Der Winter war bislang trocken wie selten zuvor, mit dem Schneefall wollte es einfach nicht klappen. Im Dezember fiel gut zehn Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Zwei kräftige Schneefronten, vergangenen Sonntag und Mittwoch, haben dieser Trockenperiode nun vorerst ein Ende gesetzt. <BR /><BR />„In höheren Lagen ist etwa ein halber Meter Neuschnee gefallen“, weiß Landesmeteorologe Dieter Peterlin. Die dickste Schneedecke wird derzeit bei der Wetterstation auf der Timmelsalm (2.231 Meter) gemessen: Vor Sonntag lagen hier bloß 40 Zentimeter Schnee, nun sind es knapp 80.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1268319_image" /></div> <BR /><BR />Zwar fiel weniger Schnee als am Sonntag, doch die Front am Mittwoch setzte noch einmal ordentlich einen drauf. So liegen auf der Merbalm ober Prettau jetzt 75 Zentimeter Schnee, in Obereggen sind es 69. Eine 19 Zentimeter dickere Schneeschicht als noch vor einer Woche wird in Schöneben gemessen, bei den Rossbänken hat sich die Höhe sogar verdoppelt. <h3> Nächster Schneeschub in Aussicht</h3>In Tallagen schmilzt der Neuschnee vielerorts rasch dahin, doch auch hier ist am Mittwoch einiges dazugekommen. Am meisten in Ulten, wo nun 60 Zentimeter Schnee liegen, es folgt Prettau mit 55. In Deutschnofen hat die Schneeschicht eine Dicke von 28 Zentimetern, auch in Sterzing sind es nach wie vor 17. Fürs Erste verabschiedet sich Frau Holle wieder, aber nicht für lange.<BR /><BR />Wie Peterlin informiert, ist der nächste Schneeschub bereits in Aussicht: Am Dienstag zieht ein weiteres Mittelmeertief über Südtirol. „Jetzt nimmt der Winter richtig Fahrt auf“, sagt Peterlin. So dürfte es auch kommende Woche wieder bis in tiefe Lagen schneien.<BR /><BR /> Begeisterte Wintersportler können es wohl kaum erwarten, die Skier zu schnappen und auf eine Tour zu starten – doch dabei ist höchste Vorsicht geboten. Für den Großteil des Landes hat der Lawinenwarndienst die Warnstufe drei ausgerufen, somit gilt die Gefahr als „erheblich“. Bislang wurde das Risiko diesen Winter als gering, also Warnstufe eins, eingestuft.<h3> Durch Altschnee droht Gefahr</h3>Wie Lukas Rastner vom Lawinenwarndienst informiert, hängt die derzeit kritische Situation mit den Witterungsverhältnissen der vergangenen Monate zusammen. Ständig lag dieselbe Schneeschicht an der Oberfläche. Nun birgt dieser Altschnee die große Gefahr: Wegen kalter und klarer Nächte bildeten sich über die Zeit dicke Schneekristalle – eine sogenannte Schwachschicht. Diese Kristalle halten nicht zusammen. „Man kann sich das so vorstellen, als würde man in einer Schüssel Salz oder Zucker rühren“, erklärt Rastner. Kleinste Bewegungen reichen, um den Schnee in Bewegung zu setzen.<BR /><BR />Die Kombination aus Alt- und Neuschnee, der in den letzten Tagen zur Genüge gefallen ist, erfüllt die Bedingungen für sogenannte Schneebrettlawinen. „Das ist die gefährlichste Lawinenart“, so Rastner. Besondere Vorsicht ist im steilen Gelände (ab 30 Grad Steigung) geboten. Vor allem in West-, Ost- und Nordhängen, die im Winter wenig bis gar keine Sonne erreicht. Aber auch, wenn man im flachen Gelände unterwegs ist: Ein Bruch in der Schneeschicht kann sich ausweiten und etwas versetzt, in steilerem Gelände, eine Lawine auslösen. <BR /><BR />Das große Problem ist, dass Gefahrenstellen kaum zu erkennen sind. Sie befinden sich versteckt unter dem Neuschnee. „Der Wind verschlechtert die Lage zusätzlich“, sagt der Lawinenexperte. Der pulvrige Neuschnee wird an andere Stellen geweht und ungleichmäßig verteilt. Vor allem in windgeschützten Stellen, also Rinnen oder Mulden, bilden sich sogenannte Triebschneeansammlungen und verdecken Gefahrenstellen. <h3> Achten auf Risse und das „Wumm“-Signal</h3>Hier tut sich auch das geschulte Auge schwer. Wintersportlern empfiehlt Rastner, den Lawinenbericht zu checken (https://lawinen.report/bulletin/latest). Wer noch dazu dem Whatsapp-Kanal „Lawinenwarndienst Südtirol“ beitritt, verpasst keine Meldung. Ohne einen guten Plan und die nötige Sicherheitsausrüstung – sprich Schaufel, Sonde und Lawinenpiepser – sollte man gar nicht erst auf eine Tour starten.<BR /><BR /> „Im Gelände selbst ist Zurückhaltung gefragt. Lieber auf Nummer sicher gehen, denn Gefahrenstellen können sich überall befinden“, warnt Rastner. Risse in der Schneedecke und „Wumm“-Geräusche (dumpfer Knall, Anm. d. Red.) sind ein klares Alarmsignal.