Montag, 03. Juni 2019

So heiratet Südtirol (oder eben auch nicht)

Im Jahr 2018 gaben sich 2.347 Paare das Jawort, 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der standesamtlichen Eheschließungen bleibt mit 68,2 Prozent weiterhin hoch. 2018 wurden außerdem 18 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften standesamtlich eingetragen. Ende 2018 schienen in Südtirols Melderegistern insgesamt 392 nichteheliche Lebensgemeinschaften auf. Weitere interessante Fakten lesen Sie hier.

In Südtirol leben fast 50 Prozent der volljährigen Personen in einer Ehe.
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In Südtirol leben fast 50 Prozent der volljährigen Personen in einer Ehe. - Foto: © shutterstock

Eheschließungen

Im Jahr 2018 gehen in Südtirol 2.347 Paare den Bund der Ehe ein, 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setzt sich der leichte Aufwärtstrend, der vor ein paar Jahreneinsetzte, weiter fort. Die Eheschließungsrate beträgt 4,4 Hochzeiten je 1.000 Einwohner und liegt somit im Mittel der vergangenen zwei Jahrzehnte. Ein italienweiter Vergleich der Raten von 2017 (letzte verfügbare gesamtstaatliche Daten) zeigt, dass Südtirol mit 4,1 an 1. Stelle liegt - deutlich über dem nationalen Durchschnitt von 3,2.Seit dem Jahr 2002 ist die gesamtstaatliche Eheschließungsrate von 4,7 Prozent auf 3,2 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Obwohl Südtiroler Paare wieder vermehrt heiraten, liegt die Rate noch deutlich hinter den Nachbarländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. 

Hälfte der volljährigen Südtiroler ist verheiratet

In Südtirol leben fast 50 Prozent der volljährigen Personen in einer Ehe. Je nach Alter ergeben sich auch Abweichungen zwischen Männern und Frauen. In der Altersgruppe zwischen 18 und 39 Jahren sind Frauen häufiger verheiratet als Männer: 26,9 Prozent gegenüber 17,4 Prozent. In der Altersgruppe von 40 bis 64 Jahren leben 62 Prozent der Männer und 63,8 Prozent der Frauen mit ihrem jeweiligen Ehepartner zusammen. Hier gibt es kaum einen Unterschied. Anders ist das bei Personen im höheren Alter. Ab dem 65. Lebensjahr leben 75,6 Prozent der Männer in einer Ehe, auf Frauen trifft dies nur mehr auf 46,8 Prozent zu. Hauptgrund dafür ist die höhere Lebenserwartung der Frauen mit einem entsprechend größeren Verwitwungsrisiko. Immer mehr Kinder werden außerehelich geboren. In 47 Prozent der im Jahr 2018 geborenen Kindern hatten die Eltern keinen Trauschein. Vor 30 Jahren war das nur bei 15,7 Prozent der Fall. 

Am häufigsten wird im Juni geheiratet

Klarer Favorit für das Ja-Wort ist im Bezugsjahr der Monat Juni mit 423 Hochzeiten. Ebenfalls sehr beliebt ist der September mit 376 Hochzeiten sowie der Monat Mai (309) und August (286). Der Großteil der Paare entscheidet sich für die Gütertrennung: 2018 sind es 54,4% der Frischvermählten, während noch bis zum Jahr 1998 die Gütergemeinschaft die gängige Praxis war. Im italienweiten Vergleich weisen Südtirol (34,7 Prozent), Umbrien (34,6 Prozent), die Lombardei und Venetien (jeweils 33,9 Prozent) nach Sardinien (35,8 Prozent) den höchsten Anteil an Eheschließungen mit gemeinsamen Güterstand auf (2017).

Standesamt

Das Heiratsverhalten in Südtirol weicht auch hinsichtlich des Trauungsritus vom restlichen Italien ab: 2018 lassen sich hierzulande 31,8 Prozent aller Paare kirchlich und 68,2 Prozent standesamtlich trauen. Im Schnitt werden in ganz Italien 49,5 Prozent der Ehen vor dem Standesbeamten geschlossen. Während in Nord- und Mittelitalien die standesamtlichen Hochzeiten mehr als die Hälfte aller Eheschließungen ausmachen, bevorzugen heiratswillige Paare in den süditalienischen Regionen traditionsgemäß den kirchlichen Ritus (2017: letzte verfügbare, gesamtstaatliche Daten)

In den Städten Bozen und Meran wollen nur noch 13,5 Prozent und 13,9 Prozent der Brautleute den kirchlichen Segen. Der Löwenanteil der Paare lässt sich standesamtlich trauen. Der Rückgang der kirchlichen Trauungen lässt sich durch die fortschreitende Säkularisierung, aber auch durch die Zunahme der Zweitehen und interkonfessionellen Hochzeiten erklären.

Zweitehen auf dem Vormarsch

Obwohl die Zahl der Hochzeiten zwischen Personen, die zum ersten Mal heiraten in den letzten fünfzehn Jahren von 1.582 im Jahr 2004 auf 1.825 im Jahr 2018 angestiegen ist, ist ihr prozentueller Anteil von 85,3 Prozent auf 77,8 Prozent gesunken. Demgegenüber haben die Wiedervermählungen erheblich zugenommen: Während vor 15 Jahren lediglich 14,7 Prozent aller Trauungen Paare betrafen, bei denen mindestens ein Partner bereits vorher verheiratet gewesen war, so ist ihr Anteil im Bezugsjahr auf 22,2 Prozent angestiegen. Es sind überwiegend Geschiedene, die ein weiteres Mal heiraten: Bei 32,2 Prozent der Zweitehen ist der Mann geschieden und die Frau ledig und in 30,7 Prozent der Fälle ist es umgekehrt, während bei 30,5 Prozent der Wiederverheirateten beide Partner schon eine Scheidung hinter sich haben.

