Freitag, 08. Dezember 2017

So korrupt ist Südtirol

Anlässlich des Internationalen Tages gegen die Korruption am morgigen 9. Dezember hat das Landesinstitut für Statistik ASTAT einige Daten veröffentlicht, die im Rahmen der 2016 durchgeführten Umfrage zum Thema Sicherheit gesammelt wurden.

5 Südtiroler von 100 kennen unter ihren Freunden, Verwandten, Kollegen jemanden, der in mindestens einem Bereich einem Korruptionsversuch ausgesetzt war.
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5 Südtiroler von 100 kennen unter ihren Freunden, Verwandten, Kollegen jemanden, der in mindestens einem Bereich einem Korruptionsversuch ausgesetzt war. - Foto: © shutterstock

Es wird geschätzt, dass 3,1 Prozent der Südtiroler Familien (7,9 Prozent auf nationaler Ebene) mindestens einmal im Leben mit Forderungen nach Geld, Gefälligkeiten oder Sonstigem konfrontiert waren bzw. Geld oder Geschenke als Gegenleistung für Gefälligkeiten oder Dienstleistungen gegeben haben. Berechnet auf die letzten drei Jahre beläuft sich der Wert auf 0,7 Prozent der Haushalte. 

Der Gesamtindikator sowie die Indikatoren des Gesundheitssektors (0,9 Prozent) und des Bereichs Arbeit (0,8 Prozent) machen Südtirol zu einer der Regionen Italiens mit der geringsten Verbreitung des Phänomens, mit Ausnahme des Bereichs öffentliche Ämter (1,4 Prozent).

5 Prozent kennen jemanden, der Korruptionsversuch ausgesetzt war

Ein besonders interessanter Fall - obwohl er formell nicht als Korruption definiert werden kann - betrifft die Aufforderung eines Arztes, eine erste Visite gegen Bezahlung in seiner Privatpraxis durchzuführen, und die anschließende Weiterführung der Behandlung über den öffentlichen Dienst. Berücksichtigt man auch die Forderungen nach zusätzlichem Geld, Geschenken oder Gefälligkeiten von Seiten eines Arztes, eines Krankenpflegers oder eines anderen Bediensteten des Gesundheitsdienstes zwecks Gewährung bzw. Beschleunigung der Dienstleistung oder Unterstützung, steigt der Anteil der Südtiroler Haushalte, die in Korruptionsvorfälle im Gesundheitswesen involviert waren, auf 4,4 Prozent. Auf nationaler Ebene ist der entsprechende Anteil höher (11 Prozent der Haushalte).

5 Südtiroler von 100 kennen unter ihren Freunden, Verwandten, Kollegen jemanden, der in mindestens einem Bereich einem Korruptionsversuch ausgesetzt war, und zwar 2,9 Prozent im Gesundheitswesen, 2,1 Prozent in der öffentlichen Verwaltung und 1,2 Prozent in den Bereichen Sozialwesen, Bildung und Arbeit.

Auch hier liegt der Gesamtindikator weit unter dem gesamtstaatlichen Durchschnittswert (13,1 Prozent) und dem Indikator jener Regionen Italiens, die von diesem Phänomen besonders betroffen sind, wie zum Beispiel Apulien (32,3 Prozent) und Latium (21,5 Prozent). 

Südtirol unter dem nationalen Korruptionsniveau

Die Werte für Südtirol sind in allen untersuchten Sektoren niedriger als der nationale Wert. Der größte Unterschied ist im Bereich Arbeit zu verzeichnen (5,9 Prozentpunkte), während in den Bereichen Bildung und öffentliche Ämter der Wert unseres Landes näher am gesamtstaatlichen Wert liegt. Der Unterschied liegt hier bei ungefähr einem Prozentpunkt

2,9 Prozent der Südtiroler, die derzeit arbeiten bzw. in Vergangenheit gearbeitet haben, haben in ihrem Arbeitsumfeld „Tauschgeschäfte“ erlebt, die sie für illegal oder unangemessen erachtet haben.

Die Schätzung des Prozentsatzes der Begünstigten - ausgedrückt durch den Proxy-Indikator für die Personen des Bekanntenkreises, die mindestens einmal persönlich empfohlen wurden - erreicht in der Provinz Bozen den Wert von 14,7 Prozent. Dieser Anteil liegt weit unter dem nationalen Durchschnitt (25,4 Prozent) und ist der niedrigste aller Regionen Italiens. 

Es sei allerdings angemerkt, dass die Antwort auf die gestellte Frage sowohl von subjektiven Faktoren im Zusammenhang mit dem Befragten selbst als auch vom Grad der gesellschaftlichen Öffnung und Akzeptanz gegenüber diesem Phänomen abhängen kann. 

Südtiroler bitten seltener um „Gefallen“

Die Gründe, warum in Südtirol wie auch im restlichen Italien auf eine persönliche Empfehlung zurückgegriffen wird, betreffen die Arbeit, den Erhalt einer Lizenz, Genehmigung oder Konzession, die Inanspruchnahme einer Begünstigung im Sozialbereich, die Zulassung zu einer Schule bzw. die Versetzung in die nächste Klasse sowie die Aufhebung von Geldstrafen oder Sanktionen. Sehr niedrig und mit einem sehr hohen Stichprobenfehler (über 35 Prozent) behaftet sind die Angaben zu den Empfehlungen im Justizbereich. 

Sowohl im Bezug auf den Gesamtindikator als auch hinsichtlich der Empfehlungen im Bereich Arbeit liegen die Werte Südtirols weit unter dem nationalen Durchschnitt. In beiden Fällen beläuft sich der Unterschied auf etwa 10 Prozentpunkte. Für die Aufhebung von Geldstrafen oder Sanktionen scheinen die Südtiroler wesentlich weniger auf die persönliche Empfehlung zurückzugreifen als die Bürger der anderen Regionen Italiens. In den anderen untersuchten Bereichen hingegen entsprechen die Werte Südtirols in etwa jenen des gesamten Staatsgebiets. 

Man nimmt an, dass Ersuchen um persönliche Empfehlungen in Südtirol etwas weniger oft vorkommen als im nationalen Durchschnitt (8,3 Prozent) und deutlich seltener als in jenen Regionen, in denen es sich - gemäß den im Rahmen der Erhebung gewonnenen Daten - um eine weiter verbreitete Praxis handelt, wie z.B. Emilia Romagna (13,7 Prozent), Latium (13 Prozent), Umbrien (11,3 Prozent) und Venetien (10 Prozent).

stol

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