Was gegen Depressionen in diesen Tagen helfen kann und was ihm Patienten berichten, erklärt Dr. Pycha im Interview.<BR /><BR /><b>Welche Menschen werden besonders stark von Wetterumschwüngen beeinflusst?</b><BR />Dr. Roger Pycha: So genannte Meteopathen reagieren sehr intensiv auf das Wetter: Bei Sonnenschein und Wärme geht es ihnen gut, bei Kälte und Nässe sind sie hingegen niedergeschlagen. Der Frühling und der Herbst sind Übergangszeiten, die die stärksten Veränderungen mit sich bringen – auch wettertechnisch – und das sind die strapaziösesten Monate.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1034385_image" /></div> <BR /><b>Welche Auswirkungen hat dies?</b><BR />Pycha: Die meisten Depressionen, aber auch die meisten Magengeschwüre verschlechtern sich oder treten im Frühling und im Herbst vermehrt auf. Wir hatten heuer einen intensiven, unüblichen Frühling mit viel Kälte sowie viel Nässe. Es war lange Zeit kalt. Das schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Wir haben mehr Patienten mit Depressionen in Behandlung. Die sollten im Mai schon längst in die Besserung geraten, aber sie spüren noch diese Depressivität an sich. Die großen und schwierigen Monate sind für sie normalerweise der März und der April, wo das Wetter oft schlecht oder wechselhaft ist – und ebenso der Oktober und der November. De facto ist dieser Mai noch so, als wäre es ein später März. An sich wäre der späte Frühling der Moment, wo die Depression umschlägt und von alleine aufhellt.<BR /><BR /><BR /><b>Verursacht dieses Wetter bei solchen Menschen somit automatisch mehr Stress?</b><BR />Pycha: Alle möglichen Stressfaktoren – innere wie äußere – werden schlechter verarbeitet. Psychisch kranke Menschen verdauen psychosoziale Ereignisse schwerer: zum Beispiel, wenn sie gekündigt werden, wenn es einen Streit gibt mit einer wichtigen Bezugsperson oder wenn sie längere Zeit nicht schlafen. Die Durchschnittsbevölkerung hingegen schafft solche Stressanforderungen besser – denn sie geht leichter damit um.<BR /><BR /><BR /><b>Was kann nun helfen, Depressionen zu bewältigen?</b><BR />Pycha: Hilfreich ist es beispielsweise, früher aufzustehen und eine halbe Stunde mindestens täglich Ausdauerbewegung zu machen. Eine Stunde früher aufzustehen hilft sofort. Das ist ein gleich wirksamer, rascher Anstoß, der jeden Tag wiederholt werden muss. Sonst geht er rasch wieder verloren. All das mache ich leicht, wenn der Frühsommer sich ankündigt und um 5 Uhr in der Früh bereits strahlendes Wetter ist. Wenn es hingegen grau in grau ist, kann ich diesem Rhythmus schlecht entsprechen und muss mich viel mehr überwinden, um das zu schaffen. <BR /><BR /><BR /><b> Was berichten Ihre Patienten da konkret?</b><BR />Pycha: Viele Patienten sagen mir: „Ich weiß, ich sollte mehr Bewegung machen. In dieser nass-kalten Zeit habe ich es aber nicht mehr geschafft.“ Und warum? Weil wir Bewegung ganz stark mit Outdoor verbinden – mit Bewegung unter freiem Himmel. Solche Bewegung hilft mehr: Da sind grüne und blaue Räume – strahlender Himmel und Natur, man spricht auch vom Waldbaden – das hilft den Menschen zusätzlich. Viele Menschen sind aber darauf konditioniert, sodass sie sich sagen: Im Inneren – in der Wohnung – mache ich keine Bewegung. In nass-kalten Jahreszeiten wäre es aber wichtig, das Bewegungspensum auch zuhause zu erfüllen – zum Beispiel mit einem Laufband. Das wirkt nicht so gut wie unter freiem Himmel und in der Natur, in die ich eintauchen kann, aber es wirkt doch auch gut und ist viel besser als gar nichts.