Sie schleppen Schaufeln, Pickeln, Sägen und Sicheln in die Höhe, „bewaffnen“ sich mit dem Farbkasten zum Markieren, tauschen alte Holzschilder aus und säubern die Wege von Geröll und Geäst. Hunderte Menschen sind sich hierzulande nicht zu schade, das engmaschige Netz an Wanderwegen zu hegen und zu pflegen. Freiwillig. Mit Freude. Und auch aus einem Gefühl der Verantwortung heraus. Für den Erhalt der Wege und im Sinne der Gemeinschaft. <BR /><BR />Allein im Südtiroler Alpenverein AVS zählt man heute deutlich mehr als 300 Wegemitarbeiter, die sich um die exakt 5677 Kilometer Wegstrecke kümmern, die in den Kompetenzbereich des AVS fallen. Dies ist ein Anteil von 35 Prozent am gesamten Wegenetz, eine ähnlich umfangreiche Strecke wird von den Tourismusvereinen betreut, der Rest fällt in die Zuständigkeit von Naturparken, des Nationalparks Stilfserjoch, des italienischen Alpenvereins CAI und weiteren Organisationen. <h3> „Über die Jahre geleistete Arbeit bereitet große Freude“</h3>Einer von den vielen ehrenamtlich tätigen Wegemachern ist Toni Steinhauser, seines Zeichens auch Wegereferent in der AVS-Ortsstelle Vintl und ehemals Jugendführer. „Es ist zwar schon eine Schinderei, aber wenn man nach vielen Jahren zurückschaut, was man alles gemacht hat, hat man eine große Freude“, begründet er seinen Einsatz. <BR /><BR />Zusammen mit Ortsstellenleiter Alfred Daberto verantwortet er beachtliche 147 Kilometer Wanderwege in den Pfunderer Bergen. Natürlich dürfen die Unermüdlichen, welche beide schon ihr 70. Lebensjahr überschritten haben, auf die Unterstützung von Freiwilligen zählen. In diesem weitläufigen Berggebiet nahe des Alpenhauptkammes kann man aufgrund der Höhenlage und der klimatischen Bedingungen erst später aktiv werden, besonders im heurigen Jahr lag der Schnee lange. Teilweise sind in schattigen Rinnen noch immer beachtliche Schneemengen zu finden. <h3> „Es gibt immer viel zu tun“</h3>Toni Steinhauser erzählt: „Tatsächlich gibt es immer viel zu tun. Umgefallene Bäume müssen beseitigt werden, manche Stellen sind ausgewaschen, vermurt oder abgerutscht, da muss man sich dann schon ordentlich ins Zeug legen. In tieferen Lagen waren wir bereits mit dem Rückschneiden von Stauden und Ausmähen beschäftigt, denn in einzelnen Abschnitten reichen die wuchernden Brennnesselstauden bis zur Hüfte. Da würde keiner mehr durchgehen. Und wo die Farbe abgegangen ist, muss natürlich nachmarkiert werden.“ <BR /><BR />Bei einem Teil der alten Wege müsse man sich schon überlegen, ob sich der Aufwand noch lohnt. Wo zu früheren Zeiten Almer, Jäger und sonstige Einheimische unterwegs waren und damit die Spur festigten, geht heutzutage oft keiner mehr. Doch Toni, Alfred und ihre Helfer schleppen nach wie vor Schaufel, Pickel, Steinschlegel und Motorsägen hoch und mühen sich im steilen Gelände ab.<h3> Wenn das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht</h3>Viel auszubessern gebe es auch stets beim Pfunderer Höhenweg, unter Wanderfreunden längst kein Geheimtipp mehr. Bei größeren Arbeiten werden die Wegemacher unterstützt. Toni Steinhauser lobt die langjährige Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung von Mühlbach, die jungen Burschen seien sich zum Anpacken nicht zu schade. Fehlt es gröber, dann kann man auch mal einen kleinen Bagger einsetzen. Und dann ist da noch das unberechenbare Wetter, das man im hochalpinen Gelände im Auge behalten muss. Es ist schon einige Male vorgekommen, dass die Wegemacher aus Vintl Hals über Kopf vor einem plötzlichen Gewitter flüchten mussten. <BR /><BR />Es komme schon oft vor, dass die Wegemacher während ihrer Tätigkeit von Wanderern angesprochen werden und Komplimente für ihren Einsatz bekommen. Speziell Gäste bzw. Weitwanderer, welche die Alpenüberquerung von München nach Venedig machen, wüssten die Instandhaltung zu schätzen. „Das freut uns natürlich und ist uns zugleich ein neuer Ansporn“, sagt Toni Steinhauser, wobei er auf die Notwendigkeit verweist, noch mehr Menschen und vor allem junge Leute für diese Aufgabe zu motivieren.<h3> Erfolgreiches Konzept der Wegepaten</h3>Eine zündende Idee hatte hierbei die AVS-Sektion Laas, als sie im Jahre 2009 die Figur des Wegepaten eingeführt hat. Wegepaten kümmern sich um einzelne Wege oder spezifische Abschnitte – mittlerweile gibt es laut Alpenverein landesweit beinahe 200 Wegepaten. Der jüngste ist gerade mal 10 Jahre alt, der älteste 84. Zudem steigt der Frauenanteil zusehends. Wegewarte sind die praktisch veranlagten „Macher“ im Gelände, während die Wegereferenten in den Ortsstellen die Koordination und die bürokratischen Erledigungen übernehmen. <BR /><BR />Südtirols Wegenetz umfasst auf den 16.000 Kilometern insgesamt 24.000 Wegweiserstandorte und 70.000 Hinweisschilder – allein diese Zahlen lassen den Umfang der ebenso wertvollen wie unermüdlichen Arbeit der Wegemacher erahnen.