaft zwischen Personen desselben Geschlechts ist in vielerlei Hinsicht einer Ehe gleichgestellt. Die eingetragene Lebenspartnerschaft wird mittels Erklärung vor dem Standesbeamten und in Anwesenheit von zwei Zeugen begründet.

Foto: shutterstock

Die Vermögenssituation ist, wie bei der Ehe, bereits gesetzlich geregelt. Die Lebenspartnerschaft endet mit dem Tod eines Partners oder kann einseitig oder einvernehmlich aufgelöst werden. Nach Ablauf von drei Monaten ab dem Datum der Willensbekundung der Auflösung vor dem Standesbeamten kann der entsprechende Antrag auf Auflösung eingereicht werden.

51 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften

2017 wurden in Südtirol insgesamt 185 nichteheliche Lebensgemeinschaften meldeamtlich erfasst und 51 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften standesamtlich eingetragen (35 männliche und 16 weibliche Paare).

stol

stol