Witwen heiraten selten wieder

Die Quote der Verwitweten, die sich noch einmal trauten, ist am niedrigsten und liegt bei 6,7 Prozent. Männer tendieren bis ins hohe Alter, nach dem Tod der Partnerin oder einer Scheidung wieder zu heiraten, während Frauen eine Zweitehe vorwiegend zwischen 40 und 59 Jahren eingehen.

Tendenz zur späten Ehe: Mann mit 37, Frau mit 34

Die Ehe wird schon lange nicht mehr zwangsläufig als Voraussetzung für eine Familiengründung angesehen. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, weshalb viele Paare den entscheidenden Schritt hinauszögern. Der Trend zur immer späteren Hochzeit dürfte zudem auf die gestiegene Ausbildungszeit zurückzuführen sein, aber auch, dass immer mehr Paare zuerst unverheiratet zusammenleben. Das durchschnittliche Alter des Bräutigams bei der Erstheirat liegt im Jahr 2018 bei 37,2 und jenes der Braut bei 34,3 Jahren. Zwanzig Jahre zuvor waren beide Brautleute etwa fünf Jahre jünger. Der mittlere Altersunterschied zwischen Braut und Bräutigam von rund drei Jahren bleibt hingegen konstant. Auf gesamtstaatlicher Ebene gehen Braut und Bräutigam das Wagnis der Ehe im Schnitt etwas früher ein, und zwar mit 32,2 bzw. 35,2 Jahren (2017).

Hochzeiten zwischen In- und Ausländern bei 14,3 Prozent

Im Bezugsjahr wurden 336 Ehen eingegangen, bei denen entweder der Bräutigam oder die Braut einer ausländischen Nationalität angehört. Das entspricht einem Anteil von 14,3 Prozent an den gesamten Eheschließungen. Dabei haben deutlich mehr Männer wie Frauen einen ausländischen Partner geehelicht (209 gegenüber 127). Größtenteils handelt es sich bei den Eingeheirateten um Bürger aus Europa, vor allem aus dem deutschen Kulturraum. Die Frauen stammen vermehrt auch aus osteuropäischen Staaten. Südtirol ist zudem bei Brautpaaren mit ausländischem Wohnsitz sehr beliebt: Bei 15,4 Prozent (362) der im Jahr 2018 in Südtirol geschlossenen Trauungen hatten die Brautleute ihren Wohnsitz vor und nach der Hochzeit im Ausland, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft. Allein 255 Paare aus Deutschland haben Südtirol als Kulisse ihrer Traumhochzeit auserkoren. Klarer Favorit als Heiratsort sind die Gemeinden des Burggrafenamtes mit 112 Trauungen. Es folgen die Bezirksgemeinschaften Salten-Schlern (71), Pustertal (53) und Überetsch-Südtiroler Unterland (42).

Nichteheliche Partnerschaften

Mit Gesetz vom 20. Mai 2016, Nr. 76 (sog. „Legge Cirinnà“), in Kraft seit 5. Juni 2016, werden nun erstmals auch in Italien die eingetragene Lebenspartnerschaft (zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts) sowie die nichteheliche Lebensgemeinschaft (sowohl zwischen gleichgeschlechtlichen als auch verschiedengeschlechtlichen Partnern) geregelt. Vor Einführung dieses Gesetzes gehörte Italien noch zu den wenigen europäischen Staaten, die solche Paarbeziehungen nicht offiziell anerkannten.

Eine nichteheliche Lebensgemeinschaft kann zwischen volljährigen, unverheirateten Personen, die nicht durch Verwandtschaft, Verschwägerung, Adoption, Ehe oder eingetragener Lebenspartnerschaft verbunden sind, eingegangen werden. Voraussetzung ist der gemeinsame Wohnsitz, der mit der meldeamtlichen Erklärung begründet wird. Die Lebenspartner haben einige eheähnliche Rechte und Pflichten. Vermögensrechtliche Regelungen wie Güterstand, Unterhalt, Erbrecht usw. können in einer Lebensgemeinschaft jedoch nur durch einen von einem Rechtsanwalt oder Notar beglaubigten Lebensgemeinschaftsvertrag geregelt werden. Der schriftlich abgefasste Vertrag muss innerhalb von zehn Tagen der Wohnsitzgemeinde des Paares zwecks Eintragung im Meldeamt übermittelt werden.

Eingetragene Lebensgemeinschaft

Die eingetragene Lebenspartnerschaft zwischen Personen desselben Geschlechts ist in vielerlei Hinsicht einer Ehe gleichgestellt. Die eingetragene Lebenspartnerschaft wird mittels Erklärung vor dem Standesbeamten und in Anwesenheit von zwei Zeugen begründet. Die Vermögenssituation ist, wie bei der Ehe, bereits gesetzlich geregelt. Die Lebenspartnerschaft endet mit dem Tod eines Partners oder kann einseitig oder einvernehmlich aufgelöst werden. Nach Ablauf von drei Monaten ab dem Datum der Willensbekundung der Auflösung vor dem Standesbeamten kann der entsprechende Antrag auf Auflösung eingereicht werden. Im Jahr 2018 wurden 18 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften standesamtlich eingetragen (11 männliche und 7 weibliche Paare).

Ende 2018 schienen in Südtirols Melderegistern insgesamt 392 nichteheliche Lebensgemeinschaften auf, sechs Mal so viel als noch vor zwei Jahren.

stol

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