Mittwoch, 18. November 2020

So testet Südtirol: Die Massentests am Wochenende

Die Südtiroler sind an diesem Wochenende zum Corona-Schnelltest aufgerufen. Wie die Massentestung in den Gemeinden funktioniert, wann man das Ergebnis erhält und welche Folgen das hat: ein Überblick.

Habe ich mich mit dem Coronavirus angesteckt? Kann ich andere anstecken? Antigen-Schnelltests liefern bereits nach wenigen Minuten eine Antwort auf diese Fragen.
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Habe ich mich mit dem Coronavirus angesteckt? Kann ich andere anstecken? Antigen-Schnelltests liefern bereits nach wenigen Minuten eine Antwort auf diese Fragen. - Foto: © shutterstock
Landeshauptmann Arno Kompatscher, Gesundheitslandesrat Thomas Widmann, Bevölkerungsschutzlandesrat Arnold Schuler, der Projektleiter von „Südtirol testet“, Patrick Franzoni, und der Präsident des Südtiroler Gemeindenverbandes, Andreas Schatzer, haben am heutigen Mittwoch bei einer Pressekonferenz erklärt, was die Südtiroler über die anstehenden Schnelltests wissen müssen.

Riesige logistische Herausforderung

Von Freitag, 20. November, bis Sonntag, 22. November, sollen bei der groß angelegten Aktion Infizierte identifiziert werden, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen.

Die Gemeinden haben Teststrukturen zur Verfügung gestellt, sie stellen die Verwaltungsmitarbeiter und sie übernehmen die Information der Bürger. Jede Gemeinde organisiert den Ablauf nach den örtlichen Erfordernissen: In 30 Gemeinden, etwa in Brixen, gibt es ein digitales Anmeldetool. Mit diesem können sich die Bürger einen Termin für den Test vormerken. „Andere Gemeinden teilen nach Straßen ein und schreiben bestimmte Uhrzeiten vor, damit es nicht zu Ansammlungen kommt“, sagte Gemeindenverbandspräsident Andreas Schatzer.

Wenn möglich, solle sich jeder so nahe als möglich am eigenen Wohnsitz testen lassen. „Aber es ist auch möglich, das zum Beispiel in Bozen zu tun, wenn man dort arbeitet, aber in Meran wohnt“, sagte Projektleiter Patrick Fanzoni. Wichtig sei, dass man sich überhaupt testen lasse. Nur so könne die Aktion erfolgreich sein.

„Der Test ist für alle Bürger kostenlos“, erklärte Franzoni. Jeder Südtiroler ab 5 Jahren ist dazu eingeladen.



So wird getestet

In jeder Gemeinde gibt es mindestens eine Teststelle, in größeren Gemeinden mehrere. „In Bozen sind es 22“, sagte Franzoni. „Im ganzen Land haben wir 600 Testlinien aufgebaut.“ Über 900 Leute des Sanitätsbetriebes werden in 184 Teststellen die Abstriche machen.

Den Zufluss zu den Teststationen regeln die Gemeinden. Es herrscht Maskenpflicht. Mitzubringen sind der Personalausweis und, wenn möglich, die Sanitätskarte.

Jeder Teilnehmer bekommt Etiketten mit den eigenen Daten, die er vorher auf einem Formular eintragen muss. Anzugeben sind auch E-Mail-Adresse und Handynummer. Ein Pfleger macht anschließend den Abstrich. Danach kann der Bürger nach Hause.

Krankschreibung kommt mit dem positiven Testergebnis

Die Teilnehmer sollen das Testgelände so schnell als möglich verlassen. Nicht mehr als 3 Minuten soll das Ganze dauern. Bei diesem Verfahren liegt das Testergebnis in weniger als einer halben Stunde vor.

„Wenn man zu Hause ist, bekommt man das Resultat per Mail; außerdem einen Zahlencode per SMS, den man angeben muss, um auf das Ergebnis zuzugreifen“, erklärte Franzoni. „Ist man positiv, bekommt man gleichzeitig den Bescheid, sich in Isolation begeben zu müssen, sowie die Krankschreibung.“

10 Tage Isolation sind für Positive ohne Symptome vorgesehen. „Am elften Tag kann man sich wieder frei bewegen und arbeiten gehen, ohne weiteren Test, wenn man keine Symptome hat“, sagte Franzoni.




„Es ist nun an der Bevölkerung, einen Akt der Verantwortung zu setzen für die Gesundheit aller“, sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher bei der Pressekonferenz. „Ich wünsche mir, dass wir zusammenhalten und alle zu einem Erfolg der Aktion beitragen.“

„Das flächendeckende Screening ist vielleicht die einzige Chance das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bringen“, warnte Gesundheitslandesrat Thomas Widmann. „Wir sind von der Effektivität des Screenings überzeugt.“ Das sehe man auch am Beispiel der Slowakei, wo nach dem Massentest die Infektionszahlen fast halbiert worden seien. Auch Nachtestungen werden folgen, erklärte der Landesrat. „Wir wollen durch die flächendeckende Testung einen Dauerlockdown vermeiden.“



Nach Hochrechnung der Eurac könnte der Lockdown auf wenige Wochen beschränkt sein, wenn die Beteiligung an den Massentests sehr hoch sei, sagte Widmann. Wichtig: „Das Screening ist kein Freibrief.“ Auch danach müssten die Hygieneregeln rigoros eingehalten werden.
Der für den Zivilschutz zuständige Landesrat Arnold Schuler sagte, eine solch aufwendige Aktion sei „in unserem Land noch nie dagewesen“.

kn