Die meisten können das Internet aus ihrem Alltag gar nicht mehr wegdenken. Auch bei Kindern und Jugendlichen passiert heute vieles online, oft nebenbei und scheinbar harmlos. Sogar in der Schule wäre ein Verzicht darauf völlig unvorstellbar – trotz gesetzlich vorgeschriebenem Handyverbot in den Klassenzimmern. Dass das Internet manchmal jedoch nicht nur Segen, sondern auch Fluch zugleich sein kann, weiß Oskar Giovanelli, Psychotherapeut und Koordinator des Ambulatoriums YoungHANDS. <BR /><BR />„Das Gehirn ist erst mit etwa 25 Jahren komplett ausgereift. Bis dahin muss man viel lernen“, weiß er. Zum Beispiel den Umgang mit Gefühlen. Wer sich ständig im Internet ablenkt und negative Gefühle stumm schaltet, lernt nicht, sie zu verarbeiten, sagt Giovanelli. Das macht sich besonders bei Frustrationstoleranz und Leistungsdruck bemerkbar. Viele junge Menschen, die im Alltag ein Erlebnis mit Misserfolg hatten, ziehen daraus den Schluss, dass im Internet alles einfacher und somit besser ist. Doch damit nicht genug, denn auch ein Erfolg schmecke in der fiktiven Welt noch süßer. „Ein Sieg in einem Videospiel treibt den Dopaminspiegel höher als eine gute Note“, sagt der Experte.<h3> „Kinder müssen lernen, sich zu langweilen“</h3>Viele greifen aus Langeweile zum Handy. „Kinder müssen lernen, sich zu langweilen. Nur so kann man auch eigene Interessen entwickeln“, erklärt er. Fehle diese Erfahrung, seien viele Heranwachsende nach der Schulzeit orientierungslos und wüssten nicht, welchen Weg sie einschlagen sollen. <BR /><BR />Nicht minder problematisch ist, dass Gefühle nicht mehr bewusst verarbeitet, sondern durch den wiederholten Blick aufs Smartphone verdrängt werden. Diese ständige Ablenkung könne sich langfristig problematisch auf die Sozialisierung auswirken. „Aus Jugendlichen, die ihre Emotionen mithilfe des Smartphones betäuben, werden häufig junge Erwachsene mit Schwierigkeiten im sozialen Miteinander“, warnt der Experte.<BR /><BR />Für Giovanelli wäre ein Verbot wie in Australien wichtig, um ein Zeichen zu setzen. Doch er sieht die Verantwortung nicht nur bei der Politik. „Am wichtigsten ist Aufklärungsarbeit. Zwar hat sich das Bewusstsein für die Schäden eines übermäßigen Internetkonsums in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Aber dennoch gibt es viele Eltern, die die Sache nicht ernst genug nehmen“, sagt Giovanelli.<h3> Landtag macht Druck auf Rom</h3>Der Umgang mit sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt nun auch den Südtiroler Landtag: Gestern wurde ein Begehrensantrag des SVP-Fraktionsvorsitzenden Harald Stauder angenommen. Südtirol setzt in Bezug auf Internetnutzung derzeit zwar auf Aufklärung und Vorbeugung. Nun fordert der Landtag das italienische Parlament und die Regierung auf, sich für weitere Einschränkungen bei sozialen Medien einzusetzen und auf EU-Ebene eine einheitliche Regelung anzustreben. „Kinder und Jugendliche brauchen klare Orientierung im digitalen Raum“, ist Stauder überzeugt.